Schlagwort: Fediverse

  • Das Internet: Ein Raum der Möglichkeiten

    Ja, ich gebe es zu: Manchmal glorifiziere ich das Internet. Ich gebe zu: Manchmal blende ich aus, was im Netz falsch läuft – weil ich denke, dass man eigentlich nur nach den richtigen Ecken suchen muss. Ich habe das Internet bisher immer als einen Raum der Möglichkeiten verstanden, insbesondere das Web.

    Manchmal mache ich mir Gedanken, ob die Web-Trends rund um die sozialen Netzwerke der großen Firmen, der wachsende Einfluss Googles im Netz und auch der übergroße Marktanteil von Chrome bei den Browsern dem Web als ganzes gefährlich werden könnten. Und ja, an manchen Stellen komme ich nicht umhin und muss mir einfach Sorgen machen. Sorgen um das „freie Internet“, das ich in ganz unterschiedlicher Hinsicht liebgewonnen habe.

    Das Internet ist wohl eines der wichtigsten Projekte überhaupt, dass die Menschheit als ganzes über Ländergrenzen hinweg umgesetzt hat. Ich bin mit dieser internationalen Form des Internets groß geworden und freue mich nur zu oft, ein Teil davon sein zu können. Ich verstehe das Internet eben als einen Raum der Möglichkeiten, der nur darauf wartet, genutzt zu werden.

    Egal ob es hier um journalistische, kreative oder lehrreiche Inhalte geht: Im Web findet sich für so gut wie alles ein Raum – und das ist meiner Meinung nach einfach unglaublich beeindruckend. Ja, manchmal ist dieser freie Raum in Gefahr oder zumindest den Interessen profitorientierter Konzerne schutzlos ausgeliefert. Und in manchen Ecken des Netzes möchte man sicherlich auch nicht vorbeischauen. Es gibt hier aber zum Glück ein großes „Aber“:

    Aber am Ende des Tages kommt es immernoch darauf an, wie wir das Web nutzen. Und genau deswegen finde ich es auch wichtig, kleine und persönliche, individuelle Projekte ins Netz zu stellen. Das zeigt auch, dass das Web auch heute noch an manchen Stellen ungezähmt sein kann. Das Web sehe ich als einen öffentlichen Raum – und ich kann nur hoffen, dass dieser auch in Zukunft öffentlich bleiben wird.

    Was diese Hoffnung angeht, gibt es viele Projekte, die sich für ein freies Internet einsetzen. Und das ist gut so, ich bin auch sehr froh darüber. Die CreativeCommons-Lizenzen finde ich zum Beispiel sehr spannend. Ich nutze diese ja auch selbst für diesen Blog, um meine Inhalte für andere freier zugänglich zu machen. Das klingt nach einem guten Schlusswort: Vielleicht ist es genau dieser Blog, mit dem auch ich zu einem freien Internet beitragen kann – ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen: Jeden Tag entdecke ich unzählige spannende Inhalte im Netz. Da möchte ich auch einmal etwas zurückgeben.

    Hier lohnt sich sicher noch eine Frage an euch: Wie lebt ihr im digitalen Raum der Möglichkeiten?

  • Der Preis für Social Media

    Wie habe ich eigentlich schon darüber geschrieben, dass ich die großen sozialen Netzwerke Twitter, Instagram (und Facebook) nicht besuche oder benutze? Ich habe jedenfalls nicht mitgezählt – aber falls ihr das gemacht haben solltet, könnt ihr den Stand jetzt um eins erhöhen. An manchen Tagen freue ich mich sehr, nicht auf den großen sozialen Netzwerken unterwegs zu sein – oder unterwegs sein zu müssen. Denn als ich Twitter und Instagram noch genutzt habe, war ich mit der Zeit immer weniger mit diesen Plattformen zufrieden: Instagram wurde immer nerviger und Twitter hat Elon Musk aus dem Rennen genommen. Einen Account bei Facebook hatte ich ohnehin nie. Ja, ich rede und schreibe gern über dieses Thema, weil es für mich wie kein zweites ein gewisses Spannungsfeld abbildet: Das, in dem wir uns im interaktiven „Web 2.0“ stets und ständig wiederfinden.

    Nachdem die klassischen Nutzungsformen des Web 1.0, insbesondere das Basteln eigener Homepages oder das Verfassen langer Blogartikel etwas aus der Mode gekommen ist, hat sich das Web 2.0 entwickelt. Damals, als die oben genannten großen sozialen Netzwerke gegründet und immer größer wurden, hat ein Trend eingesetzt hin zu dem Netzwerksystem, das das Web noch bis heute dominiert. Inhalte von Nutzern werden heute in großem Maßstab auf Plattformen veröffentlicht, bei denen sich prinzipiell jeder anmelden kann. In der Regel geht das kostenlos; aber wem erzähle ich hier etwas neues. Ich möchte ja nur einmal resümieren: Das Web 2.0 ist heute eine besonders bedeutsame Form, Inhalte ins Netz zu stellen und zu diesen Stellung zu beziehen. Ob Texte, Kurznachrichten, Videos oder Audios: Für die verschiedenen Medienformen existieren oftmals gleich mehrere Dienste.

