Kategorie: Schreiben

Schreiben an sich

  • WordPress: Gutenberg oder TinyMCE

    Während ich mich in den letzten Tagen eingehender mit WordPress und dessen Plugin-System beschäftigt habe, bin ich immer wieder über die verschiedenen Standardeditoren gestolpert, die WordPress mehr oder weniger offiziell unterstützt. Standardmäßig liefert WordPress den Block-Editor „Gutenberg“ aus, mit dem sich nicht nur Beiträge sondern mittlerweile auch ganze Blogs oder Webseiten erstellen lassen. Gutenberg arbeitet dabei mit dem Prinzip der Modularisierung von Seiteninhalten — jeder Absatz und jedes Bild, oder allgemein: jeder Teil eines Blogeintrags, bekommt einen eigenen „Block“ zugewiesen. Diese Blöcke lassen sich dann durch die Gegend ziehen, kreativ anordnen, gruppieren und bearbeiten.

    Ein Beitrag wird dadurch also in seine Einzelteile zerstückelt, um eine leichtere Feinanpassung im Layout zu ermöglichen, auch ohne CSS- und Webdesign-Kenntnisse.

    Man kann von diesem Konzept halten was man möchte, für mich scheint allenfalls unbestreitbar, dass WordPress so mit der Zeit gehen möchte und sich auch den allgemeinen Trends im Web anzupassen versucht: Heute sind klassische Blogs mit viel Text und teils chronischer Bildverweigerung eher aus der Mode gekommen. Stattdessen sieht man — wenn man den „Mainstream“ des Internets und des Webs nutzt — fast täglich irgendwelche Business-Webseiten, die wenig Inhalt auf viel Raum zerren. Mit dem Scrollen kommt man dann manchmal gar nicht mehr hinterher.

    Von meinem politischen Blog „other society“ bin ich aber einen eher klassischen Editor gewohnt, auf den taz Blogs scheint Gutenberg offenbar deaktiviert worden zu sein. Ich habe hier in einem anderen Artikel schon einmal beschrieben, dass mir das gar nicht so wirklich aufgefallen ist. Immerhin habe ich bei „other society“ oftmals nur einen bereits in LibreOffice Writer fertiggestellten Text in den dafür vorgesehenen Textkasten eingefügt. Dazu muss aber auch gesagt sein, dass das Layout der taz Blogs doch ein sehr eigenes ist: Jeder Artikel wird standardmäßig immer mit einem eigenen Beitragsbild versehen, außerdem sind eine Themenzeile über dem eigentlichen Titel sowie ein Textabriss in wenigen Sätzen im Layout selbst eingeplant: Das passt nicht ganz zu Gutenberg, der auf WordPress sehr viel Individualität zulässt.

    Schade ist indes, dass es keine einfache Möglichkeit zu geben scheint, schnell zwischen den beiden offiziellen Editoren hin- und herzuschalten. Der klassische Editor wird nämlich als ein Plugin ausgeliefert, das ein Blogger bei Bedarf manuell installieren darf oder muss — so er denn einen klassischen Editor bevorzugt.

    Diesen Text schreibe ich momentan im klassischen WordPress-Editor, das gerade benannte Plugin ist hier also derzeit aktiviert. Deutlich wird: Der klassische Editor ist zwar um einiges starrer, oder auch traditioneller. Aber er fühlt sich eben auch etwas schneller, agiler an. Das mag vielleicht daran liegen, dass Gutenberg so weit ich weiß einige Animationen verwendet und dessen Handhabung wesentlich dynamischer daherkommt und daherkommen soll. Für mich stellt sich somit einmal mehr die Frage, ob ich die Funktionalität, die modernen Errungenschaften von Gutenberg wirklich brauche.

    Das mag vielleicht angestaubt klingen, aber ich veröffentliche in diversen Blogs eigentlich primär und auch am liebsten Text. Ganz. Normalen. Text.

    Mit Gutenberg macht das Ganze natürlich auch Spaß, aber die Herangehensweise ist schon eine andere: Der klassische Editor hingegen ähnelt eher einem klassischen, einfachen Textverarbeitungsprogramm und vermittelt dank seines traditionellen Aufbaus ein vertrautes Gefühl: Das ist für mich Blogging, natürlich auch nur, weil ich das so gewohnt bin.

