Kategorie: Politik

Politik und Gesellschaft

Kommentar: Künstliche Intelligenz erfordert mehr Medienkompetenz

Wer am 30. März 2024 die Tagesschau um 20 Uhr gesehen hat, wurde dabei auch über die neuesten Entwicklungen der KI-Firma openAI informiert. Das Unternehmen, das auch für den bekannten KI-Bot ChatGPT verantwortlich ist, hat nun eine Software zur Imitation von Stimmen erstellt. Ein fünfzehn-sekündiger Sprachclip reiche dem Programm aus, damit es eine menschliche Stimme möglichst originalgetreu nachstellen könne: Das ist ein technischer Sprung, denn bisher waren wesentlich längere Sprachaufnahmen nötig, um derartige KIs entsprechend zu trainieren.

Free matrix background“/ CC0 1.0

Aus Sicherheitsgründen gibt das Unternehmen die Neuentwicklung noch nicht der Öffentlichkeit preis. Zu groß ist wohl die Angst, dass die Software in die falschen Hände geraten, für Desinformation genutzt werden könnte. Doch ist das wirklich die Lösung für ein so drängendes Problem? Wenn openAI seine Neuentwicklung erst später freigibt – ist dann die Gefahr von Desinformationskampagnen kleiner? Wohl kaum, denn mit den Präsidentschaftswahlen in den USA oder den Wahlen zum EU-Parlament stehen im KI-Zeitalter schon in jüngster Zukunft zwei potentiell einschneidende Erlebnisse in diesem Zusammenhang an.

Ist es nicht verwunderlich, dass der Schutz der Welt vor Desinformation davon abhängig gemacht wird, wann eine Firma eine bestimmte Software freigibt? Fast bedrohlich wirkt die Vorstellung, dass es vielleicht nur einen skrupellosen Manager bei openAI mehr braucht, um derartige „Sicherheitsmaßnahmen“ über Bord zu werfen. Vorbei die Vorsicht, vorbei die Rücksicht. Manches mag man sich nicht ausmalen.

Spätestens seit dem Jahr 2023 ist „künstliche Intelligenz“ aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Das mag man positiv oder negativ deuten, wütend oder gelassen aufnehmen, bedenklich oder selbstverständlich finden: Klar ist, dass die KI nicht mehr so schnell verschwinden wird, wie sie auf die Tagesordnung vieler Unternehmen und Privatpersonen gerückt ist. In welcher Form auch immer – in Zukunft muss sich die Menschheit wohl auf ein Leben mit „künstlicher Intelligenz“ einstellen.

Ja, es mag übervorsichtig oder sogar stur klingen, aber: Wer nur das Potential künstlicher Intelligenz sieht, denkt nicht ganzheitlich genug. Wenn die Gesellschaft mit KI Leben muss, sollte sie auch einen angemessenen Umgang mit der neuen Technik finden – nicht zwingend ablehnend, aber besser auch nicht blind bejubelnd. Wo künstliche Intelligenz hinfällt, sollte menschliche Intelligenz mithalten können.

Mit Blick auf nachgestellte Videos und vorgetäuschte Stimmen sollte das früh und zwar früh genug anfangen: Das 21. Jahrhundert ist geprägt von Medien – wie seriös diese sind oder sein können, unterscheidet sich von Fall zu Fall. In einer durch und durch digitalisierten Welt sollten wir Menschen nicht sofort wegsehen, nicht vorschnell die Augen zusammenkneifen. Augen zu und durch – das hat im schlimmsten Fall zur Folge, dass man gegen eine Wand läuft.

Heute braucht es einen bewussten und selbstbewussten Umgang mit klassischen, neuen und kommenden Medien, auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Unsere Gesellschaft sollte sich den Herausforderungen stellen, die KI bietet. In den Schulen der Welt sollte mehr Medienkompetenz vermittelt werden. Es sollte gelehrt und gelernt werden, wie man sich zwischen und in mitten von Medien zurechtfinden kann, und welche Rolle man dahingehend selbst spielt. Die Frage nach dem richtigen Umgang mit künstlicher Intelligenz ist auch eine Frage nach medialer Souveränität. Diese sollten wir nicht unbeantwortet lassen.

