Schlagwort: Soziale Netzwerke

  • Mastodon: Welche Rolle spielt die Größe einer Instanz?

    Hinweis: Das ist ein Meinungsbeitrag.

    Jeder, der dem Fediverse beitreten möchte, muss sich zu Anfang eine ganz grundlegende Frage stellen: Wie komme ich da überhaupt rein? Das Fediverse ist eben dezentral – und die eine Webseite, auf der man sich anmelden und loslegen kann, gibt es nicht. Stattdessen besteht das Fediverse aus einer Vielzahl sogenannter „Instanzen“. Diese können von Organisationen wie Vereinen, aber natürlich auch Einzelpersonen betrieben werden. Je nach dem, für welchen Fediverse-Dienst man sich interessiert, ist die Auswahl da mitunter ziemlich groß. Bestes Beispiel ist und bleibt hier wohl Mastodon, was heute sicherlich die bekannteste Fediverse-Software darstellt.

    Abhängig davon, was man sich für die eigene Nutzung verspricht, bieten sich unterschiedliche Instanzen an.

    Am Beispiel Mastodon möchte ich hier darstellen, welche Rolle die Größe einer Instanz-Gemeinschaft bei der Auswahl einer Instanz spielen kann – und welche Vorteile große und kleine Server bieten. Hier sollte aber auch gesagt sein, dass es insbesondere bei Mastodon recht einfach ist, die eigene Instanz zu wechseln. Falls ihr mit diesem Gedanken spielt, könnten die folgenden Überlegungen aber auch für euch interessant sein.

    Grundlegende Unterscheidungen

    Bevor ich hier irgendwelche Vor- und Nachteile diskutieren kann, möchte ich einige wichtige Eckpunkte abstecken. Denn wie man die Größe einer Instanz beurteilt bleibt natürlich zu einem gewissen Maße recht subjektiv. Grundlegend schlage ich eine Unterteilung in kleine, mittelgroße und große Mastodon-Instanzen vor. Server, die nur für eine sehr kleine Community, zum Beispiel für den privaten Gebrauch, betrieben werden, möchte ich hier auslassen. Mir geht es um öffentliche Instanzen, die aktiv an der Föderation im dezentralen sozialen Netzwerk teilnehmen:

    • kleine Instanzen hosten dutzende bis hunderte Profile
    • mittelgroße Instanzen hosten hunderte bis einige tausend Profile
    • große Instanzen hosten zehntausende Profile oder mehr

    So viel ersteinmal zu den groben Rahmenbedingungen, die ich für diesen Artikel stecken möchte. Natürlich kann man sich über diese Einteilung streiten – und die Übergänge sind an vielen Stellen wohl auch fließend. Falls ihr die Einteilung vollkommen anders setzen würdet, freue ich mich über eure Kommentare. Allerdings muss ich mich auf einen gewissen Rahmen festsetzen, sonst würden meine Überlegungen überhaupt keinen Sinn ergeben. Ach ja, wenn ich schon dabei bin, mich aus der inhaltlichen Verantwortung zu ziehen: Das, was ich hier in diesem Beitrag schreibe, basiert natürlich ganz grundlegend auf meinen eigenen Erfahrungen.

    Ich habe meinen Mastodon-Account selbst bereits einige Male umgezogen. Die größe der Instanzen war dabei oftmals ein Faktor, den ich zumindest im Hinterkopf hatte. Natürlich ist das, was ich auf meinen bisher genutzen Instanzen gesehen und erlebt habe, nicht repräsentativ – aber einen Einblick sollten diese Erfahrungswerte doch gewähren.

    Klein aber fein?

    Kleine Instanzen stehen meiner Ansicht nach in erster Linie für die Community, die sich auf ihnen tummelt. Vielleicht lässt sich das ein bisschen mit einer stereotypen Dorfgemeinschaft vergleichen, in der sich jeder kennt – und manche womöglich auch ziemlich gut leiden können. Gerade, wenn man auf die eigene lokale Timeline schaut, halte ich es für einfacher, in einer kleineren Gemeinschaft neue Kontakte zu knüpfen und dauerhaft zu halten. Wer auf einer kleinen Instanz die lokale Timeline beachtet, kann meiner Meinung nach schnell von einem durchaus positiven Gemeinschaftsgefühl eingeholt werden. Immerhin hat man ja mit den Leuten auf diesem Server schon ganz grundlegend etwas gemein – man hat sich die selbe Fediverse-Instanz ausgesucht. Solange sich derartige Communities nicht abkapseln und gar in eine elitäre Richtung abgleiten, würde ich das durchaus als einen Vorteil betrachten.

    Auch auf technischer Ebene sehe ich einige Vorteile in kleineren Instanzen. Denn wenn sich auf einem Server weniger aktive Profile befinden, lastet auf den Moderatoren dieser Instanz potentiell auch weniger Verantwortung. Im Internet eine Nutzergemeinschaft zu moderieren kann anstrengend sein, weil man auch bei Inhalten nicht wegschauen kann, die man eigentlich nicht sehen möchte. Ich habe zwar selbst noch nicht auf einem Mastodon-Server moderiert, aber gebe seit einiger Zeit im Team mit einigen anderen Kommentare auf GNU/Linux.ch frei. Das ist bekanntlich eine eher technik-fokussierte Seite, und doch finden sich immer wieder kontroverse Meinungen und unangenehme Aussagen, manchmal auch Beleidigungen. Und all diese Kommentare wollen ebenso moderiert werden. Bei Mastodon stelle ich mir das nicht anders vor, vielleicht sogar noch einen Zacken anstrengender, weil es dort oft um den direkten Austausch mit anderen geht.

    Wenn eine Mastodon-Community nun klein ist, ergibt sich wohl zwangsläufig etwas mehr Übersichtlichkeit für die Moderation – und das halte ich für sehr sinnvoll. Ja, im Grunde ist das einer der vielen Vorteile, die das Fediverse meiner Meinung nach gegenüber den großen kommerziellen Social-Media-Diensten bietet. Dezentralität kann eben nicht nur die Server-Last verteilen, sonder vielleicht auch die Belastung für einzelne Moderatoren mindern.

    Übersichtlichkeit ist ein gutes Stichwort. Gerade aus Nutzerperspektive finde ich es wichtig, auf die lokale Timeline eines Servers zu achten. Ganz persönlich lege ich Wert darauf, dass ich mich auf einer Instanz wohlfühlen kann. Kurz: Ich möchte keine Instanz nutzen, deren Inhalte ich selbst nicht mit ansehen kann. Dieser Wohlfühl-Faktor ist aber nur ein Aspekt dieser Frage. Ein weiterer wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach, wie stark frequentiert eine lokale Timeline ist. Das ist die Übersichtlichkeit, die ich meine. Auf manchen kleinen Instanzen liegen die einzelnen Beiträge in den lokalen Timelines teils Stunden auseinander – auf größeren Servern bekommt man hier manchmal jede Minute neue Inhalte zu Gesicht.