    Klar ist mir aber auch: Ich arbeite mich erst noch in meine WordPress-Installation ein, ich muss mich noch ein bisschen umschauen, und irgendwie ist es ja auch interessant, abzuwägen, welcher Editor denn besser zu dem passt, was ich eigentlich veröffentlichen möchte. Ich werde also — schon aus Neugier — nicht darum herumkommen, in der nächsten Zeit ein bisschen auszuprobieren.

    Glücklicherweise läuft dieser Blog auf einem sehr klassisch gehaltenen Theme, dem Standardtheme aus dem Jahr 2011, als von Gutenberg wohl noch nicht die Rede war. Daher sollte es, so vermute ich, wohl zu keinen größeren Problemen beim Wechsel zwischen Gutenberg und dem klassischen Editor kommen. Ich hoffe jedenfalls auf das beste. 😉

  • Ersteindrücke zur WordPress-Einrichtung

    In den letzten Jahren habe ich zwar immer wieder hier und da geblogt, doch ein reguläres, unverändertes WordPress habe ich eigentlich noch nie genutzt: Mal habe ich mit WordPress.com herumgespielt, mal eher auf Tumblr oder in letzter Zeit per „writefreely“ veröffentlicht. Und nicht zu vergessen ist natürlich auch die WordPress-Instanz der taz Blogs, auf der mein politischer Blog „other society“ läuft — dort sind aber ebenfalls sehr viele Erweiterungen installiert.

    Dieser Blog läuft momentan nur mit dem Standardfunktionsumfang von WordPress. Das „nur“ in diesem Satz kann aber leicht fehl leiten: Eigentlich finde ich weniger überladene Plattformen sehr angenehm, gerade, was Einrichtung und Nutzerführung angeht. Und ich muss sagen: Die Einrichtung war wirklich sehr einfach. Nachdem ich WordPress über meinen Hosting-Anbieter installiert habe, war der Start ein Kinderspiel — und im Großen und Ganzen tatsächlich in fünf Minuten erledigt, wie WordPress es immer wieder verspricht.

    Aufgrund meiner fehlenden Vorerfahrungen mit unveränderten WordPress-Installationen hatte ich erst ein bisschen Angst, ob ich die Einrichtung denn hinbekommen würde: Wenn aber selbst ich das ohne Unmengen an Vorwissen hinbekomme, kann es wirklich nicht so schwer sein. 😉

    Gut, ich interessiere mich schon seit Jahren für Blogs als eine Art der Selbstverwirklichung und kreativen Ausdrucksweise im Web. Trotzdem muss ich WordPress für seine standardmäßige Einfachheit loben, gerade, was die Installation anbelangt.

    Bei der Zusammenstellung des Blogs in jetziger Form habe ich mich dann schon schneller „zu Hause“ gefühlt. Ein Theme auswählen, ein paar Widgets in die Seitenleiste, Seiten, Kategorien und erste Blogeinträge anlegen: Das ging alles schneller von der Hand, als ich erwartet habe. Sicherlich, hier und da musste ich erst einmal ein wenig rumprobieren, das hat aber Spaß gemacht: Das eigentliche Aufsetzen der Seite hat sich eher angefühlt, wie eine kleine digitale Bastelaufgabe.

    Jetzt, da ich den direkten Vergleich zwischen WordPress und WordPress.com ziehen kann, finde ich das eigentliche CMS noch viel besser: WordPress.com war mir immer zu aufdringlich kommerziell, im Vergleich zu anderen Hostern habe ich das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Aufmachung der Seite als solches bei WP.com immer ein bisschen zu aggressiv bzw. restriktiv empfunden: Gut, dass das bei WordPress nicht immer so sein muss. 😉

    Klar, ein WordPress nutze ich auch bei den taz Blogs. Doch diese Nutzung läuft in der Regel so: Beitrag anlegen, Text einfügen und dann direkt veröffentlichen. Hier hingegen habe ich viel mehr „selbst“ angelegt, eigene Kategorien bestimmen dürfen, das Theme der Website frei auswählen dürfen, ohne die Angst, irgendetwas kaputt zu machen: Das ist auch ein schönes Gefühl.