Blog in Häppchen

Ja, ich schreibe hier schon wieder über das Thema Microblogging. Mich lässt das nicht los. Aber nachdem ich wirklich lange über diese Form zu schreiben nachgedacht habe, kam mir heute ein Gedanke: Der, des Blogs in Häppchen. Eigentlich klingt diese Idee ganz schön langweilig. Fast schon nach einer schnöden Definition für das Microblogging, das intuitiv ohnehin die meisten direkt verstehen. Aber mir geht es hier nicht direkt um einen möglichen Erklärungsansatz, sondern eher um ein Konzept zum Verbinden eines klassischen Blogs und eines Microblogs. Bevor ich aber darauf eingehen kann, wie dieses genau aussehen und wie ich es für mich umsetzen könnte, möchte ich zunächst auf meine Stellung zu beiden Veröffentlichungsformen eingehen.

Blog Text“ von Words as Pictures/ CC0 1.0

Das klassische Bloggen soll hier den Anfang machen, immerhin nimmt es in meinem Alltag eine ziemlich große Rolle ein. Das liegt, wen wundert es schon, an der Webseite, die ihr gerade lest. Für mich gehört mein Blog einfach zu meinem Tag dazu, spätestens seit den letzten Monaten. Seinen Reiz, Gedanken zu Ende gedacht, unverkürzt und uneingeschränkt auf einer unabhängigen Plattform veröffentlichen zu können – den hat der klassische Blog bis heute nicht verloren. Natürlich nimmt es Zeit in Anspruch, lange Blogeinträge zu verfassen. Aber das nehme ich nicht nur willentlich in Kauf, ich möchte es genau so. Denn in meinen Artikeln für die Kaffeediffusion habe ich die Möglichkeit, Themen zu verarbeiten, die mich gerade beschäftigen. Das ist mir sehr viel wert. Und meiner Erfahrung nach habe ich im klassischen Bloggen einen ziemlich guten Weg gefunden, diesem Bedürfnis nachzugehen. Gerade der Punkt, dass Blogs nicht verkürzt daher kommen müssen, spricht meiner Meinung nach für sich und für das Konzept.

Menschen für das Lesen eines solchen Blogs zu gewinnen, ist aber nicht unbedingt einfach. Eine „eingebaute“ Community, also eine Leserschaft, gibt es hier nicht von vornherein. So wie ich das mitbekommen habe, muss man sich eine solche als Blogger sehr langfristig erarbeiten. Oder sagen wir eher „erschreiben“. Klar, hier stellt sich wieder die Frage, ob man wirklich nach einer großen Öffentlichkeit für die eigenen Inhalte aus ist. Aber zumindest bei mir ist es so: Manche Themen und Gedanken gehören für mich an die Öffentlichkeit; ich möchte diese dann auch diskutieren. Bei anderen ist das vielleicht nicht der Fall. Wenn ich allerdings einen Blogartikel öffentlich ins Internet lade, kann ich auch nicht vor mir selbst behaupten, nicht zu wollen, dass dieser gelesen wird. Das ist ja auch nichts schlimmes, so lange man die Kontrolle darüber behält, wie diese Inhalte konkret ausgestaltet sind.

Gerade wenn es um den Punkt der Öffentlichkeit und den Aspekt der Diskussion geht, kommt mir das Konzept des Microblogs in den Sinn. Auf Plattformen wie Mastodon oder Bluesky tummeln sich Menschen, die etwas loswerden wollen. Aber eben auch Menschen, die kurzen Mitteilungen der anderen lesen möchten. Genau dieser Grundgedanke des Austauschs ist für mich interessant. Denn dieser ist es, der bei einem klassischen Blog wohl nur recht langfristig realisiert werden kann. Ich sehe hier also eine Chance, nämlich Öffentlichkeit für Inhalte zu schaffen, die sonst womöglich niemand sehen würde. Das ist wiederum die Chance, Diskussionen anzustoßen, die ansonsten ausbleiben könnten.

In der Vergangenheit habe ich die Eigenheit der Microblogs, nur wenige Zeichen pro Beitrag zu umfassen, mal negativ und mal hoffnungsvoll betrachtet. Einerseits ist für mich klar, dass es nur schwierig möglich ist, insbesondere politische Themen auf 240 oder 500 Zeichen herunter zu brechen. Für mich sind an dieser Stelle Missverständnisse vorprogrammiert, denn manche Fragen lassen sich nur komplex beantworten. Das ist auch einer der Gründe, weswegen ich bisher wesentlich weniger auf Microblogs im Vergleich zu meinem Hauptblog in Langform war. Andererseits wäre es natürlich schön, auch die Perspektiven der Menschen zu hören, die vielleicht keine Motivation oder Zeit haben, sich mit einem Blogartikel in langer Form auseinander zu setzen. Das ist für mich ein Teilpotential des Konzepts Microblogging. Aus dieser Motivation heraus denke ich, dass es sich durchaus lohnen könnte, die Stärken beider Blog-Formen zu verbinden. Und genau das ist das Ziel hinter meiner Idee des Blogs in Häppchen.