    In der Schule habe ich gelernt, dass man immer erst etwas positives zur Arbeit eines anderen sagen soll, wenn man diese einschätzt: Die verbreiteten Dienste des Web 2.0 lassen sich an vielen Stellen kritisieren. Aber bevor ich zu diesem Teil übergehe, möchte ich zunächst ein paar interessante Aspekte hervorheben, die wir hier vielleicht auch nicht vergessen sollten: Dienste wie Twitter zum Beispiel haben Kommunikation im Netz viel schneller und sicherlich auch einfacher gemacht. Es ist nachvollziehbar, wenn nicht jeder eine Webseite schreiben möchte, der etwas über das Web mitteilen mag. Die großen sozialen Netzwerke haben die Kommunikation über das Netz als ganzes mit Sicherheit verstärkt. Und ich wage auch zu behaupten, dass durch die großen sozialen Netzwerke mehr Menschen überhaupt mit dem Netz in Kontakt gekommen sind. Vermutlich sind so auch wesentlich mehr Perspektiven in das eingeflossen, was ich gerne als „Netzkultur“ zusammenfasse.

    Als Teil des WWW können soziale Netzwerke Menschen einen Raum geben, um ihre Ansichten, Meinungen und auch ihr Wissen mit anderen zu teilen. Das finde ich schön und möchte es den großen Plattformen auch nicht absprechen, wenn meine Kritik an ihnen harsch ausfällt. Allerdings stellt sich doch immer die Frage, welchem Preis man dafür zahlen muss, um die Vorzüge sozialer Netzwerke ausschöpfen zu können. Facebook, Twitter, Instagram und Konsorten: Das sind alles kommerzielle Dienste, die nicht aus Luft und Liebe erstellt, erhalten und weiterentwickelt wurden und werden. Auf den großen Social-Media-Plattformen bezahlen Nutzer heute in der Regel mit ihren Daten und ihrer Zeit.

    Ich bin froh, dass sich über das Fediverse viele Vorteile sozialer Medien nutzen lassen, ohne die kommerziellen Interessen eines Unternehmens im Hintergrund. Doch als politisch und kulturell interessierter Mensch frage ich mich manchmal eines: Was verpasse ich eigentlich, jetzt da ich zum Beispiel kein Instagram und Twitter mehr verwende. Instagram ist mir hier eigentlich recht egal – denn die dort geteilten Inhalte interessieren mich oft eher weniger. Bei Twitter sieht das schon etwas anders aus. Denn manchmal kann dieses Netzwerk auch einfach eine sehr schnelle Informations- und Nachrichtenquelle sein. So habe ich es zumindest in Erinnerung. Klar, ob sich dort sinnvoll streiten lässt, ist schon ein Streitpunkt für sich. Aber die ein oder andere Schlagzeile mitzubekommen, ein paar Meldungen abgreifen zu können – Twitter ist nicht ohne Grund zu einer großen Plattform geworden.

    Ich finde es nachvollziehbar, wenn Leute Twitter aus derartigen Gründen verwenden. Aber dann holen mich schnell wieder die Bedenken ein, wegen der ich dieser Seite einst den Rücken gekehrt habe. Die Bedenken erinnern mich sozusagen daran, warum ich Twitter nicht mehr verwende. Und das ist auch gut so. Natürlich geht es bei den großen kommerziellen Anbietern von Social-Media-Diensten primär um die Werbeeinnahmen. Aber ohne Nutzer ist eine Plattform eben auch für Werbetreibende uninteressant. Wer eine solche kommerzielle Plattform verwendet, unterstützt diese auch, mit der eigenen Anwesenheit.

    Das Fediverse übertrifft insbesondere Twitter schon an vielen Stellen, diese Vorteile überwiegen auch deutlich. Aber der altbekannte Netzwerkeffekt, dass eine Plattform immer auch an der schieren Menge ihrer Nutzer gemessen wird, lässt sich nicht ausblenden. Ich bin bereit, das Fediverse weiterhin zu unterstützen. Ich würde Mastodon, Friendica und die anderen Fedi-Dienste auch verwenden, wenn sie nicht einmal annähernd an die Funktionalität der großen sozialen Netzwerke anknüpften. Ganz einfach, weil das Fediverse so viele eigene Akzente setzt, dass es sich nicht immer mit anderen, kommerziellen Diensten vergleichen muss.

    Ich komme aber auch nicht umhin, selbst derartige vergleiche anzustellen: Das Fediverse ist ein Netzwerk aus sozialen Netzwerken und deswegen messe ich es auch anhand meiner Verwendungszwecke für andere Dienste. Der entscheidende Unterschied ist aber: Im Fediverse habe ich meist nicht das Gefühl, einen Handel eingehen zu müssen. Ein Tauschgeschäft, zum Beispiel mit meinen Daten, was mir über die Zeit immer weniger fair vorgekommen ist. An diesem Eindruck hat sich bis heute eigentlich nichts geändert.