    Ich habe die wenigen Beiträge in den lokalen Timelines allzu kleiner Instanzen oft mit Langeweile gleichgesetzt. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich eigentlich damit anfreunden: Wenn die lokale Timeline scheinbar nie zur Ruhe kommt – wo bleibt denn da die Zeit, sich mit den eigentlichen Inhalten auseinanderzusetzen? Kann es nicht auch Vorteile haben, mit etwas weniger Hektik im Alltag umgehen zu müssen? Ich finde, dass es dem eigentlichen Austausch und der Diskussionskultur als solches durchaus gut tun könnte – aber das bleibt natürlich eine subjektive Einschätzung. Beiträge in den sozialen Netzwerke verstehe ich oft als Schall und Rauch. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, auf den Schall zu hören und die Rauchzeichen zu entziffern.

    Kleine Instanzen stehen für mich für eine besonders vitale Form der Föderation im Fediverse. Denn je größer eine Instanz ist, desto mehr Verantwortung lastet auf deren Administratoren – und desto mehr Kontrolle fällt ihnen im Fediverse zu.

    Die goldene Mitte?

    Mittelgroße Server sind gerade bei Mastodon ziemlich verbreitet. Wenn eine Instanz einmal Fahrt aufgenommen und Beachtung geschenkt bekommen hat, ist es nachvollziehbar, dass sich das herumspricht. Ich habe lange zum Beispiel die Instanz social.anoxinon.de benutzt, oder den Server troet.cafe. Im Grunde sind beide Instanzen sehr interessant, in der Regel freundlich und auch gut moderiert. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich ab einer gewissen Instanzgröße nicht auch gewisse Nachteile ergeben könnten, sowohl für die Nutzerschaft als auch für die Moderation.

    Denn wo mehr Nutzer unterwegs sind, finden potentiell auch vermehrt Diskussionen in der lokalen Timeline statt – und die Verantwortung bei den Moderatoren steigt. Natürlich ist es immer möglich, eine Instanz gemeinsam mit anderen zu moderieren, und nicht alleine. Aber trotzdem bleibt das Grundprinzip hier das gleiche. Meiner Meinung nach können Mastodon-Instanzen auch ein Stück weit als ein öffentlicher digitaler Raum verstanden werden. Dass Einzelpersonen oder Vereine diese ehrenamtlich oder spendenfinanziert bereitstellen, rechne ich ihnen hoch an. Allerdings denke ich auch, dass mit der Entscheidung, eine öffentliche Instanz zu betreiben, auch eine gewisse Verantwortung einhergeht.

    Aus der Nutzerperspektive können mittelgroße Instanzen auch ihre Vorteile bergen, immerhin ist es potentiell leichter möglich, unterschiedliche Leute in der lokalen Timeline kennenzulernen, wenn die Nutzerbasis größer ist. Ich möchte hier nicht auf die thematischen Ausrichtungen verschiedener Server eingehen, sondern nur auf die statistische Wahrscheinlichkeit hinweisen. Allerdings verschwinden mit steigenden Nutzerzahlen eventuell auch die potentiellen Vorzüge, die kleine Instanzen für den Austausch in einer Gemeinschaft bergen können.

    Ich habe selbst bisher eigentlich vermehrt positive Erfahrungen auf mittelgroßen Servern gemacht, auch wenn ich eher zu kleineren Instanzen tendiere. Am Ende des Tages muss das natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Um einen Server auszuprobieren, muss man nicht gleich den eigenen Account umziehen. Aber wenn man sich mit der lokalen Timeline eines Servers vertraut gemacht hat, ist das natürlich problemlos möglich.

    Groß und stark?

    Große Mastodon-Instanzen sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Für mich überwiegen eigentlich eher die nachteile besonders großer Server wie etwa mastodon.social oder mstdn.social. Ich möchte hier gar nicht gegen die Communities oder die Moderatoren auf diesen Servern wettern. Mir geht es hier eher um prinzipielle Aspekte.

    Was die oben beschriebenen Punkte angeht, könnte man große Instanzen als das Gegenstück zu den kleinen Servern sehen, während die mittelgroßen Instanzen den Zwischenweg darstellen. Allerdings lassen sich meiner Ansicht nach bestimmte Vorfälle aus der Vergangenheit nicht einfach ausblenden, wenn wir über große Instanzen diskutieren wollen.

    Als Elon Musk beispielsweise Twitter gekauft hat, konnte man im Fediverse objektiv massive Nutzerwellen hin zum Flaggschiff-Server mastodon.social feststellen. Natürlich war es für mich als Fediverse-Enthusiasten schön mit anzusehen, dass Mastodon endlich mehr Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Aber die Folge dieser konzentrierten Anstürme auf mastodon.social waren eben auch, dass die Performance des Servers deutlich gesunken ist. Technisch haben die vielen neuen Nutzer also mehr oder minder gemeinsam dafür gesorgt, dass ihre Nutzungserfahrung mit Mastodon schlechter war, als sie es hätte sein müssen. Wenn sich die Last auf mehrere Server verteilt hätte, wäre sie wohl leichter zu händeln gewesen.

    Noch heute ist mastodon.social eine der größten Fediverse-Instanzen überhaupt. Ich möchte hier auch niemandem absprechen, einen Account auf dem Server zu unterhalten; ich habe mich ja selbst schon einmal dort ausprobiert. Allerdings finde ich es schade, dass das grundlegende Konzept der Dezentralisierung hier so unbeachtet geblieben ist – vermutlich weil viele neue Nutzer damit noch keine Erfahrungen mit Aha-Effekt gesammelt hatten.

    Performance-Probleme sind aber nicht die einzige negative Folge, die sich meiner Meinung nach inkonsequente Dezentralisierung zurückführen lässt. Vor ein paar Monaten ging von mastodon.social auch eine Spam-Welle aus. Damals war der Server wohl schon groß genug, um für digitale Trickbetrüger interessant genug zu sein. Mit Crypto-Scam-Links versehen gingen damals Spam-Nachrichten auch an Nutzer anderer Server heraus. Wenn ich mich richtig erinnere, musste die Moderation meines damaligen Servers dresden.network die Föderation mit mastodon.social temporär kappen, um die eigenen Nutzer vor den Scam-Nachrichten zu schützen. Das finde ich ziemlich traurig.

    Hier zeigt sich wieder, welche Verantwortung den Admins und Moderatoren von öffentlichen Instanzen zukommt. Ich vermute, dass sich die digitalen Trickbetrüger nicht ohne Grund mastodon.social als Startserver ausgesucht haben, denn selbst wenn andere Instanzen derentwegen die Föderation mit mastodon.social kappen, wäre dann die Angriffsfläche auf dem eigenen Server noch groß genug gewesen.

    Natürlich sind das nur zwei Beispiele und gerade im zweiten Fall auch ein gutes Stück Vermutungen, die ich hier beschreibe. Allerdings zeigen sie zumindest mir, warum ich aktiv lieber auf kleineren oder wenn, dann mittelgroßen Servern unterwegs bin.