Natürlich ist es ganz einfach möglich, einen Link zu einem Blogartikel auf Mastodon oder ähnlichen Plattformen zu teilen. Damit lässt sich vielleicht auch eine Diskussion anstoßen; in der Vergangenheit habe auch ich interessante Kommentare unter derartigen Posts erhalten. Allerdings kann ich doch nicht wirklich erwarten, dass Menschen einen verlinkten Blogartikel dann auch immer lesen, um sich an einer Diskussion zu beteiligen. Wie oben erwähnt kann das ganz unterschiedliche Gründe haben, die ich auch respektieren möchte. Ein weiteres Problem ist, dass ein Blogartikel oft ganz unterschiedliche Aspekte eines Themas im Zusammenhang beleuchtet. Diese dann wiederum einzeln zu debattieren, würde eine ständige Spezifizierung erfordern. Das ist auf Mastodon und Konsorten wohl relativ anstrengend, und dem ein oder anderen raubt es wohl auch seine verbleibenden Zeichen.

Um ein Thema auf einer Microblogging-Plattform also sinnvoll diskutieren zu können, braucht es meiner Meinung nach eine gewissen Differenzierung des Inhalts. Ein übergeordneter Link allein reicht nicht aus, wenn man das Potential eines solchen Diensts wirklich nutzen möchte. Stattdessen möchte ich einen anderen Vorschlag machen: Zusätzlich zu einem einleitenden übergeordneten Beitrag wäre es doch sinnvoll, das Thema in Häppchen aufzuteilen. Also in einzelne Beiträge in einem Thread, der auf den ursprünglichen Beitrag folgt. Bei jedem einzelnen Beitrag bietet sich dann nämlich ein Ansatzpunkt für eine Debatte, wobei der Inhalt noch immer im Gesamtzusammenhang dargestellt wird.

Für manche ist vielleicht ihr Microblog sehr wichtig, für mich ist es mein klassischer Blog. Letzteren werde ich auch zukünftig wie bisher pflegen, weil er sich für mich so gut eignet, eigene Gedanken festzuhalten und Inhalte auszuformulieren. Allerdings denke ich, dass mein klassischer Blog und mein Microblog an vielerlei Stelle Hand in Hand gehen sollten. Der klassische Blog ermöglicht es, Inhalte darzustellen und weiterzudenken. Und zwar ohne, dass ein einzelner Teil dabei aus dem Kontext gerissen wird. Microblogs ermöglichen eine gewisse Dynamik und einen regen Austausch und sind damit wohl etwas weniger träge als klassische Blogs. Einen Blogartikel, den es sich zu diskutieren lohnt also zunächst zu veröffentlichen und dann gegebenenfalls wie oben beschrieben zusätzlich auf einem Microblog aufzuarbeiten – das birgt meiner Meinung nach großes Potential. Ich möchte dieser Idee nachgehen.

Wie genau sich ein solcher Vorschlag umsetzen lässt, und in welchem Rahmen, das wird sich sicherlich zeigen. Aber mir gefällt der Ansatz eigentlich schon jetzt. Endlich bietet sich für mich ein Weg, die Möglichkeiten des klassischen Blogs mit den Chancen des Microblogs zu verbinden. In einer zumindest konzeptionell halbwegs stimmigen Art und Weise. Ich mag auch, wie offen der Grundgedanke für ein weiteres Fortentwickeln ist. Denn wenn man einmal einen Thread mit eigenen Beiträgen verfasst, kann man darin natürlich auch dedizierte Hashtags setzen – nur mal so als Beispiel.

Was haltet ihr von dieser Idee?

Politische Debatte – Teil 1

Ich würde mich selbst als einen politisch interessierten Menschen beschreiben. Politik begegnet mir immer wieder im Alltag und ich finde dieses Thema sehr spannend. Egal, ob es sich hierbei um innen- oder außen-, gar weltpolitische Fragen handelt: Spannend finde ich diese ganz oft. Natürlich komme auch ich nicht umhin, mir meine eigenen Meinungen zu bestimmten Themen zu bilden. Mir macht es auch Spaß, diese mit anderen zu diskutieren, mich auszutauschen. Politische Debatte ist für mich eigentlich nicht anstrengend oder nervenaufreibend. Ich finde sie sehr wichtig und beteilige mich gerne.