    Dieser Grundgedanke, sich nicht immer sofort Grenzen zu stecken oder stecken zu lassen, sich nicht sofort festzulegen oder festlegen zu müssen, der zieht sich schon seit einiger Zeit durch mein Blogging-Verhalten als Ganzes. Gut zu wissen, dass ich davon nicht unbedingt abrücken muss. 🙂

  • Hallo Welt – Hallo WordPress!

    Hallo Welt! In diesem Blog möchte ich Einträge zu meinen Interessen und Lieblingsthemen sammeln: Einerseits soll dieser Blog ein Ort sein, an dem ich ohne viele Vorgaben „einfach drauf los“ schreiben kann, andererseits auch ein kleines Tagebuch, um festzuhalten, was mir hin und wieder so einfällt.

    Besonders interessiert bin ich an Politik, freier Software, GNU/Linux-Betriebssystemen und Netzkultur. Ich halte das klassische Bloggen für eine der schönsten Tätigkeiten, die das heutige Internet zu bieten hat: Ganz abseits von den großen Technologie- und Social-Media-Unternehmen. Ganz abseits, von Leistungsdruck und Stress, Selbstdarstellung und Online-Hass.

    In den kommenden Tagen werde ich außerdem einige Beiträge, die ich bereits auf anderen Blogs veröffentlicht habe, auf diese Seite umziehen bzw. kopieren. Ich bin gespannt, wie sich dieser Blog entwickelt.

    Happy Bloggin‘!

  • LibreOffice ist und bleibt gut

    In letzter Zeit habe ich mich viel mit ablenkungsfreien Editoren oder Textverarbeitungsprogrammen beschäftigt. Beispiele für derartige Programme wären etwa der „FocusWriter“ oder der Markdown-Editor „Ghostwriter“ aus dem KDE-Umfeld. Doch während ich mich mit diesen Anwendungen beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass ich mich selbst durch die Funktionsweise, die ich ja erkunden wollte, ablenken lassen habe.

    Diesen Text schreibe ich wieder in LibreOffice Writer, ja, hier gibt es zwar eine Vielzahl an Knöpfen mehr, die Frage, ob man diese braucht, stellt sich weiterhin. Aber: LibreOffice stellt für mich eine sehr vertraute Schreibumgebung dar, und gerade diese Vertrautheit hilft dabei, sich konzentrieren zu können. Jede Software braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit, jede Software möchte anfangs erkundet werden, doch wenn man diesen Prozess einmal hinter sich hat, ist es besonders leicht, einfach daran kleben zu bleiben.

    LibreOffice ist für mich zu einem universalen Werkzeug geworden: Ich schreibe hier gerne Texte, bin für Präsentationen darauf angewiesen und nutze auch LibreOffice Draw für das Bearbeiten und Ergänzen von PDF-Dateien. LibreOffice ist eine richtige Büro-Suite und am Ende des Tages so vollständig, dass kaum Wünsche ausbleiben. Bevor ich GNU/Linux genutzt habe, habe ich Windows-bedingt auch Word benutzt, damit haben wir schon in der Grundschule einfache Dokumente verfasst, in der weiterführenden Schule ging es dann in dieser Richtung weiter. Doch als ich mich mit GNU/Linux auseinandergesetzt habe, viel mir der Übergang zu LibreOffice wirklich nicht schwer. Das ist eigentlich erstaunlich, gerade, wenn man die unterschiedliche Menüführung der einzelnen Büro-Suiten bedenkt.

    Mittlerweile habe ich die standardmäßige Menüführung von LibreOffice derartige verinnerlicht, dass ich andere Anwendungen zu gern damit vergleiche. Word scheint mir mit seinen Registerkarten wahnsinnig umständlich. Hier mal ein Beispiel: Ich habe meinen Eltern ihr LibreOffice mit der Registerkarten-Ansicht konfiguriert, um ihnen den Einstieg ein bisschen zu erleichtern. Als ich dann aber gefragt wurde, wie man Sache XY umsetzt, habe ich mich schlicht und ergreifend selbst nicht reingefunden und schnell auf die Standardansicht zurückgestellt.

