Als Elon Musk angekündigt hat, Twitter kaufen zu wollen, habe ich meinen ehemaligen Account auf dieser Plattform binnen weniger Tage deaktivieren, und somit löschen lassen. Seitdem Musk Twitter übernommen hat, nutze ich die Plattform nicht mehr – und habe meine sozialen Internetaktivitäten noch mehr ins Fediverse verlagert. Trotz meiner Affinität für das Fediverse ist es interessant, das sinkende Schiff Twitter beim Untergehen zu beobachten. Als Außenstehender mit einem Interesse an digitalen Medien und sozialen Netzwerken kann die ehemalige Social-Media-Größe heute schon sehr lächerlich wirken. Irgendwie ist es sehr unterhaltsam zu sehen, wie Elon Musk das sinkende Schiff immer weiter in den Abgrund treibt – und nun schon anstalten macht, mit dem letzten Rettungsboot abhauen zu wollen. Unter Musk hat sich Twitter mehr und mehr lächerlich gemacht und natürlich auch an der Größe verloren, die es einst hatte. Twitter hat wortwörtlich einen Vogel und Elon Musk hat den Vogel komplett abgeschossen

Ich beobachte Twitter aus dem Fediverse heraus, ich urteile anhand dessen, was mir die üblichen Nachrichtenquellen zugänglich machen: Twitter befindet sich im rapiden Sinkflug, das lässt sich wohl nicht mehr abstreiten. Das, was einmal eine feste Größe in der Welt der sozialen Netzwerke war, verliert jetzt nicht nur an Werbepartnern, sondern auch an Popularität. Für mich sind diese Entwicklungen irgendwie spannend, irgendwie ist es faszinierend, wie eine Einzelperson so ein großes Unternehmen binnen wenigen Monaten vollkommen gegen die Wand fahren kann. Andererseits hat das auch etwas erschreckendes, Tag für Tag. Twitter, Facebook, Instagram und die anderen großen „sozialen“ Netzwerke verkaufen ihr Produkt nicht an ihre Nutzer. Stattdessen verkaufen sie Werbefläche an Werbetreibende, die Nutzer werden bekanntlich zu den eigentlichen Produkten. Dass eine Einzelperson mit zu viel Geld einen derartigen Schaden an digitaler, und irgendwie auch öffentlicher Infrastruktur anrichten kann, macht mir Sorgen.

Natürlich kann man über diese sagenhafte Geldverschwendung lachen – und weinen will zumindest ich dabei auch ein bisschen: Was hätte man mit den Millionen, die Musk in Twitter versenkt hat, alles umsetzen können? Ich möchte gar nicht an all die sozialen und gemeinnützigen Projekte, Initiativen, Vereine und Organisationen denken, denen dieses Geld nicht zu gute gekommen ist. Nein, stattdessen musste Musk aus einer Laune heraus ein Stück digitaler Infrastruktur kaufen. Ich habe meine Meinung zu diesem Thema schon klar dargelegt. Unter anderem in dem oben verlinkten Artikel, den ich seinerzeit relativ aktuell verfasst habe. Doch je länger ich über die dahinterstehende Diskussion und die neuen Meldungen diesbezüglich denke, desto mehr muss ich dem Thema hinterhergrübeln: Dass sich Twitter mal vertraglich, mal aus willkürlichem Gusto nicht an Moderationsverpflichtungen oder -abmachungen hält, hat etwas Bezeichnendes. In erster Linie ist es aber traurig, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Dass „unser“ Wirtschaftssystem für eine so fragwürdige Situation Platz geschaffen hat.

Für mich ist es unglaublich schwer, die Situation zu beurteilen: Ja, ich interessiere mich für soziale Medien, auch aus einer ganz persönlichen Perspektive. Aber ich bin kein Wirtschaftsverständer. Ich kann nur beschreiben, dass ich mehr und mehr hinterfragen muss, ob politisch bisher genug getan wurde, um eine solche Machtausnutzung im digitalen Raum zu verhindern. Natürlich kommen dabei auch Fragen digitaler Abhängigkeit auf. Und natürlich lässt sich bei dieser Gelegenheit auch einmal mehr hinterfragen, ob soziale Netzwerke wirklich so „sozial“ sind, wie sie sich gern geben. Ich habe Twitter selbst über zwei oder drei Jahre genutzt – und ehrlich gesagt bin ich froh, das jetzt nicht mehr zu tun. Die Diskussion rund um dieses Thema kann schnell sehr persönlich werden: Selbst, wenn man zu dem Schluss kommt, dass sich die kommerziellen Netzwerke nicht für sozialen Austausch eignen, werden sie doch von vielen dafür genutzt. Hier liegt der Knackpunkt, hier wird privates Eigentum zu einer wirklich öffentlichen Infrastruktur im Digitalen, und genau hier offenbart sich irgendwie auch die Verantwortung, die den Betreibern sozialer Netzwerke zukommt.

Ich bin in dieser Thematik zu einem Beobachter geworden – und hinterfrage in dieser Position immer mehr das, was ich zu diesem Thema mitbekomme. Ich bin als Fediverse-Nutzer froh, nicht von dieser Form der Willkür betroffen zu sein. Doch vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich so sehr dafür interessiere, wie das sinkende Schiff Twitter weiter und weiter, immer weiter untergeht. Wie seht ihr die Thematik?