Wenn ich mir meine Meinungen zu bestimmten Themen überlege, wäge ich zwangsläufig immer das ab, was ich zu ebenjenen Fragen weiß. Früher war ich mir nachher auch sehr sicher, eine überzeugende Argumentation gefunden zu haben. Anhand bestimmter politischer Grundsätze konnte ich mich selbst auch tiefer mit der Politik als solches auseinandersetzen. Vermutlich war diese Herangehensweise in der Vergangenheit nicht immer gut gerechtfertigt. Heute bin ich in vielen Fällen aber schon deutlich kritischer mit mir selbst geworden. Ich weise mich sozusagen selbst darauf hin, Dinge nicht immer vollkommen verstehen wissen oder kennen zu können. Zumindest, wenn ich mich nicht tiefgehender damit auseinandersetze.

Aus dieser Herangehensweise kann man eigentlich schlussfolgern: Für mich ist politische Debatte gerade deshalb wichtig, weil sie es mir erlaubt, Themen ganzheitlicher zu betrachten. Allerdings beschleicht mich immer wieder das Gefühl, bisher keinen wirklich passend Ort für eine ausführliche Diskussion gefunden zu haben. Im Internet wirken manche fast schon extrem stark von ihrer eigenen Meinung überzeugt, wollen diese anderen höchsten mitteilen aber nicht diskutieren. Und im „realen Leben“ wirken einige ein bisschen desinteressiert. Auch habe ich manchmal den Eindruck, den Bezug zu verlieren, zu einer ganz merkwürdigen Diskussionskultur. Einer, die im digitalen Raum oft aus Selbstbestätigung oder Anfeindung besteht und im Analogen gefühlt nur sehr beschränkt stattfindet. Vielleicht mangelt es hier an einem Medium, einem konkreten Diskussionsraum.

5. September 2023

Irgendwie war heute doch wieder ein komischer Tag. Für mich war der heute eigentlich ziemlich anstrengend – dabei wäre es heute doch mal sinnvoll gewesen, motiviert durch den Dienstag zu kommen. Jetzt ist der Tag schon wieder beinahe zu Ende. Aber gut, das wird schon alles irgendwie; muss ja weitergehen, richtig?

Was gab es heute noch so? Olaf Scholz hat eine Augenklappe. Ganz toll. Aber ob das jetzt so einen großen Nachrichtenwert hat? Wollen wir mal ein Auge zudrücken. Ach warte, geht ja schlecht. Wo wir gerade beim Sport sind: Fitnessuhren sind mir schon länger suspekt, jetzt weiß ich auch wieder weshalb: „Fitbit“, einem Unternehmen, dass solche Geräte verkauft und seit 2021 zu Google gehört, werden schlechte Datenschutzpraktiken vorgeworfen. Eine Uhr, die alle meine Körperaktivitäten aufzeichnet – und mit einem Google-Dienst verknüpft: Was kann da bloß schief gehen. :/

Noch was neues? Ja, Lidl UK hat gestern Süßigkeiten zurückgerufen, weil ein abgedruckter Link auf der Verpackung zu einer chinesischen Pornoseite geführt haben soll, schreibt zumindest heise. Das Internet ist wohl auch im Vereinigten Königreich noch Neuland.

Ich bin übrigens weiterhin auf meinem lauwarmen Kaffee-Entzug. Sieben Stunden Schlaf habe ich in den letzten Tagen eigentlich ziemlich konsequent erreicht; aber die zweite Tasse Kaffee fehlt doch irgendwie. Merkt man meinen Texten eigentlich an, wenn ich demotiviert bin? Ich weiß gar nicht so genau, warum das heute so ist. Aber wahrscheinlich ist das einfach eine Kombination verschiedener Faktoren.

Studie: Viele Umweltbewegte kehren Twitter den Rücken

Es ist wieder Zeit für einen Artikel im inoffiziellen Twitter-Watchblog! Spaß beiseite, manchmal kann ich einfach nicht widerstehen und muss mich mit dem Dienst, der mittlerweile „X“ heißt, beschäftigen. Auf der Kaffeediffusion gehört dieses Thema schon irgendwie dazu. Denn seitdem Elon Musk den Mikroblogging-Service im Oktober 2022 übernommen hat, habe ich regelmäßig dazu geschrieben. Heute ist mir wieder eine interessante Schlagzeile aufgefallen, die damit im Zusammenhang steht: Spektrum.de berichtet, dass seit der Musk-Übernahme etwa die Hälfte der Klima- und Umweltaktivisten Twitter den Rücken gekehrt habe.