    Mittlerweile bin ich so sehr an diese Ansicht gewöhnt, dass sie mich nicht mehr wirklich ablenkt. Mittlerweile weiß ich, wo die Funktionen sind, die ich tatsächliche brauche und welche ich dann doch ignorieren kann, sollte, aber nicht unbedingt muss. Libreoffice ist eben eine Textverarbeitungssoftware, und das ist auch kein Problem.

  • Föderation, Ruhe und Danke

    Über die Zeit, in der ich diesen kleinen Blog hier geschrieben habe, ist er mir mehr und mehr ans Herz gewachsen. Anders als auf anderen Plattformen oder Blogs, in denen ich mich gezwungen sehe, auch mal sinnvolle Texte zu schreiben, habe ich diesen Blog bisher immer gut als einen gewissen Ausgleichsfaktor nutzen können.

    Gerade bei politischen Inhalten bin ich sehr vorsichtig geworden, bevor ich einen Text veröffentliche, schlicht und ergreifend weil viele politische Themen mittlerweile eine extrem differenzierte Auseinandersetzung zu fordern scheinen, die ich nicht immer gewährleisten kann, wenn ich mich aufrege, wütend, traurig, enttäuscht, hoffnungsvoll oder euphorisch bin.

    Dieser Blog hier hingegen kommt mir wesentlich persönlicher vor, wesentlich ruhiger, viel entspannender. Die ‚Kaffeediffusion‘ ist zu einem persönlichen Gedankentagebuch geworden. Doch obwohl, oder vielleicht gerade weil es so motivierend für mich sein kann, hier Texte zu veröffentlichen, Frage ich mich wieder und wieder, ob ich nicht doch die Fediverse-Föderation anschalten sollte, ich bin mir sehr sicher, dass die Texte hier dann tendenziell mehr Leuten angezeigt werden würden (da ich den Blog dann über mein Friendica-Profil spiegeln würde).

    Die Frage ist aber: Will ich das wirklich? Möchte ich wirklich mehr gelesen werden? Momentan verlinke ich in meinem Mastodon- und Friendica-Profil auf den Blog, teile aber keine Beiträge, wodurch wesentlich weniger Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden dürfte — natürlich wären die Neuansichten auch mit einem solchen Teilen nicht wirklich viel höher, aber doch bemerkbar für mich.

    Bevor ich auf diese Instanz umgezogen bin, habe ich meinen writefreely-Blog unter blog.fedi.tech auch föderiert und gespiegelt, und tatsächlich immer wieder Kommentare dazu bekommen. Mal abgesehen davon, dass diese ausnahmslos sehr nett und auf das Thema bezogen waren, frage ich mich, ob ich das mit diesem Blog hier wieder tun möchte.

    Momentan denke ich, dass ich die Föderationsfunktion ersteinmal nicht anschalten, konkret also keine einzelnen Artikel über Micro- oder Macrobloggingdienste teilen werde. Am Ende des Tages ist das einfach nicht sonderlich wichtig für mich, ich benutze diesen Blog hier primär, um mir das von der Seele zu schreiben, was ich auf anderen Plattformen und Blogs nicht loswerden will oder kann — und dafür eignet sich das ruhige writefreely-Umfeld wirklich sehr gut.

    Ich weiß nicht, ob es am integrierten Markdown-Editor, der Plattform an sich, der Gemeinschaft dahinter oder irgendeiner persönlichen Wahrnehmung liegt, aber: Wenn ich hier Texte schreibe, kann ich mich auf irgendeine Art und Weise entspannen und eine Auszeit nehmen von der Ernsthaftigkeit, die viele Teile des heutigen Webs einzunehmen scheint, die ich aber nicht immer adäquat ausfüllen kann und möchte.

    An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ein großes Danke an Jan richten — danke für die erstklassige Moderation dieser writefreely-Instanz: Danke, dass ich hier in ruhe schreiben darf, und das nicht in mitten von Spamartikeln sondern zwischen interessanten anderen öffentlichen Blogeinträgen und Texten dieser Instanz. Auch dafür möchte ich mich bedanken, ich freue mich immer wieder über die Texte im Reader.