    Fazit

    Dieser Text spiegelt ganz klar meine persönliche Meinung. Es bleibt eben eine persönliche Entscheidung, welchen Server man nutzen möchte – und diese Entscheidung baut zumindest für mich auch massiv auf ein gewisses Vertrauen. Heute habe ich meinen Account von der größten deutschsprachigen Instanz troet.cafe zum wesentlich kleineren Server dizl.de umgezogen. Meine Beweggründe waren hier im Wesentlichen die Vorteile, die kleinere Instanzen für die Dezentralität des Fediverse bedeuten können und die Übersichtlichkeit, die sich mir als Nutzer in der lokalen Timeline bietet.

    Wie bereits erwähnt ist es gerade bei Mastodon eigentlich recht einfach, bestehende Accounts auf einen anderen Server umzuziehen. Allerdings kann ich verstehen, wenn sich manche Nutzer diesen Aufwand nicht machen wollen, vielleicht auch, weil sie die eigenen Beiträge nicht mitnehmen können. Deswegen empfehle ich es gerade Neulingen, auf den mittelgroßen Server troet.cafe zu setzen und im Zweifelsfall auf eine andere Instanz umzuziehen. Da dieser Server bereits von vielen genutzt wird, vermute ich, dass bei Neulingen so nicht der Anschein erweckt wird, im Fediverse wäre nur tote Hose – wenn sie auf ihre lokale Timeline schauen.

    Ich nutze das Fediverse und Mastodon aber nicht erst seit gestern und habe so schon einige Zeit damit verbringen können, verschiedene Server zu testen. Im Grunde waren meine Erfahrungen damit meistens eher positiv. Ich bin oft auch deswegen gewechselt, weil mich ein anderer Server seinerzeit mehr angesprochen hat. Also auch nicht unbedingt, weil ich mit meinem alten Server unglaublich unzufrieden gewesen wäre.

    Sich im Fediverse umzusehen, genau darauf zu achten, welcher Community man beitreten möchte und welche Instanz individuell ansprechend ist: Das kann wohl nie schaden. Vielleicht helfen ja auch meine Überlegungen, die ich in diesem Beitrag formuliert habe, ein wenig bei der Auswahl. Ich freue mich jetzt jedenfalls auf meine Zukünftigen Erfahrungen mit und auf dizl.de. 🙂


    Bildnachweis: Eukombos, CC0, via Wikimedia Commons

  • Der Preis für Social Media

    Wie habe ich eigentlich schon darüber geschrieben, dass ich die großen sozialen Netzwerke Twitter, Instagram (und Facebook) nicht besuche oder benutze? Ich habe jedenfalls nicht mitgezählt – aber falls ihr das gemacht haben solltet, könnt ihr den Stand jetzt um eins erhöhen. An manchen Tagen freue ich mich sehr, nicht auf den großen sozialen Netzwerken unterwegs zu sein – oder unterwegs sein zu müssen. Denn als ich Twitter und Instagram noch genutzt habe, war ich mit der Zeit immer weniger mit diesen Plattformen zufrieden: Instagram wurde immer nerviger und Twitter hat Elon Musk aus dem Rennen genommen. Einen Account bei Facebook hatte ich ohnehin nie. Ja, ich rede und schreibe gern über dieses Thema, weil es für mich wie kein zweites ein gewisses Spannungsfeld abbildet: Das, in dem wir uns im interaktiven „Web 2.0“ stets und ständig wiederfinden.

    Nachdem die klassischen Nutzungsformen des Web 1.0, insbesondere das Basteln eigener Homepages oder das Verfassen langer Blogartikel etwas aus der Mode gekommen ist, hat sich das Web 2.0 entwickelt. Damals, als die oben genannten großen sozialen Netzwerke gegründet und immer größer wurden, hat ein Trend eingesetzt hin zu dem Netzwerksystem, das das Web noch bis heute dominiert. Inhalte von Nutzern werden heute in großem Maßstab auf Plattformen veröffentlicht, bei denen sich prinzipiell jeder anmelden kann. In der Regel geht das kostenlos; aber wem erzähle ich hier etwas neues. Ich möchte ja nur einmal resümieren: Das Web 2.0 ist heute eine besonders bedeutsame Form, Inhalte ins Netz zu stellen und zu diesen Stellung zu beziehen. Ob Texte, Kurznachrichten, Videos oder Audios: Für die verschiedenen Medienformen existieren oftmals gleich mehrere Dienste.

    In der Schule habe ich gelernt, dass man immer erst etwas positives zur Arbeit eines anderen sagen soll, wenn man diese einschätzt: Die verbreiteten Dienste des Web 2.0 lassen sich an vielen Stellen kritisieren. Aber bevor ich zu diesem Teil übergehe, möchte ich zunächst ein paar interessante Aspekte hervorheben, die wir hier vielleicht auch nicht vergessen sollten: Dienste wie Twitter zum Beispiel haben Kommunikation im Netz viel schneller und sicherlich auch einfacher gemacht. Es ist nachvollziehbar, wenn nicht jeder eine Webseite schreiben möchte, der etwas über das Web mitteilen mag. Die großen sozialen Netzwerke haben die Kommunikation über das Netz als ganzes mit Sicherheit verstärkt. Und ich wage auch zu behaupten, dass durch die großen sozialen Netzwerke mehr Menschen überhaupt mit dem Netz in Kontakt gekommen sind. Vermutlich sind so auch wesentlich mehr Perspektiven in das eingeflossen, was ich gerne als „Netzkultur“ zusammenfasse.

    Als Teil des WWW können soziale Netzwerke Menschen einen Raum geben, um ihre Ansichten, Meinungen und auch ihr Wissen mit anderen zu teilen. Das finde ich schön und möchte es den großen Plattformen auch nicht absprechen, wenn meine Kritik an ihnen harsch ausfällt. Allerdings stellt sich doch immer die Frage, welchem Preis man dafür zahlen muss, um die Vorzüge sozialer Netzwerke ausschöpfen zu können. Facebook, Twitter, Instagram und Konsorten: Das sind alles kommerzielle Dienste, die nicht aus Luft und Liebe erstellt, erhalten und weiterentwickelt wurden und werden. Auf den großen Social-Media-Plattformen bezahlen Nutzer heute in der Regel mit ihren Daten und ihrer Zeit.

    Ich bin froh, dass sich über das Fediverse viele Vorteile sozialer Medien nutzen lassen, ohne die kommerziellen Interessen eines Unternehmens im Hintergrund. Doch als politisch und kulturell interessierter Mensch frage ich mich manchmal eines: Was verpasse ich eigentlich, jetzt da ich zum Beispiel kein Instagram und Twitter mehr verwende. Instagram ist mir hier eigentlich recht egal – denn die dort geteilten Inhalte interessieren mich oft eher weniger. Bei Twitter sieht das schon etwas anders aus. Denn manchmal kann dieses Netzwerk auch einfach eine sehr schnelle Informations- und Nachrichtenquelle sein. So habe ich es zumindest in Erinnerung. Klar, ob sich dort sinnvoll streiten lässt, ist schon ein Streitpunkt für sich. Aber die ein oder andere Schlagzeile mitzubekommen, ein paar Meldungen abgreifen zu können – Twitter ist nicht ohne Grund zu einer großen Plattform geworden.