    Vielleicht sollte ich mich also weniger fragen, was ich verpassen könnte. Stattdessen könnte ich mich ja auch einfach darauf konzentrieren, was mir am Fediverse gefällt. Und auf das, was ich ohne Twitter und Co. auch nicht mehr mit ansehen muss. Kommerzielle soziale Medien machen uns ein Angebot – aber das müssen wir nicht annehmen.

  • Soziale Medien auf dem Smartphone

    Immer wieder höre ich, dass die klassische Nutzung eines Computers über einen Desktop-PC oder Laptop immer mehr an Bedeutung verliert. Und ohne das jetzt statistisch nachgeprüft zu haben, könnte da schon etwas dran sein. Der „Smartphone-Markt“ ist in aller Munde, insbesondere auch wenn es um das Internet und das World Wide Web geht. Als ich mich zum Beispiel über Themes für diesen WordPress-Blog informiert habe, konnte ich quasi nicht darum herumkommen, auch über die mobile Darstellung dieser Seite nachzudenken.

    Manchmal wünschte ich, ich könnte das. Denn ich persönlich fühle mich zum Beispiel wohler, wenn ich einen klassischen Computer für meine täglichen Aufgaben verwenden kann. Hier habe ich was das Betriebssystem, die Software-Ausstattung und in Teilen auch die Hardware angeht, wesentlich mehr Kontrolle als auf einem mobilen Endgerät.

    Aber natürlich lässt sich anhand einer persönlichen Vorliebe nicht abstreiten, dass mobile Plattformen heute auch ziemlich wichtig geworden sind. Sowohl für viele Nutzerinnen und Nutzer der Geräte, als auch für die Firmen, die mit den oder gegen die Nutzer Geld verdienen möchten. Egal ob auf Android oder iOS: Soziale Medien sind auf den Smartphones für viele Menschen wohl nicht mehr wegzudenken.

    Ich habe hier meine ganz eigene Perspektive: Als ich noch Instagram und Twitter verwendet habe, landeten auch die mobilen „Apps“ auf meinem Smartphone. Bei Instagram zum Beispiel waren damals auch viele Funktionen nur über die Smartphone-Anwendung verfügbar. Wie das heute ist, weiß ich nicht, aber vermutlich wird sich da nicht viel geändert haben. Twitter nutze ich heute ebenso wenig wie Instagram, aber das war seinerzeit auch voll und ganz über einen Laptop oder Desktop-PC nutzbar.

    Heute verwende ich primär die sozialen Netzwerke aus dem Fediverse, ferner habe ich auch noch Zugänge zu Reddit und Tumblr, aber die verwende ich derzeit auch nicht so oft. Was das Fediverse angeht, nutze ich momentan vor allem Mastodon. Und wer einige der letzten oder noch ältere Beiträge in diesem Blog verfolgt hat weiß: Ich mache mir sehr gern Gedanken über die einzelnen Aspekte des Fediverse.

    Aber heute möchte ich mich ein bisschen zusammenreißen; hier soll es ja schließlich um soziale Netzwerke auf mobilen Endgeräten gehen. Jetzt, da ihr wisst, in welchen sozialen Netzwerken ich zur Zeit aktiv bin, möchte ich eine erste wichtige Unterscheidung treffen: Die zwischen mobilen Clients und offiziellen „Apps“.

    Netzwerke wie Instagram, Twitter oder Facebook werden oft mit der analogie des „Walled Gardens“ beschrieben. Dieser Vergleich meint im Wesentlichen nur, dass die Nutzer dieser Plattformen von denen anderer Netzwerke abgekapselt sind. Konzerne wie Meta oder X konkurrieren nun einmal miteinander, und Geld machen diese Firmen mit den Daten ihrer Nutzer, die sich dann Werbung ansehen sollen.

    Die großen sozialen Netzwerke sind geschlossene Systeme – und genau zu diesem Prinzip passen auch die offiziellen Anwendungen, die diese Firmen für mobile Plattformen zur Verfügung stellen: Die Apps für Twitter oder Instagram zum Beispiel sind genauso geschlossen, wie man es von diesen Diensten erwarten würde. Sie laufen als ein einzelnes Programm, obwohl das Netzwerk selbst ja über eine Webseite aufgerufen werden könnte.

    Anders sieht das bei den dezentralen Diensten aus dem Fediverse-Umfeld aus, die sich häufig entweder direkt über die Webseite oder auch über einen sogenannten Client auf mobilen Endgeräten nutzen lassen. Für Mastodon zum Beispiel exisiteren ganz verschiedene Programme, die sich in der Aufmachung und im Funktionsumfang unterscheiden können. Ein solches System ist offen, wie ich das vom Fediverse kenne und liebe.

    Ein Streitthema bleiben die Netzwerke, die einst mit Clients genutzt werden konnten, aber sich seitdem dagegen wehren. Neben Twitter ist hier wohl auch Reddit ein sehr aktuelles Beispiel. Nach dem das Unternehmen hinter dieser Internetikone den Preis für die Datenschnittstelle der Seite (die API) angehoben hat, mussten viele Drittanbieter-Apps ihre Entwicklung einstellen oder Nutzungsgebühren einführen. Denn wo einst jeder Daten die Daten aus dem Netzwerk abrufen und in einer App darstellen konnte, hat das Unternehmen nun eine Paywall gebaut. Die Auswahlmöglichkeiten bei den Clients sind so natürlich kleiner oder weniger attraktiv geworden und Reddit ist jetzt vielleicht ein bisschen mehr wie ein eingezäunter Garten.

