Im Internet scheinen Extreme oftmals ihresgleichen zu suchen, egal, ob es dabei um skurrile oder politische Inhalte geht. Doch auch die Darstellungsformen sind in sich irgendwie kompromisslos: Die großen pseudo-sozialen Netzwerke bedienen nicht selten sehr spezifische Anwendungsszenarien, zum Beispiel Kurznachrichten oder Bilderfeeds.

Mittellange Texte sind dabei wirklich nicht sonderlich verbreitet: Ein Twitter-Post eignet sich dazu nicht, andere Plattformen sind am Ende des Tages nicht auf derartige Versuche ausgelegt und Plattformen, die sich so etwas ähnliches auf die Fahnen schreiben, zum Beispiel medium.com, sind auch nicht wirklich bekannt, geschweige denn sonderlich international verbreitet.

Für Texte, die nicht wahnsinnig kurz aber auch nicht wahnsinnig lang sind, scheint es nicht viele Plätze zu geben, die auch von der Internet-Bevölkerung angenommen werden: Obwohl es technisch wesentlich aufwendiger ist, Videos zu speichern und abzuspielen, Audio-Dateien zu horten oder Bilder festzuhalten, entscheiden sich viele Nutzerinnen und Nutzer tendenziell für derartige Plattformen.

Wer dann Texte schreiben und trotzdem gesehen werden möchte, kann schnell in die Röhre schauen, gerade im nicht-englischsprachigen Teil des Webs. Aber muss das so sein? Hier auf writefreely beispielsweise lässt sich angenehm schreiben und veröffentlichen, geborgen in einer freundlichen Gemeinschaft. Doch der Mainstream ist unsere kleine dezentrale Community hier lange nicht — und ich glaube auch nicht, dass sie das sein muss oder in naher Zukunft sein wird.

Trotzdem würde ich mich, als Verfechter des Veröffentlichungsmediums Text, darüber freuen, wenn das Konzept der geliebten Satzkonstellationen mit Inhalt (wieder) mehr Beachtung bekommt von denjenigen, die das Internet “einfach nur nutzen”.