    Ich finde es nachvollziehbar, wenn Leute Twitter aus derartigen Gründen verwenden. Aber dann holen mich schnell wieder die Bedenken ein, wegen der ich dieser Seite einst den Rücken gekehrt habe. Die Bedenken erinnern mich sozusagen daran, warum ich Twitter nicht mehr verwende. Und das ist auch gut so. Natürlich geht es bei den großen kommerziellen Anbietern von Social-Media-Diensten primär um die Werbeeinnahmen. Aber ohne Nutzer ist eine Plattform eben auch für Werbetreibende uninteressant. Wer eine solche kommerzielle Plattform verwendet, unterstützt diese auch, mit der eigenen Anwesenheit.

    Das Fediverse übertrifft insbesondere Twitter schon an vielen Stellen, diese Vorteile überwiegen auch deutlich. Aber der altbekannte Netzwerkeffekt, dass eine Plattform immer auch an der schieren Menge ihrer Nutzer gemessen wird, lässt sich nicht ausblenden. Ich bin bereit, das Fediverse weiterhin zu unterstützen. Ich würde Mastodon, Friendica und die anderen Fedi-Dienste auch verwenden, wenn sie nicht einmal annähernd an die Funktionalität der großen sozialen Netzwerke anknüpften. Ganz einfach, weil das Fediverse so viele eigene Akzente setzt, dass es sich nicht immer mit anderen, kommerziellen Diensten vergleichen muss.

    Ich komme aber auch nicht umhin, selbst derartige vergleiche anzustellen: Das Fediverse ist ein Netzwerk aus sozialen Netzwerken und deswegen messe ich es auch anhand meiner Verwendungszwecke für andere Dienste. Der entscheidende Unterschied ist aber: Im Fediverse habe ich meist nicht das Gefühl, einen Handel eingehen zu müssen. Ein Tauschgeschäft, zum Beispiel mit meinen Daten, was mir über die Zeit immer weniger fair vorgekommen ist. An diesem Eindruck hat sich bis heute eigentlich nichts geändert.

    Vielleicht sollte ich mich also weniger fragen, was ich verpassen könnte. Stattdessen könnte ich mich ja auch einfach darauf konzentrieren, was mir am Fediverse gefällt. Und auf das, was ich ohne Twitter und Co. auch nicht mehr mit ansehen muss. Kommerzielle soziale Medien machen uns ein Angebot – aber das müssen wir nicht annehmen.

  • Soziale Medien auf dem Smartphone

    Immer wieder höre ich, dass die klassische Nutzung eines Computers über einen Desktop-PC oder Laptop immer mehr an Bedeutung verliert. Und ohne das jetzt statistisch nachgeprüft zu haben, könnte da schon etwas dran sein. Der „Smartphone-Markt“ ist in aller Munde, insbesondere auch wenn es um das Internet und das World Wide Web geht. Als ich mich zum Beispiel über Themes für diesen WordPress-Blog informiert habe, konnte ich quasi nicht darum herumkommen, auch über die mobile Darstellung dieser Seite nachzudenken.

    Manchmal wünschte ich, ich könnte das. Denn ich persönlich fühle mich zum Beispiel wohler, wenn ich einen klassischen Computer für meine täglichen Aufgaben verwenden kann. Hier habe ich was das Betriebssystem, die Software-Ausstattung und in Teilen auch die Hardware angeht, wesentlich mehr Kontrolle als auf einem mobilen Endgerät.

    Aber natürlich lässt sich anhand einer persönlichen Vorliebe nicht abstreiten, dass mobile Plattformen heute auch ziemlich wichtig geworden sind. Sowohl für viele Nutzerinnen und Nutzer der Geräte, als auch für die Firmen, die mit den oder gegen die Nutzer Geld verdienen möchten. Egal ob auf Android oder iOS: Soziale Medien sind auf den Smartphones für viele Menschen wohl nicht mehr wegzudenken.

    Ich habe hier meine ganz eigene Perspektive: Als ich noch Instagram und Twitter verwendet habe, landeten auch die mobilen „Apps“ auf meinem Smartphone. Bei Instagram zum Beispiel waren damals auch viele Funktionen nur über die Smartphone-Anwendung verfügbar. Wie das heute ist, weiß ich nicht, aber vermutlich wird sich da nicht viel geändert haben. Twitter nutze ich heute ebenso wenig wie Instagram, aber das war seinerzeit auch voll und ganz über einen Laptop oder Desktop-PC nutzbar.

    Heute verwende ich primär die sozialen Netzwerke aus dem Fediverse, ferner habe ich auch noch Zugänge zu Reddit und Tumblr, aber die verwende ich derzeit auch nicht so oft. Was das Fediverse angeht, nutze ich momentan vor allem Mastodon. Und wer einige der letzten oder noch ältere Beiträge in diesem Blog verfolgt hat weiß: Ich mache mir sehr gern Gedanken über die einzelnen Aspekte des Fediverse.

    Aber heute möchte ich mich ein bisschen zusammenreißen; hier soll es ja schließlich um soziale Netzwerke auf mobilen Endgeräten gehen. Jetzt, da ihr wisst, in welchen sozialen Netzwerken ich zur Zeit aktiv bin, möchte ich eine erste wichtige Unterscheidung treffen: Die zwischen mobilen Clients und offiziellen „Apps“.

    Netzwerke wie Instagram, Twitter oder Facebook werden oft mit der analogie des „Walled Gardens“ beschrieben. Dieser Vergleich meint im Wesentlichen nur, dass die Nutzer dieser Plattformen von denen anderer Netzwerke abgekapselt sind. Konzerne wie Meta oder X konkurrieren nun einmal miteinander, und Geld machen diese Firmen mit den Daten ihrer Nutzer, die sich dann Werbung ansehen sollen.

    Die großen sozialen Netzwerke sind geschlossene Systeme – und genau zu diesem Prinzip passen auch die offiziellen Anwendungen, die diese Firmen für mobile Plattformen zur Verfügung stellen: Die Apps für Twitter oder Instagram zum Beispiel sind genauso geschlossen, wie man es von diesen Diensten erwarten würde. Sie laufen als ein einzelnes Programm, obwohl das Netzwerk selbst ja über eine Webseite aufgerufen werden könnte.

    Anders sieht das bei den dezentralen Diensten aus dem Fediverse-Umfeld aus, die sich häufig entweder direkt über die Webseite oder auch über einen sogenannten Client auf mobilen Endgeräten nutzen lassen. Für Mastodon zum Beispiel exisiteren ganz verschiedene Programme, die sich in der Aufmachung und im Funktionsumfang unterscheiden können. Ein solches System ist offen, wie ich das vom Fediverse kenne und liebe.