    So sieht die Lage eben aus: Für große Unternehmen ist es anscheinend oft sehr vorteilhaft, eine eigene App anzubieten. Dadurch können sie mehr Kontrolle auf dem mobilen Markt erlangen, als wenn sie ein Client-System zulassen. Clients ohne Werbung lassen sich über einen API-Preis ganz einfach ausschalten. Und schon müssen sich Nutzer entweder mit einer womöglich schlecht mobil-optimierten Webseite abfinden oder Werbung in einer Herstellerapp sehen.

    Am Computer habe ich solche Probleme nicht: Hier kann ich über meinen Browser und etwaige Adblocker als Add-Ons immer noch mehr Kontrolle ausüben über die Darstellung meiner angesteuerten Seiten. Natürlich können mobile Apps Vorteile bergen, beim Microblogging vielleicht, oder wenn es um spontane Fotos geht.

    Die Apps der Unternehmen hinter den kommerziellen sozialen Netzwerken sind aber oft vor allem eines: Anstrengend. Hier muss ich also die Chance nutzen und eine weitere Lanze für das Fediverse und ferner auch seine mobilen Clients brechen. Naja, vom Computer kann man mich ja auch nicht fernhalten. 🙂

  • Hallo troet.cafe!

    Heute habe ich meinen Mastodon-Account von der lokalen Instanz Dresden.Network zu troet.cafe umgezogen. Der Grund dafür war nicht, dass Dresden.Network eine schlechte Instanz wäre oder dergleichen. Ich wohne nur derzeit nicht in Dresden und habe deswegen entschieden, wieder auf eine überregionale Instanz zu wechseln. Das hat vor allem mit der lokalen Timeline zu tun, die ich mir auf Mastodon doch gerne anschaue. Und mit den regionalen Themen auf Dresden.Network konnte ich manchmal einfach nicht viel anfangen – ganz einfach aus Gründen meines Wohnorts.

    Dresden.Network ist eine tolle Instanz, aber natürlich am besten geeignet, wenn man auch in Dresden lebt. Beim troet.cafe sieht das schon anders aus, denn dieser Server ist weder thematisch noch lokal festgelegt sondern sehr allgemein gehalten. Das gefällt mir sehr, denn ich nutze gerade die lokale Timeline auch gerne, um neue Leute kennenzulernen, deren Themen mich interessieren.

    Nach dem Instanzwechsel hatte ich wieder einmal besonders viel Spaß daran, Mastodon zu nutzen. Dabei habe ich auch einiges darüber erfahren, wie andere diese Plattform verwenden. Zum Beispiel ist mir gar nicht in den Sinn gekommen, dass die Inhaltsfilter bei einem Profil-Umzug anscheinend nicht mit übertragen werden – weil ich überhaupt keine Inhaltsfilter gesetzt habe. Ich schalte ganz selten vielleicht ein Profil stumm, aber ich blockiere eigentlich nicht und filtere auch keinen Inhalt. Auf größeren Instanzen habe ich mir früher manchmal nur Beiträge auf deutsch und englisch anzeigen lassen. Aber da ich mittlerweile eine primär deutschsprachige Instanz verwende, hat sich das Problem nun auch mehr oder weniger erledigt.

    In die föderierte Timeline schaue ich bei Mastodon nur sehr selten, wenn ich mich ganz mutig und neugierig fühle. Denn dort geht ja eigentlich immer die Post ab. Da kann ich meistens gar nicht so schnell auf einen Beitrag klicken, oder ihn vollständig lesen. Schon ist er vorbeigescrollt und ich muss mich auf die Suche begeben in diesem Inhaltsstrom. Aber spannend ist das ja irgendwie auch. Gut, meistens lobe ich mir da eher meine eigene Zeitleiste oder die lokale einer Instanz, denn diese sind meist überschaubarer.

    Im troet.cafe ist die lokale Zeitleiste meiner Meinung nach auch ziemlich interessant. Denn langweilig wird es da aufgrund der Instanzgröße eigentlich nicht. Bei sehr kleinen Instanzen liegen die einzelnen Toots in deren Timelines oft Stunden auseinandern, nicht so auf der „größte[n] deutschsprachige[n] Mastodon[-]Instanz“1. Und deswegen fand ich das troet.cafe auch so interessant.

    Ich bin mir oft nicht ganz sicher, wie groß eine Fediverse-Instanz bestenfalls sein sollte. Zu große Instanzen führen meiner Meinung und Erfahrung nach zu unnötigen Dominanz-Situationen in Hinblick auf die Dezentralität. Zu kleine Instanzen haben manchmal eine Post-Flaute in den lokalen Timelines. Das troet.cafe ist nicht klein und auch nicht rießig und deswegen habe ich den Server auch gewählt. Dort heute ein paar Beiträge zu veröffentlichen, hat mir heute großen Spaß gemacht. Ich hoffe, dass das auch langfristig so bleibt.

