Der Tag neigt sich wieder dem Ende zu. Ich finde, es wäre schade, diesen verstreichen zu lassen, ohne geschrieben zu haben. Ich schreibe bekanntlich sehr gerne – und weil ich gerne schreibe auch gerne viel. Auf diesem Blog könnt ihr in vielen Texten nachlesen, warum. Heute möchte ich mich einem Aspekt widmen, der mir lange Zeit nicht in seiner vollen Bedeutung bewusst war: Schriftarten! Wenn mich jemand vor ein paar Wochen nach Schriftarten gefragt hätte, hätte ich womöglich einfach abgewunken und auf die Voreinstellungen in den verschiedenen Textverarbeitungsprogrammen verwiesen. Eine Zeit lang habe ich das eigene Auswählen von Schriftarten fälschlicherweise nur für eine Ablenkung gehalten. Ich habe zwischenzeitlich gedacht, dass mich derartige Überlegungen nur vom eigentlichen Schreiben abhalten würden. Zum Glück hat sich meine Meinung diesbezüglich geändert. Zu faszinierend waren die verschiedenen Schriftarten für mich, als dass ich sie einfach weiterhin außen vor lassen könnte. Während ich mir zum Beispiel Gedanken um das visuelle Erscheinungsbild dieses Blogs gemacht habe, habe ich mehr und mehr auch über die einzelnen Buchstaben und deren Darstellung nachgedacht. Zum Glück! Während ich mich damit beschäftigt habe, konnte ich schnell feststellen, wie falsch ich mit meiner bisherigen Position zu den Schriftarten lag. Text lässt sich schlicht nicht ohne diese spezielle Färbung darstellen. Jeder Text erscheint in einer ganz bestimmten Form, der Schriftart. Und ablegen lässt sich diese ohnehin nicht: Ob Computerschrift oder Handgekrakel: Jedes Wort ist zwangsläufig dargestellt, wenn es nicht gesprochen wird. Doch selbst dann kommt es nicht wirklich um den Akzent herum, der sich vielleicht im eigenen Ausdruck niederschlägt.

Sich tiefgehender mit den Techniken, die ich täglich nutze, zu beschäftigen, macht mir in vielen Alltagssituationen großen Spaß. Sei es die Software, die meinen Computer antreibt. Sei es der Stift, mit dem ich handschriftliche Texte verfasse. Sei es eben die Schriftart, in der ich meine eigenen digitalen Texte setze. Spätestens in Hinblick auf meinen Blog bin ich mir bewusst geworden, wie wichtig Schriftart sein kann. „Art“ ist englisch für Kunst. Ist Schrift-Art also auch eine Kunst? Für mich klingt das schon plausibel. Und das hat ja auch einen Grund. Ich schaue täglich so oft auf Buchstaben, dass die Bedeutung von Schriftart für mich eigentlich unausweichlich ist. Das finde ich nicht schlimm. Die verschiedenen Seiten, die man bei diesem Thema betrachten kann, sind einfach so spannend. In den letzten Tagen habe ich mich oft zwischen Serifen und humanistischen Schriften, Antiquas und Grotesken verloren. Diese kleinen Exkurse in die weite Welt der Schriftarten waren oft wirklich interessant, lehrreich und auch ziemlich nerdig. Das hat sie für mich vielleicht auch so fesselnd gemacht. Mittlerweile weiß ich um die Bedeutung, die Typografie haben kann. Und das ist gut zu wissen. Ich bin froh, mich mit diesem Themengebiet auseinandergesetzt zu haben, und bin noch immer neugierig. Natürlich bin ich kein professioneller Typograf, aber auch als Amateur und Laie lasse ich mir mein Interesse nicht nehmen. Schriftarten sind allgegenwärtig, schon hunderte Male gesehen und von manchen doch zu selten wahrgenommen.

Zu meinem besonderen Steckenpferd sind die freien Schriftarten geworden. Also solche, die ähnlich wie „freie Software“ libertär lizenziert sind. Frei zugängliche Schriftarten dienen natürlich auch dem Gemeinwohl, und das macht sie noch spannender. Proprietäre Schriftfamilien sind manchen wohl noch bekannt, weil diese oft die Standardschriften in proprietärer Software stellen. Die „Arial“ zum Beispiel ist bekannt, aber nicht frei zugänglich. Die „Times New Roman“ ist elegant, unterliegt aber unfreien Lizenzbestimmungen. Versteht mich nicht falsch: Ich finde auch die ikonischen proprietären Schriftarten faszinierend, bin aber wie bei Software ebenso froh, wenn ich keine Nutzungsbedingungen abnicken oder halbe Verträge unterzeichnen muss, um eine Schrift frei nutzen zu können. Freie Schriftarten für alle – da bleibe ich manchmal einfach idealistisch. Kennt ihr die freien Alternativen zu den proprietären Wettbewerbern? Und kennt ihr die freien Schriften, zu denen sich proprietären Pendant findet? Schriften wie beispielsweise die der „Bitstream Vera“- oder der „Liberation“-Reihe und die vielen weiteren freien Schriftarten für den Druck und das Digitale sind allesamt sehenswert – und für mich auch eine Welt, die entdeckt werden will. Vielleicht geht es euch ja auch so. Der erste Schritt ist wohl allenfalls zu hinterfragen, wie der Text im Alltag eigentlich dargestellt wird.