    Ein Streitthema bleiben die Netzwerke, die einst mit Clients genutzt werden konnten, aber sich seitdem dagegen wehren. Neben Twitter ist hier wohl auch Reddit ein sehr aktuelles Beispiel. Nach dem das Unternehmen hinter dieser Internetikone den Preis für die Datenschnittstelle der Seite (die API) angehoben hat, mussten viele Drittanbieter-Apps ihre Entwicklung einstellen oder Nutzungsgebühren einführen. Denn wo einst jeder Daten die Daten aus dem Netzwerk abrufen und in einer App darstellen konnte, hat das Unternehmen nun eine Paywall gebaut. Die Auswahlmöglichkeiten bei den Clients sind so natürlich kleiner oder weniger attraktiv geworden und Reddit ist jetzt vielleicht ein bisschen mehr wie ein eingezäunter Garten.

    So sieht die Lage eben aus: Für große Unternehmen ist es anscheinend oft sehr vorteilhaft, eine eigene App anzubieten. Dadurch können sie mehr Kontrolle auf dem mobilen Markt erlangen, als wenn sie ein Client-System zulassen. Clients ohne Werbung lassen sich über einen API-Preis ganz einfach ausschalten. Und schon müssen sich Nutzer entweder mit einer womöglich schlecht mobil-optimierten Webseite abfinden oder Werbung in einer Herstellerapp sehen.

    Am Computer habe ich solche Probleme nicht: Hier kann ich über meinen Browser und etwaige Adblocker als Add-Ons immer noch mehr Kontrolle ausüben über die Darstellung meiner angesteuerten Seiten. Natürlich können mobile Apps Vorteile bergen, beim Microblogging vielleicht, oder wenn es um spontane Fotos geht.

    Die Apps der Unternehmen hinter den kommerziellen sozialen Netzwerken sind aber oft vor allem eines: Anstrengend. Hier muss ich also die Chance nutzen und eine weitere Lanze für das Fediverse und ferner auch seine mobilen Clients brechen. Naja, vom Computer kann man mich ja auch nicht fernhalten. 🙂

  • Ein Satz mit X

    Manchmal kann ich einfach nicht von einem bestimmten Thema ablassen. Dann muss ich mich die ganze Zeit damit beschäftigen oder kehre früher oder später dazu zurück, selbst wenn ich mich ablenke. Das hat manchmal schon ein bisschen was von einer gewissen Obsession. Ein Beispiel hierfür wäre mein Interesse am Konzept Microblogging.

    Ich habe mich heute zum Beispiel schon wieder dabei ertappt, nur nach diesem Stichwort gesucht zu haben. Einfach um zu sehen, wie andere den Begriff für sich oder Mitmenschen definieren. Ich habe das öfter, dass ich mich aus welchen Gründen auch immer in ein Thema einschieße. Ein anderes Beispiel wäre mein plötzliches Interesse an Schriftarten, dass vor einiger Zeit noch stärker als zuvor erwacht ist. Ich kann mir das ja selbst nicht erklären. Aber irgendwie muss ich dann nach solchen Themen recherchieren.

    Das kommt mir manchmal so richtig „abegenerdet“ vor, einfach weil ich das selbst nicht immer von mir erwarte. Aber naja, lehrreich ist das in jedem Fall. Denn nur bei genauerem Hinsehen ist es bei bestimmten Themen überhaupt möglich, dahinter zu steigen. Vermutlich hat das was mit „intrinsischer Motivation“ zu tun. Kennt ihr vergleichbare Themen, bei denen euch das ähnlich geht?

    Heute habe ich jedenfalls wieder einmal nach dem Begriff „Microblogging“ gesucht. Weil Twitter mal wieder Schlagzeilen gemacht hat. Meine Güte, da kann man sich so einfach darüber auslassen, dass ist der Wahnsinn. Twitter wird jetzt anschweinend zu „X“ – Mann, ist das kreativ! Ich denke, man kann die Ironie zwischen den Zeilen herauslesen. Twitter wird zu „X“. Und in China ist erneut ein Sack Reis umgefallen. Langsam habe ich das Gefühl, dass Musk nur noch versucht, diese Plattform in die Bedeutungslosigkeit zu führen, nichts weiter.

    Spaß beiseite: „Twitter“ ist vielen Internetnutzern wohl eher ein Begriff, als ein einzelner Buchstabe, der für sonstetwas stehen könnte. Twitter wurde schon vermarktet, beworben und ist zu einer gewissen Bekanntheit gelangt. Über Jahre, die sowohl die Plattform als das Unternehmen dahinter bestanden haben. „X“ – naja, wie man das vermarkten möchte… „X.com“ wäre vielleicht schon etwas anderes, aber trotzdem: Manchmal ich das Gefühl, dass Musk, der die Domain x.com gekauft hat, irgendeinen Verwendungszweck dafür sucht.

    Klar: Die Gerüchte, dass Twitter und X irgendwie etwas miteinander zu tun haben sollen, in irgendeiner Zukunft, gibt es schon länger. Zumindest habe ich davon bereits etwas gehört, als die Domain x.com noch zu einem einsamen X geführt haben muss. Heute ist der blaue Vogel, dass Logo und Maskottchen von Twitter, von der Seite verschwunden. Und für mich scheinen auch die Tage für den Namen „Twitter“ gezählt zu sein. Auf Mastodon können wir dabei eigentlich nur lachen:

    „Ein Satz mit X: Das war wohl nix.“

    Irgendein Tröt heute, mit Sicherheit.
  • Tumblr im Twitter-Kleid

    Die Blogging-Plattform Tumblr ist irgendwie besonders, irgendwie ganz eigen, irgendwie ganz speziell und für mich deswegen umso spannender. Tumblr ist Tumblr – aber im Jahr 2023 ist Tumblr den meisten wohl einfach egal. Die Tumblr-Nutzerzahlen sind in den letzten Jahren massiv gesunken. Das hat sich auch in der wirtschaftlichen Bedeutung von Tumblr als Unternehmen niedergeschlagen. Für mich ändert das aber eigentlich wenig: Ich finde Tumblr als eine Plattform interessant und wegen der Nutzerdynamiken, die sich durch den Wegfall einer großen Bedeutung im Mainstream gefühlt noch verstärkt haben.

    Tumblr hat für mich einen gewissen Charme, den ich als Blogger sehr interessant finde. Und ähnlich wie im Fediverse kommt auch bei Tumblr hin und wieder das Gefühl auf, dass man in dieser kleinen Nische mit einigen Leuten, die aus denselben Gründen da sind, allein oder unter sich ist. Aber das sollte man nicht falsch verstehen: Weder das Fediverse noch Tumblr sind in irgendeiner Weise geschlossen, wenn es um die öffentliche Zugänglichkeit dieser Dienste geht. Ich versuche nur auszudrücken: Sowohl im Fediverse als auch auf Tumblr kann sich jeder in Sekunden ein Profil erstellen und loslegen – mit den Tätigkeiten, die man auf solchen Plattformen eben unternimmt.