    Danke also an alle Beteiligten. 🙂

    Hinweis: Dieser Artikel wurde von writefreely importiert. Einige inhaltliche Aspekte beziehen sich auf diese Plattform.

  • Kurzweilige Texte, Teil 1

    Im Internet scheinen Extreme oftmals ihresgleichen zu suchen, egal, ob es dabei um skurrile oder politische Inhalte geht. Doch auch die Darstellungsformen sind in sich irgendwie kompromisslos: Die großen pseudo-sozialen Netzwerke bedienen nicht selten sehr spezifische Anwendungsszenarien, zum Beispiel Kurznachrichten oder Bilderfeeds.

    Mittellange Texte sind dabei wirklich nicht sonderlich verbreitet: Ein Twitter-Post eignet sich dazu nicht, andere Plattformen sind am Ende des Tages nicht auf derartige Versuche ausgelegt und Plattformen, die sich so etwas ähnliches auf die Fahnen schreiben, zum Beispiel medium.com, sind auch nicht wirklich bekannt, geschweige denn sonderlich international verbreitet.

    Für Texte, die nicht wahnsinnig kurz aber auch nicht wahnsinnig lang sind, scheint es nicht viele Plätze zu geben, die auch von der Internet-Bevölkerung angenommen werden: Obwohl es technisch wesentlich aufwendiger ist, Videos zu speichern und abzuspielen, Audio-Dateien zu horten oder Bilder festzuhalten, entscheiden sich viele Nutzerinnen und Nutzer tendenziell für derartige Plattformen.

    Wer dann Texte schreiben und trotzdem gesehen werden möchte, kann schnell in die Röhre schauen, gerade im nicht-englischsprachigen Teil des Webs. Aber muss das so sein? Hier auf writefreely beispielsweise lässt sich angenehm schreiben und veröffentlichen, geborgen in einer freundlichen Gemeinschaft. Doch der Mainstream ist unsere kleine dezentrale Community hier lange nicht — und ich glaube auch nicht, dass sie das sein muss oder in naher Zukunft sein wird.

    Trotzdem würde ich mich, als Verfechter des Veröffentlichungsmediums Text, darüber freuen, wenn das Konzept der geliebten Satzkonstellationen mit Inhalt (wieder) mehr Beachtung bekommt von denjenigen, die das Internet “einfach nur nutzen”.

  • Gedanken zum „FocusWriter“

    Anwendungen wie der „FocusWriter“ erwecken in mir immer wieder das Bedürfnis zu schreiben; wenn mir dann aber wieder einmal ein triftiges Thema fehlt, schreibe ich nicht selten einfach über die Anwendung selbst. Was macht den FocusWriter also besonders? Eigentlich ist er ja nur ein aufgeblasener Texteditor mit Hintergrundbild, ein möchtegern Büroprogramm. Doch ist das wirklich so? Bietet der FocusWriter nicht doch mehr, als man vielleicht auf den ersten Blick denken könnte?

    Diese Fragen lassen sich nicht mit einem simplen Ja oder Nein beantworten: Man merkt dem Programm an unzähligen Ecken und Enden an, dass es für einen sehr speziellen Anwendungsfall, für eine sehr spezielle und doch nicht näher definierte Zielgruppe entwickelt wird: Mit dem FW wird wohl niemand Code oder Config-Dateien editieren wollen, außer vielleicht die drei Masochisten, die diesen Text hier lesen. 😀

    Der FW ist nach meiner Auffassung nicht dafür gedacht, herkömmlichen Texteditoren wie Vim oder Emacs den Rang abzulaufen. Daher fällt es auch schwer, die Anwendung mit anderen zu vergleichen. Einerseits lassen sich auch hier altbekannte Funktionen einer klassischen Textverarbeitungssoftware nutzen, andererseits wird FW derartig simpel präsentiert, dass man niemandem einen Vergleich mit einem einfachen Texteditor verübeln kann.