  • Gedankenspiele zu Microblogs

    Als ich vor ein paar Tagen „einfach so“ nach dem Begriff Microblogging gesucht habe, wusste ich, dass ich mich wieder einmal auf ein Thema eingeschossen habe: Das Konzept eines Microblogs. Dieses Phänomen habe ich schon in einem zurückliegenden Blogartikel angesprochen. Heute möchte ich ein wenig darüber schreiben, was mir da eigentlich so durch den Kopf gegangen ist.

    Was ist Microblogging für mich?

    Microblogging heißt für mich, kurze Beiträge etwa in der Länge von üblichen Textnachrichten abzusetzen. Dabei können die Beiträge entweder in sich geschlossen oder in einem Thread miteinander verknüpft werden, um den Inhalt zu transportieren. Grundlegend ist Microblogging also irgendwie, als würde man einen klassischen Blogartikel nehmen und ihn zu einem Extrakt einkochen: Aus einem umfangreichen Text kann beim Microblogging die Essenz herausgefiltert werden.

    Früher habe ich gedacht, dass Microblogs damit immer zu reduziert sein würden, und zwanghaft kreative Freiheit und den Raum zur Information einschränken würden. Ich finde diesen Gedankengang noch immer nachvollziehbar, allerdings möchte ich ihn ein wenig relativieren. Denn wo Plattformen wie Twitter oder Mastodon das Zeichenlimit krass einschränken, regen sie ja ein Stück weit auch dazu an, den verbliebenen „Platz“ bestmöglich zu nutzen. Sprachliche Kniffe zum Beispiel würde ich heute nicht mehr ganz ausschließen wollen. Stattdessen funktionieren derartige Gestaltungsmittel im Konzept Microblogging wohl einfach ein bisschen anders.

    Für mich ist der Gedanke hinter einem Microblog wieder interessant geworden, als ich mir die Vorteile davon vor Augen geführt habe. Zum Beispiel, dass Kommunikation und Austausch sehr direkt ablaufen und soziale Netzwerkaspekte schneller und einfacher implementiert und genutzt werden können. Damit stellt sich natürlich auch die Frage, wofür sich ein Microblog eignet und wofür keineswegs – womöglich liegt es in der Natur der Sache, dass sich einige Inhalte besser für einen Microblog aufbereiten lassen. Wo ich deshalb vor einiger Zeit noch den Microblog als solches schuldig gesprochen habe, bin ich heute eher geneigt, diesen Umstand als Herausforderung zu sehen.

    Wie ich micro-blogge

    Ihr wisst ja, dass die Fediverse-Plattformen meine primär genutzten sozialen Netzwerke sind. Derzeit verwende ich dabei meistens Mastodon. Interessanterweise mag das auch mit diesem Blog zusammenhängen. Denn seitdem ich Gedankengänge hier in voller Länge ausführen kann, ist es für mich mittlerweile weniger entscheidend, wie viele Zeichen mir in einem sozialen Netzwerk zur Verfügung stehen. Das war vor ein paar Monaten noch anders. Ich kann mich so gesehen darauf einlassen, in einem sozialen Netzwerk nur kurze Beiträge abzusetzen.

    Trotzdem muss ich mich damit ersteinmal einspielen. Denn auch wenn ich Vorteile und Potential hinter dem Konzept eines Microblogs sehe, kann eine derartige Veröffentlichungsform meiner Ansicht nach keineswegs lange Texte, also auch keinen klassischen Blog ersetzen. Dafür ist ein Microblog aber wohl auch nicht gedacht. Ich versuche daher eher, das ganze als eine Ergänzung und gleichzeitig auch als eine für sich eigenständige Lösung zu sehen. Für mich steht ein Microblog derzeit eher für einen zusätzlichen digitalen Raum. Nur bisher wusste ich manchmal nicht so ganz, wie ich diesen füllen möchte.

    Vielleicht habe ich mir auch zu viele Gedanken gemacht, wie ich einen Microblog bespielen sollte. Vielleicht sollte ich mich einfach mal mehr darauf einlassen. Jetzt, da ich mich irgendwie dazu motivieren kann. Wenn ich Artikel für diesen Blog schreibe, freue ich mich oft, dass ich meiner Kreativität auch was die Zeichenanzahl angeht freien Lauf lassen kann. Das wird sich wohl auch nicht ändern.

    Kreativ micro-bloggen

    In den letzten Tagen habe ich ein bisschen darüber nachgedacht, wie man kreativer micro-bloggen könnte. Oder zumindest, wie man dieses Format auch unkonventionell nutzen könnte. Eine Idee, die mir dabei im Kopf herumschwirrt ist die des „Kuratierens“. Diesen Begriff habe ich in diesem Zusammenhang mal unter einem Beitrag zu Tumblr aufgeschnappt und fand ihn sehr faszinierend. Denn so eine Art Themenblog im Micro-Format würde ich schon sehr spannend finden. Und so etwas könnte ich mir dann auch als eine Art Ressource vorstellen, die sich thematisch abschließen ließe.