    Und genau da wird es schon so herrlich ungenau: Tumblr legt sich nicht so wirklich fest, was Nutzer auf der Plattform eigentlich anstellen sollten. Stattdessen geht es bei Tumblr zumindest immer im Hintergrund um dieses eine Konzept, dass ich so spannend finde: Das Prinzip des Tumble-Logs, also einem losen Gedankenstrom. Ungeordnet, völlig durcheinander und genau deswegen interessant. Tumblr lebt für mich auch stark von dem Eindruck, den ich immer wieder von den Leuten dort bekomme – von denjenigen also, die Tumblr anzieht.

    In der Vergangenheit hat Tumblr schon oft den Inhaber gewechselt. Zu diesem Thema gibt es sicherlich viele interessante Texte in den weiten des Internets zu finden. Interessantere und akuratere Texte als diesen jedenfalls. Ich habe gerade keine Zeit dazu, die Geschichte von Tumblr in Gänze aufzuarbeiten – auch wenn mich das Thema ziemlich fasziniert. Denn irgendwie habe ich auch oftmals das Gefühl, dass sich anhand dieser Plattform auch ein Stück weit die Vergangenheit des Webs nachvollziehen lässt. Tumblr ist groß geworden und wieder geschrumpft. Aber dabei ist Tumblr scheinbar immer Tumblr geblieben.

    Vor kurzem hat Tumblr das „Dashboard“, also die Startseite die jeder angemeldete Nutzer auf der Plattform zu sehen bekommt, wenn er auf der Seite unterwegs ist, umgestaltet. Kurz gesagt: Tumblr wirkt jetzt sehr wie ein Twitter-Klon. Im weiteren Sinne könnte man das neue Layout auch mit Mastodon vergleichen, aber das wirkt ja selbst an so vielen Stellen wie ein Twitter-Nachbau. Hier ist ein Screenshot von Tumblr vor dem Redesign:

    Aus Tumblr-alt…

    Man beachte hier vor allem die charakteristische Leiste zum Erstellen von Beiträgen in der oberen Mitte der Seite. Und vielleicht auch die wirklich ziemlich leeren Seitenbereiche. Behaltet das alte Layout im Hinterkopf. Hier ist ein Bildschirmfoto des neuen Designs der Blogging-Plattform:

    …mach Tumblr-neu.

    Um die Änderungen mal zusammenzufassen: Die Einstellungsmenüs sind von der oberen rechten Ecke an die linke Seite des Dashboards gerückt. Die klassische Suchleiste links oben ist jetzt über den vorgeschlagenen Blog rechts neben den Beiträgen und damit wesentlich schmaler. Die verschiedenen Timelines werden zwar immer noch in einer Zeile dargestellt; da diese jetzt aber mittig am Seitenkopf prangt, wirkt sie prominenter.

    Interessanterweise ist uns die klassische Leiste zum erstellen der Beiträge erhalten geblieben. Der zweite Knopf zum Öffnen des Editors ist jetzt auch beschriftet und findet sich nicht mehr rechts oben sondern links unten.

    Vor allem die Auflistung der Einstellungen links, der „Erstellen“-Button unten links und die Suche oben rechts erinnern mich sehr stark an das Twitter-Layout, dass ich mir zum Vergleich in fremden Screenshots angesehen habe. Ihr wisst ja: Ich habe meinen Twitter-Account seit der Übernahme der Plattform durch Elon Musk gelöscht. Deswegen kann ich hier auch kein eigenes Bildmaterial zum Vergleich liefern. Tumblr wirkt jetzt jedenfalls viel mehr wie ein zweites Twitter. Mit ein paar ganz eigenen Feinheiten natürlich, aber trotzdem: Diese Ähnlichkeit ist schon zu erkennen.

    Ich brauche hier ja gar nicht so lange um den heißen Brei herumschreiben: Für mich ist es ziemlich klar, dass die Tumblr-Entwickler mit dem neuen Layout ehemalige Twitter-Nutzer ansprechen möchten. Doch mich würde es eben auch zu sehr interessieren, wie diese Änderungen von den Nutzern aufgenommen wird, die Tumblr über die Jahre treu geblieben sind. Was haltet ihr vom neuen Dashboard?

  • Soziale Medien

    Ich schreibe sehr gern über freie soziale Netzwerke, die zum dezentralen Fediverse gehören. Heute möchte ich aber etwas allgemeiner werden. Bei all den Fragen und Texten zu Fediverse-Diensten ist es für mich auch interessant, zu beobachten, wie ich soziale Medien eigentlich genau nutze. Bei mir schwankt mein Verhalten in diese Richtung relativ oft. Mal geht meine Nutzungstendenz eher zu einem bestimmten Dienst, mal schreibe ich mehr in die sozialen Netzwerke – und manchmal verzichte ich auch ganz darauf. Mein Verhältnis zu Social Media wechselt sich also häufiger, aber interessant finde ich diese Netzwerke immer. Meiner Ansicht nach spiegelt sich in den Diensten die viele Menschen Tag für Tag nutzen immer auch die Position der vielen zum Internet und dem Web wider.

    Eindeutig ist wohl, dass das Fediverse meine erste Wahl ist, wenn es um soziale Medien geht. Das liegt einerseits daran, dass mir das Konzept der Dezentralität gefällt. Andererseits habe ich auch festgestellt, dass ich dort thematisch am ehesten zu hause bin. Auf Twitter haben sich meine Erwartungen von der Plattform seinerzeit nur selten erfüllt. Im Fediverse ist das anders, und zwar sowohl auf Mastodon als auch auf Friendica. Das sind die Fedi-Dienste, die ich wohl am meisten nutze. Momentan veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken hauptsächlich das, über was ich sonst im Netz schreibe. Das sind derzeit insbesondere die Artikel auf diesem Blog. Ich freue mich immer wie ein Schneekönig, wenn ich einen Kommentar zu einem Text bekomme, da ist Social Media schon eine feine Sache.

    Allerdings muss ich auch sagen, dass soziale Netzwerke noch immer recht schnelllebig sind. Das habe ich schon einmal beobachtet, geändert hat sich in dieser Wahrnehmung also nichts. Ich habe manchmal das Gefühl, dass der stets aktuelle Tröt-Strom auf Mastodon auch eine gewisse Hektik mit sich bringt. Genau so etwas lässt sich zum Beispiel mit einem Blog wie diesem hier vermeiden. Hier kann ich mir selbst Ziele stecken, wann ich veröffentlichen möchte – hier sehe ich eben nicht die schnellen Statusupdates von anderen. Versteht mich nicht falsch: Ich finde das ja interessant. Sonst würde ich die sozialen Netzwerke ja auch nicht nutzen. Allerdings kommt manchmal das Gefühl auf, mithalten zu müssen. Wenn man sich davon nicht lossagen kann, mag dieser Eindruck sich nicht wirklich positiv auswirken.

