Gestern ist die neue Debian-Version „Bookworm“ erschienen, die ich mir noch am Abend auf dem Laptop installiert habe. Ich bin ein großer Fan des Debian-Projektes und der hauseigenen Distribution, die für mich für Stabilität, Verlässlichkeit aber auch den Community-Gedanken von GNU und Linux steht. Nachdem ich gestern bereits auf meine letzten drei Wochen mit openSUSE Tumbleweed auf dem Rechner zurückgeschaut habe, möchte ich nun ein paar Ersteindrücke zu Debian 12 teilen.

Wie von Debian zu erwarten war, verlief die Installation selbst ohne irgendwelche Probleme. Nachdem ich das Image vom offiziellen Mirror heruntergeladen, verifiziert und auf den USB-Stick gebracht hatte, begrüßte mich nach kurzer Zeit ein Debian mit Xfce. Obwohl ich in den letzten Monaten vor allem Gnome und KDE verwendet habe, wollte ich mit der neuen Debian-Version auch zu Xfce zurückkehren. Mit seinen langlebigen Hauptversionen passt dieser Desktop sehr gut zu Debian. In „Bookworm“ ist auch die neueste Hauptversion 4.18 enthalten. Was soll ich sagen: Xfce läuft super! Ich bin froh, wieder bei diesem Desktop gelandet zu sein.

Xfce ist anpassbar, flexibel und richtig stabil. Hier ändert sich zwar nicht ständig irgendetwas, aber wenn doch, wird die Arbeitsumgebung stets um sehr sinnvolle Funktionen ergänzt. Dabei bleibt man trotzdem oftmals hinter dem Ressourcenverbrauch der großen Desktops zurück, ohne nötige Funktionen einzubüßen. Vor allem Gnome könnte sich hier durchaus eine Scheibe von Xfce abschneiden. Nicht nur, dass Xfce an sich toll ist. Auch in Debian halte ich den Desktop für sehr gut integriert. Neben den Kernpaketen installiert Debian über Tasksel auch eine angenehme Auswahl an vorausgewählter Desktop-Software mit. Die vorinstallierte Software unterscheidet sich wenn überhaupt nur in Kleinigkeiten von der der vorherigen Debian-Version „Bullseye“.

Und genau das ist es, was Debian für mich auch zu einer technisch großartigen Distribution macht: Bei Debian weiß ich, was ich bekomme. Die Software in einer stabilen Veröffentlichung ist gewissenhaft getestet und lässt einen nicht im Stich. Klar gibt es hier und da ein paar kleine Fehlerchen. Trotzdem ist das der große Vorteil, den eine stabile Distribution gegenüber rollenden Mitbewerbern vorweisen kann.

Klar, nicht jeder würde Debian als eine unfassbar anfängerfreundliche Distro bezeichnen. Doch ich habe mich vor einiger Zeit in die Paketverwaltung und den Systemaufbau bei Debian eingearbeitet, so dass ich im Alltag eigentlich keine Probleme mehr habe. Wenn man einmal weiß, wie Debian tickt, ist das eine sehr dankbare Distribution. Debian stellt sich nicht in den Weg des Nutzer, zumindest habe ich das unter „Stable“ noch nie erlebt: Den Paketmanager „apt“ halte ich für den besten seiner Zunft und auch den klassischen Debian-Installer halte ich für sehr ausgereift.

Warum erwähne ich aber den Installer? Ich selbst bin der Meinung, dass jeder ein einmal eingerichtetes Debian-System ohne größere Schwierigkeiten nutzen kann. Gerade, wenn man auf Gnome oder KDE als Desktop setzt, lässt sich auch vieles über intuitive grafische Programme regeln. Der Installer wird aber oftmals als ein Schwachpunkt von Debian angesehen – ich halte das für eine unglückliche Formulierung. Ja, der Debian-Installer mag nicht der ansprechendste oder nutzerfreundlichste sein, wenn man ihn mit anderen Installationsprogrammen vergleicht. Trotzdem tut er, was er soll. Ist es nicht genau diese Verlässlichkeit, die Debian ausmacht? Sicherlich ist es vorstellbar, dass die ein oder anderen Einsteiger mit einigen Fragen überfordert sein könnten. Doch insgesamt ist der Debian-Installer keine Raketenwissenschaft. Dank der guten Dokumentation von Debian kann sich hier sicherlich jeder einlesen. Für diejenigen, die das nicht möchten stehen außerdem die Live-Abbilder mit dem einfachen, aber weniger flexiblen, Calamares-Installationsprogramm zur Verfügung. Auch ich musste mich erst in Debian zurechtfinden, als ich die Distribution zum ersten mal genutzt habe. Aber wenn selbst ich das schaffe, schafft ihr das auch! 😉

Neben der angenehmen Stabilität am Desktop bin ich auch mit den Paketquellen der Distribution sehr zufrieden. Den absoluten Großteil der Software, die ich täglich nutze, finde ich schon in den Standardrepos. Sollte doch eine exotische Anwendung nicht in den Quellen von Debian enthalten sein, nutze ich zur Not eben ein Flatpak. Derzeit brauche ich das aber nur für den Matrix-Client „Schildichat“ – ansonsten komme ich mit den Repositorien von Debian ohne Probleme aus.

Mich fasziniert an Debian vor allem eines: Das, was ich in den letzten Absätzen geschrieben habe, könnte ich so auch über die Vorgängerversionen sagen. Debian ist für mich die sichere Bank in der Linux-Welt, die mich nicht versetzt. Andere Distributionen können noch so spannend sein, aber ich weiß, warum ich Debian so sehr zu schätzen weiß. Debian ist vielleicht hier und da etwas kantig. Das mag sein. Aber mit der Zeit kann sich vermutlich jeder so weit einarbeiten, dass diese Kanten gar nicht mehr so sehr auffallen. Für mich ist es schwer, einzuschätzen, wie ein Einsteiger ein Debian-System nutzen würde. Ich jedenfalls halte Debian für die Distribution, die am besten zu meinen Nutzungsgewohnheiten passt. Ob das nun daran liegt, dass sich meine Gewohnheiten auch nach den Eigenschaften von Debian ausgeprägt haben, kann ich nur schwer beurteilen. Ich kann jedenfalls nur jedem Linux-Anwender raten, Debian einmal auszuprobieren. Habt keine Angst, so kompliziert wie Debian manchmal verschrien wird, ist es überhaupt nicht.

Im Gegenteil ist Debian 12 wohl eine der einsteigerfreundlichsten Debianversionen seit langem: So ist beispielsweise die Verfügbarkeit proprietärer Firmware auf den offiziellen Installationsmedien sicherlich eine sehr nutzerfreundliche Ergänzung. Klar können wir uns hier darüber streiten, inwiefern Debian dahingehend gegen die eigenen Ideale verstößt. Aber zu Debians Zielen gehört es nuneinmal auch, eine nutzbare Distribution für viele zu erstellen. Ich bin allenfalls froh, dass es Debian gibt – hoch lebe der Bücherwurm!