    Das ist nur eine Idee, aber meine Gedanken schweifen bei soetwas schnell ein bisschen ab. Ich möchte nur sagen: Ich kann mich gerade dazu motivieren, die Vorteile im Microblogging zu sehen – vielleicht sollte ich dahingehend einfach nicht so stur sein.

  • Ein Satz mit X

    Manchmal kann ich einfach nicht von einem bestimmten Thema ablassen. Dann muss ich mich die ganze Zeit damit beschäftigen oder kehre früher oder später dazu zurück, selbst wenn ich mich ablenke. Das hat manchmal schon ein bisschen was von einer gewissen Obsession. Ein Beispiel hierfür wäre mein Interesse am Konzept Microblogging.

    Ich habe mich heute zum Beispiel schon wieder dabei ertappt, nur nach diesem Stichwort gesucht zu haben. Einfach um zu sehen, wie andere den Begriff für sich oder Mitmenschen definieren. Ich habe das öfter, dass ich mich aus welchen Gründen auch immer in ein Thema einschieße. Ein anderes Beispiel wäre mein plötzliches Interesse an Schriftarten, dass vor einiger Zeit noch stärker als zuvor erwacht ist. Ich kann mir das ja selbst nicht erklären. Aber irgendwie muss ich dann nach solchen Themen recherchieren.

    Das kommt mir manchmal so richtig „abegenerdet“ vor, einfach weil ich das selbst nicht immer von mir erwarte. Aber naja, lehrreich ist das in jedem Fall. Denn nur bei genauerem Hinsehen ist es bei bestimmten Themen überhaupt möglich, dahinter zu steigen. Vermutlich hat das was mit „intrinsischer Motivation“ zu tun. Kennt ihr vergleichbare Themen, bei denen euch das ähnlich geht?

    Heute habe ich jedenfalls wieder einmal nach dem Begriff „Microblogging“ gesucht. Weil Twitter mal wieder Schlagzeilen gemacht hat. Meine Güte, da kann man sich so einfach darüber auslassen, dass ist der Wahnsinn. Twitter wird jetzt anschweinend zu „X“ – Mann, ist das kreativ! Ich denke, man kann die Ironie zwischen den Zeilen herauslesen. Twitter wird zu „X“. Und in China ist erneut ein Sack Reis umgefallen. Langsam habe ich das Gefühl, dass Musk nur noch versucht, diese Plattform in die Bedeutungslosigkeit zu führen, nichts weiter.

    Spaß beiseite: „Twitter“ ist vielen Internetnutzern wohl eher ein Begriff, als ein einzelner Buchstabe, der für sonstetwas stehen könnte. Twitter wurde schon vermarktet, beworben und ist zu einer gewissen Bekanntheit gelangt. Über Jahre, die sowohl die Plattform als das Unternehmen dahinter bestanden haben. „X“ – naja, wie man das vermarkten möchte… „X.com“ wäre vielleicht schon etwas anderes, aber trotzdem: Manchmal ich das Gefühl, dass Musk, der die Domain x.com gekauft hat, irgendeinen Verwendungszweck dafür sucht.

    Klar: Die Gerüchte, dass Twitter und X irgendwie etwas miteinander zu tun haben sollen, in irgendeiner Zukunft, gibt es schon länger. Zumindest habe ich davon bereits etwas gehört, als die Domain x.com noch zu einem einsamen X geführt haben muss. Heute ist der blaue Vogel, dass Logo und Maskottchen von Twitter, von der Seite verschwunden. Und für mich scheinen auch die Tage für den Namen „Twitter“ gezählt zu sein. Auf Mastodon können wir dabei eigentlich nur lachen:

    „Ein Satz mit X: Das war wohl nix.“

    Irgendein Tröt heute, mit Sicherheit.
  • Inhalts-Algorithmen in den sozialen Medien

    Egal ob auf Instagram, Twitter oder TikTok: In den kommerziell erfolgreichen sozialen Netzwerken sind algorithmisch vorgeschlagene Inhalte schon lange an der Tagesordnung: Wo früher mehr der Feed des Nutzers dargestellt wurde, formt sich der Feed heute eher vor den Augen des Nutzers – in Echtzeit. Ja, diese „Empfehlungen“ sind oftmals gar nicht mehr los zu werden.

    Die Intention für diese Vorgehensweise liegt für mich eigentlich auf der Hand: Für die großen Social-Media-Konzerne geht es in der Regel darum, die Nutzer der Plattform so lange wie möglich am Bildschirm zu fesseln. Und wenn der Inhaltsstrom nie aufhört, ist das natürlich besonders einfach. Ja, die vermeintliche Optimierung des dargestellten Feeds dient wohl in erster Linie der Maximierung der Nutzungszeit. Prinzipiell ist das doch auch nachvollziehbar. Das gehört anscheinend einfach zu dem „Deal“, die Nutzer der großen sozialen Netzwerke eingehen, wenn sie sich auf diese Einlassen.

