Schlagwort: Gewohnheit

Gewohnheitstier

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Diese Aussage ist mir unlängst wieder in den Sinn gekommen, als ich über meinen Alltag nachgedacht habe: Nachdem ich mir angewöhnt habe, täglich zu schreiben, kann ich es mittlerweile anscheinend einfach nicht mehr lassen. Seitdem ich mir angewöhnt habe, eine ganz bestimmte Route regelmäßig spazieren zu gehen, pflege ich dieses Hobby ganz selbstverständlich. Da wird für mich deutlich: Die Macht der Gewohnheit ist vielleicht doch nicht zu unterschätzen.

Wenn ich schon von meinen eigenen Gewohnheiten überrascht sein kann, ist doch klar dass es manchmal gar nicht so einfach ist, fremde nachzuvollziehen. Aber im Grunde ist es dann doch ganz nachvollziehbar: Gewohnheiten können Halt geben, eine Form von Sicherheit vermitteln und eben auch das Gefühl, den eigenen Alltag unter Kontrolle zu haben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – mal mehr, mal weniger: Manchmal kann man das durchaus unterschreiben.

Auch ich habe meine Gewohnheiten und möchte sie eigentlich nicht mehr missen. Aber an der Stelle muss doch eine Frage erlaubt sein: Wann wird die eigene Gewohnheit eigentlich zu einer Einschränkung? Klar, wenn ich etwas gewohnt bin, muss ich mich auch keiner neuen Herausforderung stellen. Aber im Grunde verweigere ich dann auch, Alternativen zu entdecken. Das wirkt ein bisschen stur, ein bisschen naiv – aber eben doch auch nachvollziehbar. Mir macht es Spaß, Neues zu entdecken, aber manchmal bin ich auch froh, nichts neues ausprobieren zu müssen.

Braucht es hier nicht eigentlich wieder dieses gewisse Gleichgewicht, um die Vorteile des Altbekannten und das Potential des neuen zu vereinen? Im Grunde lässt sich die ganz grundlegende Frage dahinter ja oftmals im Alltag, aber im Endeffekt auch nicht nur da stellen. Wann braucht es Mut, sich auf etwas neues einzulassen – und wann ist das einfach nicht zielführend? Zufriedenheit ist wichtig – aber die Offenheit gegenüber neuem muss man deswegen ja nicht ablegen, oder? Genauso ist Offenheit wichtig, aber die hedonistische Suche nach der neuen Attraktion auf Dauer auch irgendwie anstrengend, finde ich. Die Balance klingt da doch vielversprechend – aber in Worte lässt sie sich irgendwie nur schwer fassen.

30. April 2023

Heute möchte ich etwas über eine meiner Angewohnheiten schreiben: Manchmal stehe ich sehr auf gewisse Wiederholungen im Alltag, mit denen ich mich hin und wieder aus stressigen Situationen verabschieden kann. Eine dieser Angewohnheiten sind meine Spaziergänge. Das ist natürlich nicht sonderlich ungewöhnlich, aber über die Zeit zu einem ziemlich festen Bestandteil meiner Freizeit geworden.

Immer wenn ich allein durch die Gegend laufe, kann ich einfach nachdenken, schauen, was sich seit dem letzten Mal verändert hat oder einfach nur apathisch herumlaufen. Mal höre ich dabei Musik, mal lasse ich diese weg. Und ein Ziel habe ich eigentlich nie. Dann wird der Weg wortwörtlich zum Ziel, denn ich kann über eine gewisse Zeit einfach mal den Alltag vergessen. Vielleicht klingt es komisch, aber ich gehe fast immer die gleiche, oder zumindest eine sehr ähnliche Route.

Egal zu welcher Jahreszeit, irgendwie habe ich eine gewisse Angewohnheit entwickelt, diese Spaziergänge zu machen. Und da ich diese nutze, um ein bisschen Abstand vom Alltag zu gewinnen, vergesse ich auch schnell die Zeit. Meistens dauert ein solcher Spaziergang mindestens eine Stunde, meistens länger. Ich bin zwar ansonsten alles andere als sportlich, aber meine apathischen, stundenlangen Spaziergänge empfinde ich eher als entspannenden. Nicht als anstrengend. Vielleicht ist es das, was mir daran so gut gefällt, vielleicht habe ich daher diese Angewohnheit entwickelt.

Ich kann es nur weiterempfehlen, hin und wieder einen Spaziergang zu machen. Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob es sinnvoller wäre, nicht immer allein, nicht immer auf der selben Strecke in der selben Umgebung durch die Gegend zu gehen. Aber eine wirkliche Notwendigkeit, etwas an meiner Gewohnheit ändern zu müssen, sehe ich auch nicht. Warum? Ich weiß es nicht.