Schlagwort: Friendica

  • 11. Mai 2023

    11. Mai 2023

    Wenn ich etwas ins Fediverse schreibe, bin ich oft überrascht, wie viele Leute freundlich zurückschreiben und ihre Meinungen teilen. Und Neulingen, denen ich Mastodon empfohlen habe, ging es bisher sehr ähnlich. Gerade im Vergleich zu den kommerziellen sozialen Medien ist es wirklich faszinierend, wie viele sich unter Fediverse-Beiträgen melden: Selbst, wenn man noch nie voneinander gehört hat, kommt man schnell miteinander ins Gespräch. Ich selbst habe mir über die Zeit auch angewöhnt, hin und wieder in meinen Timelines einfach so vielen wie möglich zurückzuschreiben. Irgendwie scheint diese freundliche Interaktion das Fediverse auch ein Stück weit auszumachen. Oft habe ich das Gefühl, dass es diese aktive Form einer Community auf anderen sozialen Netzwerken nicht gibt.

    Mal ein Beispiel: In den letzten Tagen habe ich auf Mastodon zwei Tröts bezüglich dieser Webseite geteilt. Konkret ging es mir um die Fragen in Sachen Webdesign, die sich mir bei dieser Seite wieder und wieder stellen. Mittlerweile habe ich einen ganz akzeptablen Weg gefunden, die wichtigsten Seitenelemente sinnvoll darzustellen – und dabei hat mich nicht zuletzt das Fediverse unterstützt. Hier und da eine kleine Rückmeldung, das ist sinnvoll. Denn selbst wenn mir eine Seite gefällt, aber alle anderen sich am liebsten darüber beschweren würden – dann ist niemandem geholfen. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei den Menschen im Fediverse bedanken, aber natürlich auch bei allen anderen, die mir ihre Meinungen zu dieser Webseite mitteilen.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Nischenfaktor des Fediverse noch weiter dafür sorgt, dass die Gespräche dort freundlicher werden. Manchmal müssen wir im Fediverse mehr darüber erklären, als es auf anderen Netzwerken der Fall wäre. #neuhier-Beiträge sind im Fediverse ein Stück Alltag geworden – Tröts mit diesem Hashtag werden oft sehr freundlich und aktiv kommentiert. Erfahrungsgemäß macht das Einsteigern viel Spaß – aber vermutlich nicht nur Einsteigern: Irgendwie macht es Spaß, Neulinge im Fediverse zu begrüßen. Dadurch ergibt sich irgendwie ein sehr freundlicher Grundcharakter des Fediverse. Mir bleibt nur zu hoffen, dass diese Haltung auch noch lange fortbesteht: Danke Fediverse!

  • Friendica: Beitrags-Spiegelung

    Ich habe mal die Beitrags-Spiegelung für diesen Blog zu meinem Friendica-Profil „angeschalten“. Auf Friendica können RSS-Feeds einfach in die Suchzeile eingegeben und somit als reguläre Profile behandelt werden. Dementsprechend kann man RSS-Feeds über Friendica folgen und die jeweiligen Beiträge zum eigenen Profil spiegeln. Mit diesem Beitrag teste ich also auch so ein bisschen, ob das ganze funktioniert.

    Hier geht es zu meinem Friendica-Profil: anonsys.net/profile/fabianschaar

  • Das Fediverse als Netzwerk der Freundlichkeit

    Manchmal fällt es mir schwer, mich auf den eigentlich zu vermittelnden Inhalt zu konzentrieren, wenn ich mich auf sozialen Plattformen im Netz bewege. Zu oft habe ich das Bedürfnis, mich mehr mit dem Rahmen, sprich: der Plattform an sich, auseinanderzusetzen und vergesse dann schnell, warum ich eigentlich dort bin. Sicherlich sind diese Gedanken dann nicht sinnlos, und doch kommt schnell eine gewisse Leere auf, immerhin beschäftigt man sich mit der Plattform und nutzt sie nicht nur als Werkzeug, um dritte Inhalte zu behandeln, einzubinden, zu anderen Themen zu schreiben.

    Diese Dränge, die Neugier nach den Funktionsweisen der Plattformen in sich, konnte ich bei mir auch im Bezug auf das Fediverse feststellen. So habe ich immer wieder unterschiedliche Plattformen ausprobiert, mir deren Sinn und Zweck angelesen. Ja, das war schon sehr interessant, und doch kann ein soziales Netzwerk nicht überleben, wenn alle so an die Sache herangehen würden. Wenn sich ein soziales Netzwerk also immer nur mit sich selbst beschäftigen würde, würde es vermutlich untergehen – natürlich schreibe ich hier im Konjunktiv von dieser Vorstellung, da sie zum Glück gerade auf das Fediverse nicht zutrifft.