    Schwierig wird es aber spätestens, wenn sich diese „Empfehlungen“ negativ auf Nutzer auswirken. Dass es bestimmte Blasen in den sozialen Netzwerken gibt, ist damit sehr schwer zu vermeiden. Denn so ein Algorithmus ist zumindest nach meiner Beobachtung dazu veranlagt, sich im Kreis zu drehen. Was ist zum Beispiel mit den Personen, die Social Media in die Magersucht treibt, weil sie dort immer wieder „perfekt“ dünne Körper vorgesetzt bekommen. Ja, Nutzer könnten derartigen Profilen auch selbst folgen. Aber die Algorithmen der großen Plattformen verstärken hier wohl auch Tendenzen.

    Als ich noch Instagram genutzt habe, wurden mir auf der Seite zum Durchsuchen Inhalte empfohlen, an denen ich nicht interessiert war. Während ich aber nach einer Option gesucht habe, Instagram genau das mitzuteilen, habe ich mir diesem Inhalt mehr Verweilzeit gewährt. Das Ergebnis: Schon beim nächsten Aktualisieren der Seite wurden mir weitere, sehr ähnliche Inhalte angezeigt. Das hat mich wirklich genervt. So sehr, dass ich Instagram in der Folge ganz den Rücken gekehrt habe.

    Insbesondere durch das Fediverse werde ich mir aber auch oft der Alternativen bewusst: Denn auf Mastodon oder Friendica gibt es natürlich keine Algorithmen, die über den eigenen Nachrichtenstrom entscheiden. Und irgendwie ist das doch auch ziemlich befreiend: Hier kontrolliere ich meinen Feed noch selbst. Das ist langfristig vielleicht einfach gesünder für die Psyche – zumindest gefühlt.

    Natürlich ist es nachvollziehbar, wenn Menschen im Fediverse ersteinmal Probleme haben, interessante Inhalte zu finden – weil Algorithmen genau diesen Prozess verkürzen. Die lokalen und föderierten Timelines, wie diese etwa auf Mastodon üblich sind, können hier vielleicht Abhilfe schaffen. Und auch den Ansatz, den Tumblr hier verfolgt, finde ich schon etwas besser als zum Beispiel den von Instagram. Dort lassen sich algorithmische Vorschläge meines Wissens nämlich abschalten.

    Ganz unbegründet oder vollkommen nachvollziehbar finde ich Empfehlungs-Algorithmen sowohl als auch nicht. Aber gerade dann, wenn sich derartige Techniken immer wieder negativ auswirken, geben sie mir doch zu denken. Wie steht ihr zu diesem Thema?

  • 11. Juli 2023

    Literatur im Fediverse

    Im Fediverse habe ich mich in letzter Zeit mehr und mehr für die Literatur-Blase dort interessiert. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut manche Leute microbloggen können; da muss ich ja bekanntlich noch üben. Besonders spannend finde ich es auch, wenn Menschen kleine Gedichte über diese sozialen Netzwerke teilen. Besonders gut lassen sich solche Fediverse-Literaten über die entsprechenden Hashtags verfolgen – und meine bunte Timeline spült ohnehin immer wieder interessante Inhalte zu Tage. So machen dann auch mir soziale Medien Spaß.

    Vielleicht ist es genau jetzt an der Zeit, doch einmal einen Ausflug zu machen in die Welt des kreativen oder kreativeren Schreibens. Ich weiß zwar nicht ganz, wie ich eine solche Geschichte angehen sollte, aber irgendwie könnte ich mich derzeit ziemlich gut dazu motivieren. Warum ich bisher nicht dazu gekommen bin, weiß ich ja selbst nicht so genau. Dazu habe ich auch schon einen Blogartikel verfasst. Jetzt, da ich so darüber nachdenke, bin ich versucht, diesen selbst noch einmal zu lesen…

    Meine Arch Linux-Installation

    Ich habe meine gestrigen Worte tatsächlich in die Tat umgesetzt: Diese Zeilen schreibe ich nun von einem frischen Arch Linux-System, das ich heute Vormittag aufgesetzt habe. Bei der Installation habe ich mich an der Kurzanleitung aus dem deutschsprachigen Wiki der Distribution entlang gehangelt. Und nach dieser Anleitung hat alles ziemlich gut funktioniert. Die Meta-Pakete für die KDE-Arbeitsumgebung Plasma musste ich auch erst einmal wieder verstehen, aber auch diese Hürde ist überwunden.

    Mein System läuft übrigens wieder mit einem LTS-Kernel, wie ich das bei den meisten Arch-Installationen vorziehe. Damit kann ich mir wieder ein Stückchen mehr Stabilität einreden. Auch LibreOffice habe ich in der etwas älteren Wartungsversion installiert. Zur Zeit ist das 7.4.7.2. Wenn man sich so ein eigenes System dann zusammen gestückelt hat, läuft das wirklich sehr gut – und dafür ist man ja bekanntlich selbst verantwortlich.