    Für mich sitzt der FocusWriter zwischen den Stühlen; weder ist er ein klassisches Büroprogramm, noch ein herkömmlicher Editor. Der FocusWriter richtet sich an Autoren, die viel mit langen Texten zu tun haben und möchte dabei den Fokus wieder auf den eigentlichen Text legen, anstatt auf die Bedienelemente. Alle Menüs sind standardmäßig mit einem intelligenten Ausblenden versehen, so das diese beim eigentlichen Schreiben überhaupt nicht auffallen. Einblenden lassen sich diese nur, wenn man die Maus an die Bildschirmränder schubst; beim Schreiben soll man diese ja eigentlich in Ruhe lassen.

    Sicherlich könnte man für diesen Anwendungsfall auch einfach ein Terminal öffnen und Vim starten, die Frage ist aber, ob man das will: Ich zum Beispiel brauche beim Schreiben eine ständige Rechtschreibkontrolle; ich habe keine Lust, einen Text nur wegen etwaiger Rechtschreibfehler noch einmal zu redigieren.

    Wenn ich eine entsprechende Funktion in Vim nutzen möchte, ergeben sich für mich einige Nachteile: Einerseits unterlegt Vim Rechtschreibfehler einigermaßen aggressiv, anstatt einer dezenten Linie, die ich mir im FokusWriter auf ein unauffälligeres Grau gesetzt habe, schreit mich Vim regelrecht an, wenn ich einen Tippfehler mache: Vim markiert bei einem Fehler das ganze Wort in einem knalligen rot, was sofort jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

    Ein weiteres Problem ist die Universalität von Vim: Wenn ich den Editor sowohl für kreative Texte als auch für herkömmliche Anwendungsbereiche, sprich: Configs und Code, verwenden möchte, komme ich schnell in ein Einstellungsdilemma:

    Einerseits möchte ich bei kreativen Texten dauerhaft eine Rechtschreibprüfung eingeschaltet wissen, andererseits stört diese extrem, wenn man englischsprachige Config-Dateien editiert: Wenn ich die Rechtschreibprüfung also in meine Vimrc eintrage, müsste ich in vielen Fällen diese Vorgabeeinstellungen wieder rückgängig machen. Wenn ich nichts eintrage, müsste ich in vielen Fällen zwei Parameter setzen, bevor ich anfangen kann. Das liegt in der Natur dieser Einstellungen, kann aber auch sehr schnell sehr nervig werden.

    Auch die grafischen Texteditoren der verschiedenen grafischen Oberflächen sind in dieser Hinsicht nicht der Weisheit letzter Schluss: Einerseits sind diese häufig vollkommen überfüllt mit Knöpfen, Untermenüs und Optionen, die um die Gunst verschiedenster Entwickler zu buhlen scheinen; andererseits bieten sie wenige Funktionen, die sich konkret an Autoren richten. Sicherlich könnte ich meine Texte auch in Kate, Mousepad oder Plume schreiben — die Frage ist nur, ob ich das auch möchte.

    Ich jedenfalls finde den Ansatz, den der FocusWriter verfolgt ziemlich ansprechend, vielleicht liege ich damit auch genau in der Zielgruppe der Anwendung. Unterm Strich sollte aber klar sein: Wenn man den FocusWriter nutzen möchte, stehen alle Türen offen, die Anwendung ist natürlich freie Software, veröffentlicht unter der GPL.

    Und wenn man für sich selbst keinen sinnvollen Anwendungszweck darin finden kann, ist das auch vollkommen in Ordnung: Jedem das seine. 🙂

  • Gedanken zum Web: Vertrauen und Selbst-Hosten

    Wer sich nicht nur passiv, das heißt konsumierend am Internet, konkret dem Web beteiligen möchte, der scheint heute kaum drumherumzukommen, Menschen zu vertrauen.

    Einen eigenen Server aufzusetzen ist natürlich nicht sonderlich schwierig, sich langfristig um die Sicherheit zu kümmern scheint aber zeitintensiv werden zu können.