    Insbesondere im Zuge des Twitter-Chaos in letzter Zeit hat das Fediverse einen nicht abstreitbaren Zulauf erhalten und bei mir wieder diese medientheoretische Neugier geweckt: Nachdem sich Neulinge kurz vorgestellt haben und erste Fragen geklärt waren, scheinen viele einfach so weiter gemacht zu haben, wie sie zuvor auf Twitter aufgehört haben. Während also neue Mastodon- und somit Fediverse-Nutzer die Plattform als Werkzeug für sich entdeckt haben, konnte ich gerade bei mir selbst feststellen, mich mehr damit zu beschäftigen, wie sich diese Nutzerentwicklung auf das dezentrale Netzwerk als ganzes auswirkt – mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass mir das Fediverse irgendwie so sehr ans Herz gewachsen ist, dass ich die eigentliche Idee dahinter immer mehr verdrängt habe.

    Für mich ist das Fediverse nicht mehr ein soziales Netzwerk, mit dem ich mich digital hätte vernetzen können – das Fediverse ist für mich zu einer Art Meta-Plattform (im Sinne von übergeordnete Plattform) geworden, weil es den Gedanken eines freien Internets oder auch Webs hochzuhalten scheint in einer Zeit, in der kommerzielle Webseiten und Dienste unseren Alltag prägen. Mittlerweile projiziere ich gewisse Hoffnungen in das Fediverse hinein, auch oder vielleicht auch weil ich mich, vor meiner Zeit im Fediverse, selbst nie richtig in ein soziales Netzwerk eingebunden habe, obwohl so viele im Netz irgendwie sehr auf ihr persönliches Netzwerk, ihre „guten Kontakte“ bedacht zu sein scheinen.

    Demgegenüber kommen mir die sozialen Interaktionen im Fediverse immer sehr freundschaftlich vor, nicht so aggressiv, nicht so egozentrisch, wie auf anderen Diensten und Netzwerken durchaus üblich. Dem Fediverse hängt ein gewisser Grundgedanken von Freundlichkeit an, vermutlich weil es sich in der digitalen Nische bewegt. Und weil ich mich für diese digitale Nische so sehr interessiere, frage ich mich immer wieder, wie sie wohl von der zunehmenden Aufmerksamkeit beeinflusst werden könnte.

    Die ursprüngliche Euphorie, das Fediverse könne nun die großen proprietären Dienste ablösen, muss ich für mich selbst hinterfragen: Das hieße nämlich auch, dass das Fediverse anders wäre, als bisher, zumindest, wenn man davon ausgeht, dass auch die Nutzerinnen und Nutzer selbst ihre Plattform beeinflussen. Wenn man davon ausgeht, dass die Nutzergemeinschaft selbst ein soziales Netzwerk ausmacht, setzt man eine nicht aufzuhaltende Unbeständigkeit des Netzwerks selbst voraus – und nein, das ist nicht so negativ gemeint, wie es sich vielleicht anhören mag. Immerhin hieße diese Annahme auch, dass ein soziales Netzwerk selbst grundlegend auf den Interessen der Nutzer basierte.

    Die Frage ist aber, wie genau sich das in die bestehenden Landschaft der sozialen und weniger sozialen Dienste einfügen ließe. Große Plattformen bleiben nicht selten einfach nur groß, weil sie einmal groß geworden sind, immerhin „ist ja jeder dort“. Das schließt zwar keine Nutzerwanderungen aus – Mastodon und Twitter sind da das beste Beispiel – und doch bleibt abzuwarten, ob je der notwendige Kipppunkt erreicht werden kann. Die Frage ist vielleicht weniger, ob „wir“ wollen, dass dieser Wendepunkt erreicht wird; ich denke nicht, dass eine bestehende Nutzergemeinschaft einen wesentlichen Einfluss auf die Nutzerbewegungen anderer Plattformen haben kann.

    Dabei möchte ich aber auch nicht behaupten, dass das Fediverse keinen Einfluss auf neue Nutzer haben könnte oder hat. Vielleicht können wir gemeinschaftlich den Grundgedanken der Freundlichkeit im Fediverse beibehalten – vermutlich aber nur, wenn wir Neulinge nett empfangen. Sicherlich scheint diese Schlussfolgerung zu logisch, als dass man sie dediziert erörtern müsste – und doch scheint mir Freundlichkeit gerade im digitalen Raum nicht selbstverständlich. Vielleicht können „wir“ das ändern, zumindest im Fediverse.

  • Gedanken zum Fediverse, Teil vier: Freiheit, Dezentralität und Kontrolle

    Momentan gehen Datenleaks und zugehörige DSGVO-Bußgelder durch die Techie-Presse, betroffen sind dabei insbesondere Twitter und Meta (formerly known as Facebook). Wenn es also um Sicherheit der eigenen Daten geht, sind die ehemals großen unsozialen Netzwerkplattformen alles andere als vertrauenswürdig — im Gegenteil.