    Mal schauen, wie lange ich Arch auf meinem Laptop einsetzen werde. Derzeit bin ich vor allem auf die kommenden neuen Veröffentlichungen von Linux Mint, Linux Mint Debian Edition und MX Linux. Bis dahin: Viele Grüße von meinem Arch-Desktop mit KDE. 🙂

  • Threads und Threats

    Der vorliegende Meinungsartikel bezieht sich auf einen „heise online“-Beitrag.

    Für das Fediverse wird es jetzt ernst: Wie heise online berichtet, beginnt der Facebook- Meta-Konzern nun damit, seine neue Anwendung „Threads“ auf die Welt loszulassen. Mit dem neuen Kurznachrichtendienst möchte Facebook Meta auch das Fediverse-Protokoll ActivityPub implementieren. In der Europäischen Union soll Threads allerdings nicht verfügbar gemacht werden, zumindest vorerst. Bei heise ist dazu zu lesen, dass der neue Dienst wohl grundlegend nicht mit der Datenschutzgrundverordnung vereinbar sei.

    Threads könnte die Nutzerzahlen des offenen Standards ActivityPub zwar deutlich in die Höhe treiben. Wie aber das Fediverse von der nunmehr kommerziellen Konkurrenz beeinflusst wird, bleibt vorsichtig abzuwarten. Ich habe auf diesem Blog bereits dazu geschrieben, dass Großkonzerne wie Facebook Meta durchaus eine Gefahr für die freien sozialen Netzwerke darstellen könnten. Dass Threads jetzt so schnell eingeführt werden soll, überrascht mich ehrlich gesagt ein wenig.

    Umso interessanter und deutlicher ist, wie sich die Plattform aus datenschutzrechtlicher Sicht schon vor einem breiten Start darstellt: Wenn Facebook Meta einen EU-Launch zunächst ausschließt, spricht das meiner Meinung nach schon Bände. Ich habe bereits in meinem ersten Text zu diesem Thema das eine grundlegende Problem beschrieben: Die Konzerne, die jetzt mit den etablierten Fediverse-Diensten wetteifern, handeln und entwickeln aus einer völlig anderen Intention heraus. Mastodon soll hier als Beispiel dienen: Dieser Dienst ist quelloffen und wird heute darüber hinaus von einer gemeinnützigen GmbH weiterentwickelt. Facebook Meta hingegen entwickelt die eigene Software nicht aus einem Wohltätigkeitsgedanken. Der Konzern ist ganz klar profitgetrieben, natürlich schlägt sich das auch in den entsprechenden Produkten nieder.

    Wer im Vorfeld gehofft hat, dass Konzerne wie Facebook Meta das Fediverse als ganzes vorantreiben, dürfte spätestens jetzt ein wenig desillusioniert sein, oder? Das Fediverse basiert auf gemeinschaftlichen Anstrengungen und steht heute klar für seine ganz eigenen Werte: Dezentralität, Datenschutz und zumindest nach meiner Wahrnehmung auch Toleranz. Threads hingegen kommt mir eher wie der Versuch vor, die Technik des Fediverse zu nutzen, um am Gerüst dieses Netzwerks wackeln zu können. Mir kommt Threads bei all diesen Datenschutzbedenken eher wie eine Bedrohung für das bisher etablierte Fediverse vor. „Bedrohung“ lässt sich mit „Threat“ ins Englische übersetzen. Ist das nicht eine gewisse sprachliche Ironie?

    Natürlich bleibt abzuwarten, wie sich die Situation genau entwickelt. Und wie im heise-Artikel bereits beschrieben wurde, ist auch fraglich, wie die EU von Threads abgekapselt werden könnte. Außerdem lege ich große Hoffnungen in die Grundfesten des Fediverse, die vermutlich auch die meisten Nutzerinnen und Nutzer mittragen. Das Fediverse ist gemeinschaftlich entstanden und gemeinschaftlich groß geworden. Ich hoffe, dass es auch unter diesen gemeinschaftlichen Aspekten fortbestehen kann. Dass das Fediverse für viele die soziale Netzwerkplattform geworden ist, die sie sich gewünscht haben, steht für mich außer Frage. Am Fediverse teilzuhaben war bisher maßgeblich ein persönlicher Entschluss. Auch wenn sich die Beweggründe unterscheiden mögen: Ein Großteil der Nutzer entscheidet sich vermutlich bewusst für das Fediverse. Ob das in Zukunft noch so aussehen wird, stellt Facebook Meta derzeit ziemlich in Frage (vgl. Instagram-Anbindung von Threads).

    Auf der anderen Seite kann ich auch einen kleinen Funken Positivität an der Situation finden: Offene Protokolle bieten erst den Raum für Dezentralität. Wenn sich also auf der kommerziellen Seite nichts ändern würde, gäbe es vielleicht auch insgesamt weniger dezentrale Strukturen. Die Gefahr, die Bedrohung bleibt: Wenn der Schritt hin zur Dezentralität nur dazu dient, diese als ganzes zu untergraben, schaut das Fediverse in die Röhre. Jetzt abzuwarten wirkt für mich ein wenig frustrierend. Aber scheinbar lässt sich das gerade nicht vermeiden.