Gedanken zu: „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek

Heute habe ich „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek ausgelesen – meine Güte, das war vielleicht spannend. Um das hier direkt klarzustellen: Dieses Buch wird der Genrebezeichnung „Psychothriller“ auf jeden Fall gerecht. Schon nach den ersten Seiten hat mich Fitzeks Buch in seinen Bann gezogen. Seit ich Freitagabend damit begonnen habe, den Thriller zu lesen, konnte ich das Wochenende einfach nicht damit auf hören, bis ich die Geschichte abgeschlossen hatte. Ich habe das Buch förmlich verschlungen.

Zu Beginn dachte ich noch: Naja, wie spannend soll so ein Thriller schon werden können, immerhin hängt das ja maßgeblich von der eigenen Vorstellungskraft ab. Aber als ich „Der Heimweg“ gelesen habe, konnte ich mich sehr oft selbst dabei erwischen, dass ich sprachlos war, wegen der tragischen Wendungen, der extremen Schilderungen und der mitnehmenden Handlung. Ich habe von vorn bis hinten mit den Figuren mitgefiebert und mich dabei in Charakteren getäuscht, bei denen ich das zu Beginn niemals für möglich gehalten hätte.

Mir fällt es wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch aufzuschreiben, ohne dass ich herausplaudere, wie sich die Handlung immer weiter und weiter zuspitzt, erbarmungslos und dadurch natürlich umso spannender. Ich war wirklich wie gefesselt an dieses Buch, von dem ich noch nicht wusste, was ich davon halten soll, als ich es zu Lesen angefangen habe. Meine Güte! Das war vielleicht ein Ritt.

In „Der Heimweg“ beschreibt der Autor Sebastian Fitzek die psychischen und physischen Leiden der Protagonistin Klara Vernet so, dass es wirklich unter die Haut geht. Im Leben der Hauptcharakterin gibt es scheinbar so gut wie keine Hoffnung: Misshandelt und missbraucht von ihrem eigenen Ehemann kann sie nach einem misslungenen psychologischen Experiment Wahrheit und Wirklichkeit nicht immer klar voneinander unterscheiden.

Als dann noch der ominöse Kalender-Killer in ihr Leben tritt und ihr eigenes Todesdatum offenbart, verliert sie vollends die Motivation in ihrem dauerhaften Leid weiterzuleben und möchte zumindest selbstbestimmt sterben. Der gesuchte Mörder stellt die Protagonistin vor eine Entscheidung: Entweder sie bringt ihren übergriffigen Mann um – oder sie muss stattdessen ihr Leben lassen an den, der schon mehrere Frauen auf dem Gewissen hat. Ein Telefonat mit dem Hilfetelefon, das Frauen zum Beispiel bei einem einsamen und bedrohlichen Heimweg mental unterstützen möchte, bringt dann die Geschichte ins Rollen, die Fitzek so furchtbar genau erzählt.

Der Psychothriller, über den ich hier schreibe, ist voll von unfassbar abscheulichen Charakteren und Figuren, die auch nach dutzenden Seiten noch unglaublich undurchsichtig wirken. Die Spannung, die bei dieser Figurenkonstellation aufkommt, vermittelt beim Lesen vor allem eines: Angst. Angst um die Figuren, die man irgendwie liebgewinnt über den Verlauf der Handlung und doch nicht einschätzen kann. Figuren, die man mögen möchte und nicht mehr mögen kann, wenn man weiterließt. Figuren, die man einfach nur bemitleiden möchte. Diese Kombination macht Fitzeks Thriller „Der Heimweg“ aus – auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite ist da die präzise beschriebene Gewalt, die das Buch bestimmt. Und vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt wünscht man sich die ganze Zeit, während man das Buch ließt eines: Bitte sage mir, dass diese Gewalt nur der Gedankenwelt des Autors entspringt. Aber sie entspricht wohl eher einer Realität, die man nicht sehen möchte. Eine Realtität, die so brutal und unwirklich wird, dass sie wirklich wie eine Romandarstellung wirken könnte, wären da nicht die Schlagzeilen und Nachrichten. Die, dass es häusliche Gewalt – sowohl psychisch als auch physisch – in der Gesellschaft gibt.

Das Buch „Der Heimweg“ tut beinahe schon beim Lesen weh. Man möchte dabei den Atem anhalten. Ich wollte es oft einfach nicht wahrhaben, was ich da gelesen habe. Ja, Fitzeks Buch ist ein Psychothriller. Und ja, eine echte, ganz reale Vorlage steht wohl nicht direkt dahinter. Aber allein der Gedanke daran, wie viele indirekte Vorlagen wohl dahinterstehen, lässt mich erschaudern.

Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, ob ich bei so einem Werk ein „Happy End“ erwarten könnte. Ich möchte hier nichts vorweg nehmen. Aber das Ende kann gar nicht „Happy“, sondern höchsten bittersüß werden. Das, was auf den Seiten vor den letzten Kapiteln geschildert wird, lässt sich nicht so schnell vergessen. Und auch nicht so schnell zu einem positiven Abschluss des Buches ummünzen. Aber das muss auch nicht sein, denn „Der Heimweg“ ist ein Psychothriller. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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