    Und doch diskutiert meine Blase momentan über etwas anderes: Die Sicherheit im Fediverse, die Verantwortung, die die Betreiber einzelner Instanzen auf sich nehmen.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass eine Fediverse-Instanz, sobald eine gewisse Größe erreicht ist, schnell über den Kopf der Betreiber/innen herauswachsen kann; klar ist auch, dass jeder, der Fediverse-Dienste nicht auf einem eigenen Server hostet ein gewisses Maß an Kontrolle abgibt und umso mehr Vertrauen gegenüber Instanzhostern aufbringen muss.

    Trotzdem halte ich das Fediverse unterm Strich für wesentlich angenehmer, was die bleibe der eigenen Daten angeht: Die meisten Fedi-Dienste sind auf Privatsphäre getrimmt, standardmäßig. Das hebt sie auch von ihren proprietären Mitbewerbern ab.

    Wer soziale Medien nutzen und gleichzeitig ein Mindestmaß an Kontrolle wahren oder erweitern möchte, wird an freien Plattformen nicht vorbei kommen.

    Die Plattformen des Fediverse sind in dieser Hinsicht der momentane Platzhirsch — auch wenn das große Webseiten vielleicht nicht wahrhaben wollen.

    Wer seine eigenen Daten im Netz behalten und eben nicht am Eingang abgeben möchte, sollte meiner Ansicht nach auf Dezentralität setzen: Der Exodus, die Abwärtsschleife, in der sich Twitter nunmehr seit Wochen befindet zeigt das ganz deutlich.

    Daten auf zentralisierten Plattformen hängen von der Sicherheit des jeweiligen Dienstes ab, auf Gedeih und Verderb sind die Nutzenden diesem ausgeliefert. Um in der Metapher der “Plattform” zu bleiben: Auf einer proprietären Plattform sammeln sich alle Nutzenden, werden dabei aber nur von einem Stützpfeiler gehalten. Sollte dann ein wild gewordener oder gebliebener Multimilliardär anfangen, aus Spaß die Säule Tag für Tag ein Stückchen weiter zu zersägen, sollte zu denken geben.

    Im Fediverse stehen wir zwar auch auf einzelnen Plattformen, von denen wir abhängen. Nur gibt es davon eben nicht nur eine. Wenn Plattform A in den Abgrund stürzt, können wir zumindest noch rechtzeitig unsere Sachen packen und auf Plattform B springen. Ein Twitter-Nutzer kann das nicht von sich behaupten.

    Zusammengefasst bietet das Fediverse drei wesentliche Vorteile:

    • die Freiheit und Offenheit des Quellcodes erlauben Überprüfungen auf Vorteile, Mängel, Schwachstellen und Sichtungen des Getriebes
    • die Dezentralität verhindert den vollkommenen Verlust eines persönlichen sozialen Netzwerks
    • die Option, selbst zu hosten kann Nutzerinnen und Nutzern eine vollständige Kontrolle über die eigenen Daten gewährleisten, sollte das nicht der Fall sein, sind sie zu einer hohen Wahrscheinlichkeit selbst schuld

    Um es nocheinmal zu Wiederholen: Die Nutzerinnen und Nutzer von Plattformen wie Twitter oder Facebook können diese elementaren und essentiellen Vorteile nicht genießen; im Fediverse hängt, so meine Sicht auf die Dinge, aber auch einiges davon ab, wie die wesentlichen Vorteile genutzt werden.

    Als nicht-Entwickler fällt es sicherlich schwer, den Quellcode vollständig oder zumindest an den wichtigen Stellen nachzuvollziehen, doch die anderen beiden Vorteile kann jeder Fediverse-Freund, wenn er denn nur will, für sich (und andere) umsetzen:

    Seit dem Twitter-Exodus wird die Dezentralität des Fediverse immer wichtiger zu betonen, die Performance-Probleme von mastodon.social können dahingehend als akutes Warnzeichen verstanden werden.

    Die Option, selbst zu hosten ist meiner Ansicht nach noch nicht genug erforscht und diskutiert worden. Ich persönlich sehe meine entsprechenden Fähigkeiten als (noch) nicht ausreichend, perspektivisch bin ich aber durchaus interessiert daran. Eine einsteigerfreundliche Debatte dazu im Fediverse würde diesem sicherlich nicht schaden.

    Einen Einstieg in das Fediverse kann jeder relativ leicht bekommen, indem er sich auf der nächstbesten Mastodon-Instanz anmeldet. Das Potential des Fediverse kann in seiner Gänze aber nur genutzt werden, wenn entsprechende Vorteile erkannt und individuell aber auch kollektiv in die Tat umgesetzt werden.

    Meine Meinung. 🙂