    Abschließend lässt sich also sagen: Mein Verhältnis zu den sozialen Netzwerken wird sich auch in Zukunft wandeln und wechseln. Ich habe aber auch Spaß daran gefunden, etwas mehr mit dem Mastodon-Account von GNU/Linux.ch zu arbeiten. Soziale Netzwerke, also auch das Fediverse, bleiben wohl doch irgendwie vom eigenen Blickwinkel abhängig. Wie seht ihr das?

  • Die Zukunft des Fediverse: Großkonzerne

    In den vergangenen Wochen haben viele der großen Social-Media-Unternehmen angekündigt, in Zukunft am Fediverse teilnehmen zu wollen. Angefangen mit Tumblr gehen diese Bestrebungen heute schon bis zum Facebook-Konzern „Meta“. Wie genau diese Entwicklungen für das Fediverse selbst einzuschätzen sind, bleibt eine diskussionswürdige Frage. Dazu ist gestern ein sehr lesenswerter Artikel auf Netzpolitik.org erschienen, der das strittige Thema sehr verständlich zusammenfasst. Ich kann euch nur empfehlen, diesen Text zu lesen, sonst könnten auch meine hier geäußerten Gedanken etwas zusammenhanglos wirken. Denn das Fediverse zu beurteilen ist wirklich nicht immer einfach. Wer sich schoneinmal mit dem dezentralen sozialen Netzwerk beschäftigt hat, wird sicher vieles festgestellt haben. Zum Beispiel scheinen unfassbar viele Nutzer am Konzept des Fediverse zu hängen, so positiv wie das nur geht. Mir geht es ja ähnlich: Das Fediverse ist für viele wohl das Licht am Ende des Tunnels „Social Media“. Deswegen kann ich es nachvollziehen, wenn Menschen hoffen, dass das Fediverse bestehen bleibt, so wie sie es kennengelernt haben.

    Interessanterweise wird dieser Aspekt auch im Netzpolitik.org-Artikel angesprochen. Dabei wird vor allem auf die unterschiedlichen Positionen von Fediverse-Neulingen und den alt Eingesessenen hingewiesen. Ob man diese Generalisierung so einfach treffen kann, kann ich nicht beurteilen. Statistische Daten fehlen hier sicherlich, aber trotzdem lässt sich wohl schon aus einem allgemeinen Eindruck eine Tendenz ablesen. Wie auch immer: Die unterschiedlichen Positionen zur Diskussionsfrage werden mit Sicherheit vertreten, egal von wem und warum. Grundlegend beschreibt Markus Reuter in seinem Artikel, dass sich zwei Lager zu bilden scheinen: Eines, das die Großkonzerne und vor allem Meta ablehnt, und ein zweites, das mit diesen teils sogar zusammenarbeiten könnte. Außerdem wird richtig erwähnt, dass das Fediverse schon viele Jahre besteht. In welcher Form, das mag dabei erst einmal nebensächlich sein: Die unterschiedlichen Positionen sind vorhanden, und sie alle stammen aus einer ähnlichen Motivation. Das Fediverse soll florieren und funktionieren. Doch wo die einen den Beitritt großer sozialer Medien gutheißen, weil dieser ein Wachstum der Plattform bedeuten könnte, gibt es eben auch die berechtigt gegenteiligen Meinungen. Unter dem Einfluss der großen Unternehmen könnte sich das Fediverse auch mehr in die Richtung der kommerziellen Netzwerke entwickeln. Genau vor diesen Strukturen sind viele Fediverse-Nutzerinnen und -nutzer aber geflohen.

    Ich selbst sitze wieder einmal zwischen den Stühlen: Ich bin bereits vor den großen Fluchtbewegungen weg von Twitter und Konsorten auf das Fediverse gestoßen. Ich bin aber auch nicht seit dem Beginn des Fediverse dabei. Konkret habe ich mir im April 2021 einen ersten Account auf Mastodon angelegt, nachdem ich zuvor ein wenig mit Diaspora herumgespielt habe. Das war mein Einstieg ins Fediverse, das ich seitdem lieben gelernt habe. Wie so viele andere auch. Damit bin ich wohl kein „alter Hase“ aber eben auch nicht ganz neu mit dabei. Meine Position kann also zwischen den Extremen angesehen werden, die sich aus der eigenen Perspektive zum Fediverse gebildet haben. Denn darum geht es doch insgesamt: Wenn Nutzer schöne Erfahrungen mit dem Fediverse gesammelt haben, ist es doch nur nachvollziehbar, diese auch anderen zu wünschen. Dass das Fediverse damit an Verbreitung gewinnen müsste, wirft eben diese unsäglich kontroverse Frage auf, die nur streitbar sein konnte. Im Prinzip stehen sich hier zwei Extreme gegenüber, die einen sehr ähnlichen Ausgangspunkt haben. Und vielleicht auch ein ähnliches Ziel. Trotzdem möchte ich mir ein Urteil erlauben: Wer das Fediverse aus eigener Motivation entdeckt hat, weiß es vielleicht auf eine ganz eigene Weise zu schätzen. Wer das Fediverse aus einer Unzufriedenheit mit bekannten Plattformen heraus entdeckt hat, der sucht vielleicht eher nach einem Ersatz. Oder eben nach dem, was er in den großen, kommerziellen sozialen Medien nicht gefunden haben mag. Diese Position habe ich auch schon in anderen Texten zum Fediverse vertreten. Aber ich denke, dass sie angesichts der aktuellen Debatte wieder relevant geworden sein könnte.

    Wenn wir darüber reden, wie sich der Anschluss der Großkonzerne an das Fediverse auswirken könnte, sollten wir auch einen Blick auf die Motivation dieser Unternehmen werfen. Im Netzpolitik-Artikel wird bereits angesprochen, dass die kommerziell betriebenen Plattformen gegebenenfalls eine „Extend, Embrace, Extinguish“-Strategie (EEE) fahren könnten. Also den Plan, das Fediverse erst zu „umarmen“ um es am Ende aus dem Weg zu räumen. Ich denke, dass es hier erforderlich ist, zwischen den Zeilen zu lesen: Warum sollte ein kommerzielles Unternehmen die eigene, und in aller Regel nicht kommerzielle Konkurrenz befödern. Ganz ohne sich selbst einen Vorteil auszumalen? Meta ist kein Wohlfahrtsverein, das sollte heute doch klar sein. Ich denke, dass wir mit dem heutigen Wissen über die großen Social-Media-Firmen nicht mehr davon ausgehen sollten, dass diese wirklich etwas gutes leisten wollen. Das klingt jetzt wie eine Beleidigung, und so kann der Satz auch gesehen werden. Aber im Grunde bleibt es eine Feststellung: Dieses Verhalten würde nicht zu den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen passen, in denen sich die hier gemeinten Großkonzerne bewegen.