    Wenn ich mir überlege, einen eigenen Webserver aufzusetzen, sprich einen alten Laptop zweckzuentfremden, machen sich in meinem Kopf vor allem Gedanken der Unwissenheit breit: Bin ich überhaupt bewandert genug, dauerhaft für einen Server sorgen zu können?

    Kann ich modernen Sicherheitsstandards gerecht werden oder zumindest potentielle Seitenbesucher nicht in digitale Gefahr bringen?

    Fragen über Fragen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie allesamt richtig beantworten könnte. Sicherlich wäre es ein sehr lehrreiches Unterfangen, doch mal einen Server zu pflegen anstatt immer auf fremden Diensten rumzulungern.

    Mit dem System an sich hätte ich auch kein Problem, immerhin benutze ich Debian, was ein wunderbares Serversystem abgeben kann, auch täglich auf dem Desktop.

    Im Gegenteil: Mit Debian bin ich an sich schon vertraut, und das eben nicht nur mit der grafischen Oberfläche. 😀 Nur die darüber liegenden Softwareebenen verunsichern mich, gerade was die verschiedenen Webserver angeht.

    Vielleicht kennt jemand hier eine gute Webseite, auf der ein paar nützliche Informationen aufgezählt sind. Gerade, da ich gerne statische Websites schreibe, möchte ich mich noch nicht vollständig von dem Thema verabschieden.

    Bei Ideen freue ich mich über elektronische Post.

  • Eine Auszeit: Warum ich in nächster Zeit weniger Microbloggen möchte

    Gerade seitdem Musk Twitter in’s Chaos gestürzt hat, entdecken viele das Fediverse für sich; ich möchte die Geschichte hier nicht nocheinmal aufrollen, das habe ich schon oft genug auf meinen verschiedenen Kanälen im Fediverse.

    Doch während das Fediverse immer populärer wird und Twitter im Abgrund aus blauen Haken und Kündigungen versinkt, frage ich mich, ob wir nicht alle einmal eine Auszeit von allen Microblogging-Diensten nehmen sollten.

    Persönliche Sichtweisen…

    Ich für meinen Teil konnte noch nie wirklich gut Microbloggen, wenn ich nicht direkt lange Texte schreibe, blogge ich lieber im Stile eines zusammengewürfelten Tumblelogs als mich selbst auf künstliche Zeichenbegrenzungen herabzulassen.

    Ohne hier eine neue Diskussion über soziale Netzwerke vom Zaun brechen zu wollen: So richtig bin ich noch nie hinter das Konzept der verschiedenen Kurznachrichtendienste gestiegen.

    Für mich bedeutet ein Microblog Stress. Das mag subjektiv und unbegründet, an den Haaren herbeigezogen sein und doch: Ein Microblog ist von Natur aus schnell, dass ist sein Konzept. Ein Mastodon- oder Twitter-Feed dient vielen für winzige Statusupdates, kurze Nachrichten eben.

    Doch, wie das bei Menschen nuneinmal ist, sind nicht immer alle einer Meinung, die Diskussionen, die wir heute führen, werden nicht selten im digitalen Raum ausgetragen, in dem Kurznachrichtendienste eine nicht zu vernachlässigende Rolle einnehmen.

    …und Schlussfolgerungen

    Während auf Twitter also Anomie herrscht, frage ich mich, ob wir uns nicht doch einmal auf die ursprüngliche Form des langen, ungekürzten Bloggings rückbesinnen sollten:

    Ein Blog basiert darauf, so lang zu schreiben, bis man selbst glaubt, ausgeredet zu haben. Und nur, wenn Argumente ausformuliert werden, lassen sich auch tatsächliche Debatten führen. Der Rest wird zu einem Shitstorm.

    Sicherlich ist die Mastodon-Gemeinschaft zum überwältigenden Großteil sehr freundlich, zumindest nach meinen Erfahrungen. Trotzdem brauche ich von Zeit zu Zeit eine Pause von der schnellen Welt der Kurznachrichten und Microblogs.

    In Zukunft möchte ich mich also mehr auf das ursprüngliche und liebgewonnene Medium des langen Textes konzentrieren, Ideen niederschreiben. Das können Microblogs für mich, egal ob 240 oder 500 Zeichen nicht bieten.