    Natürlich bleibt es aber auch abzuwarten, wie sich die Situation wirklich entwickelt. Natürlich kommt es jetzt darauf an, wie sich die einzelnen Instanzen verhalten. Und die Frage, wie Nutzer eigentlich in die Entscheidungsfindung eingebunden werden sollten, bleibt wohl auch zukünftig offen. Fakt ist: Die Fediverse-Protokolle sind offene Standards, und auf dieser Offenheit basiert das gesamte Fediverse. Wo die Reise damit hingeht, liegt also nicht an den vermeintlichen Urvätern des Fediverse, sondern vielmehr an denjenigen, die Instanzen moderieren oder anderweitig Einfluss auf das Fediverse haben. Und ehrlich gesagt ist auch eine Abstimmung mit den Füßen, gut heute vielmehr mit den Accounts, denkbar. Welche Instanz ein Nutzer verwendet, das liegt an ihm. Und spätestens da kommen auch uns „einfachen“ Nutzern gewisse Verantwortungen zu.

    Wohin sich das Fediverse entwickelt, bleibt auch für mich eine spannende Frage. Immerhin hänge ich nicht weniger als manch anderer an dem dezentralen sozialen Netzwerk, weil ich gewisse Hoffnungen darauf setze. Ausgeschlossen ist bisher wohl nur, dass die großen Unternehmen überhaupt keine Rolle im Fediverse spielen – selbst wenn sie von allen Seiten blockiert werden sollten. Ja, auch die rechtsextremen Netzwerke Gab und TruthSocial setzen auf dezentrale Architektur, die wir eigentlich aus dem so freundlichen Fediverse kennen. Und ja, auch hier hat sich das Fediverse wie wir es kennen gegen die rechtsextremen Gefahren behaupten können. Nichtsdestotrotz sind Netzwerke in der Größe von Instagram und Facebook noch eine ganz andere Hausnummer, mit der wohl auch anders umgegangen werden wird. Wie genau, das ist eine gute Frage.

  • Twitter: Schiffbruch

    Twitter: Schiffbruch

    Als Elon Musk angekündigt hat, Twitter kaufen zu wollen, habe ich meinen ehemaligen Account auf dieser Plattform binnen weniger Tage deaktivieren, und somit löschen lassen. Seitdem Musk Twitter übernommen hat, nutze ich die Plattform nicht mehr – und habe meine sozialen Internetaktivitäten noch mehr ins Fediverse verlagert. Trotz meiner Affinität für das Fediverse ist es interessant, das sinkende Schiff Twitter beim Untergehen zu beobachten. Als Außenstehender mit einem Interesse an digitalen Medien und sozialen Netzwerken kann die ehemalige Social-Media-Größe heute schon sehr lächerlich wirken. Irgendwie ist es sehr unterhaltsam zu sehen, wie Elon Musk das sinkende Schiff immer weiter in den Abgrund treibt – und nun schon anstalten macht, mit dem letzten Rettungsboot abhauen zu wollen. Unter Musk hat sich Twitter mehr und mehr lächerlich gemacht und natürlich auch an der Größe verloren, die es einst hatte. Twitter hat wortwörtlich einen Vogel und Elon Musk hat den Vogel komplett abgeschossen

    Ich beobachte Twitter aus dem Fediverse heraus, ich urteile anhand dessen, was mir die üblichen Nachrichtenquellen zugänglich machen: Twitter befindet sich im rapiden Sinkflug, das lässt sich wohl nicht mehr abstreiten. Das, was einmal eine feste Größe in der Welt der sozialen Netzwerke war, verliert jetzt nicht nur an Werbepartnern, sondern auch an Popularität. Für mich sind diese Entwicklungen irgendwie spannend, irgendwie ist es faszinierend, wie eine Einzelperson so ein großes Unternehmen binnen wenigen Monaten vollkommen gegen die Wand fahren kann. Andererseits hat das auch etwas erschreckendes, Tag für Tag. Twitter, Facebook, Instagram und die anderen großen „sozialen“ Netzwerke verkaufen ihr Produkt nicht an ihre Nutzer. Stattdessen verkaufen sie Werbefläche an Werbetreibende, die Nutzer werden bekanntlich zu den eigentlichen Produkten. Dass eine Einzelperson mit zu viel Geld einen derartigen Schaden an digitaler, und irgendwie auch öffentlicher Infrastruktur anrichten kann, macht mir Sorgen.

    Natürlich kann man über diese sagenhafte Geldverschwendung lachen – und weinen will zumindest ich dabei auch ein bisschen: Was hätte man mit den Millionen, die Musk in Twitter versenkt hat, alles umsetzen können? Ich möchte gar nicht an all die sozialen und gemeinnützigen Projekte, Initiativen, Vereine und Organisationen denken, denen dieses Geld nicht zu gute gekommen ist. Nein, stattdessen musste Musk aus einer Laune heraus ein Stück digitaler Infrastruktur kaufen. Ich habe meine Meinung zu diesem Thema schon klar dargelegt. Unter anderem in dem oben verlinkten Artikel, den ich seinerzeit relativ aktuell verfasst habe. Doch je länger ich über die dahinterstehende Diskussion und die neuen Meldungen diesbezüglich denke, desto mehr muss ich dem Thema hinterhergrübeln: Dass sich Twitter mal vertraglich, mal aus willkürlichem Gusto nicht an Moderationsverpflichtungen oder -abmachungen hält, hat etwas Bezeichnendes. In erster Linie ist es aber traurig, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Dass „unser“ Wirtschaftssystem für eine so fragwürdige Situation Platz geschaffen hat.

    Für mich ist es unglaublich schwer, die Situation zu beurteilen: Ja, ich interessiere mich für soziale Medien, auch aus einer ganz persönlichen Perspektive. Aber ich bin kein Wirtschaftsverständer. Ich kann nur beschreiben, dass ich mehr und mehr hinterfragen muss, ob politisch bisher genug getan wurde, um eine solche Machtausnutzung im digitalen Raum zu verhindern. Natürlich kommen dabei auch Fragen digitaler Abhängigkeit auf. Und natürlich lässt sich bei dieser Gelegenheit auch einmal mehr hinterfragen, ob soziale Netzwerke wirklich so „sozial“ sind, wie sie sich gern geben. Ich habe Twitter selbst über zwei oder drei Jahre genutzt – und ehrlich gesagt bin ich froh, das jetzt nicht mehr zu tun. Die Diskussion rund um dieses Thema kann schnell sehr persönlich werden: Selbst, wenn man zu dem Schluss kommt, dass sich die kommerziellen Netzwerke nicht für sozialen Austausch eignen, werden sie doch von vielen dafür genutzt. Hier liegt der Knackpunkt, hier wird privates Eigentum zu einer wirklich öffentlichen Infrastruktur im Digitalen, und genau hier offenbart sich irgendwie auch die Verantwortung, die den Betreibern sozialer Netzwerke zukommt.

    Ich bin in dieser Thematik zu einem Beobachter geworden – und hinterfrage in dieser Position immer mehr das, was ich zu diesem Thema mitbekomme. Ich bin als Fediverse-Nutzer froh, nicht von dieser Form der Willkür betroffen zu sein. Doch vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich so sehr dafür interessiere, wie das sinkende Schiff Twitter weiter und weiter, immer weiter untergeht. Wie seht ihr die Thematik?