In dem Artikel, der schon am 16. August 2023 veröffentlicht wurde, bezieht sich die Journalistin Karin Schlott dabei auf einer Forschergruppe des Pomena College um Charlotte Chang. Die Studie als solches ist ziemlich interessant und basiert auf einer Datengrundlage aus 2019 bis 2023. Ich empfehle euch, die genauen Daten auf Spektrum.de nachzulesen. Hier möchte ich mich stattdessen eher auf die prägnanteste Zahl beziehen: Die forschenden Wissenschaftler kommen in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass seit der Übernahme 47,5 Prozent der Mikroblogger mit einem Fokus auf Umwelt, Natur und Klima inaktiv geworden wären.

Als ich diese Ergebnisse zuerst gelesen habe musste ich unweigerlich an diesen einen Verdacht denken. Den, dass die Musk-Übernahme eben doch auch inhaltliche Auswirkungen haben könnte. Seine eigene politische Meinung stellt Musk selbst ja hin und wieder ganz offen öffentlich dar – und so wie ich sie wahrnehme, tendiert der Millionär zu einer neoliberal-rechten Weltsicht. Ich habe das Gefühl, dass es vor allem eher progressive Nutzerkreise von Twitter aus in die Flucht geschlagen hat, als der Dienst verkauft wurde. Zumindest konnte ich zum Beispiel im Fediverse manche mehr oder minder bekannte Gesichter Accounts aus meiner ehemaligen, tendenziell eher linken Twitter-Timeline wiederentdecken.

Das alles waren aber bisher meist nur Vermutungen, genaue Daten konnte ich bisher nicht wirklich als Argument anführen. Denn aufgrund meiner persönlichen Einschätzungen kann ich schlicht keine statistische Richtigkeit annehmen. Jetzt, da die Ergebnisse der angesprochenen Studie vorliegen, wirkt das aber schon ein wenig anders. Denn Klima- und Umweltthemen sind meiner Einschätzung nach ein historisch eher links besetztes Themenfeld. Ich wage daher auch zu vermuten, dass sich die politische Diskussionskultur auf Twitter durchaus nach rechts verschieben könnte.

In dem Spektrum-Artikel, auf den ich mich hier beziehe, wird in einem Nebensatz aber auch ein ganz anderer Aspekt angesprochen. Ich möchte hierbei direkt zitieren: „Zurzeit gebe es für diese Themen kein vergleichbares soziales Medium wie Twitter, das seit Juli 2023 X heißt.“ Ist das nicht mal eine diskussionswürdige These? Als Fediverse-Nutzer fällt es mir schwer, dieser Aussage zuzustimmen. Mit Mastodon existiert faktisch ein frei verfügbarer Dienst, der über eigentliche alle wichtigen (Grund-)Funktionen verfügt, die Twitter auch hat. Aber eine Sache muss ich natürlich zugeben: Ein soziales Netzwerk kann zwar durch gewisse Funktionalitäten Rahmenbedingungen für Diskussionen schaffen – aber wenn die nötige Nutzerbasis fehlt, können natürlich auch keine Diskussionen stattfinden.

Twitter scheint sich aus meiner Perspektive in eine sehr merkwürdige und an unterschiedlichen Stellen irgendwie negative Richtung zu entwickeln. Aber hier liegt die Betonung eben auch auf „meiner Perspektive“. Denn wie genau Twitter sich demografisch entwickelt, lässt sich nicht aus einer persönlichen Wahrnehmung heraus ablesen – sondern anhand harter Fakten und Daten. Mein eigenes Urteil fällt daher immer so aus, wie es mein eigenes statistisches Sichtfeld zulässt – und das ist nun einmal begrenzt. Nichtsdestoweniger würde ich mich natürlich freuen, eure Meinung zu diesem Thema in den Kommentaren zu lesen.

Twitter und die Trump-Daten

Wie heise online berichtet, haben die Betreiber des Kurznachrichtendiensts X, vormals Twitter, umfassende Daten des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, einschließlich gelöschter Direktnachrichten, Tweet-Entwürfen und IP-Adressen an einen „US-Sonderermittler“ herausgegeben. Dass Trump von vielen Seiten in der Kritik steht, geht ja immer wieder durch die Nachrichten, hier ging es wohl vor allem um seine mögliche Beteiligung am Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang 2021. Schon als Trump noch US-Präsident war, habe ich meine Meinung zu ihm in einem kritischen Blogartikel auf „other society“ festgehalten. Hier möchte ich mich deswegen eher auf die Rolle konzentrieren, die Twitter hier spielt.

Denn auch wenn die Schlagzeile „Twitter gibt Trump-Daten heraus“ erst einmal so klingt, als würde der Musk-Konzern voll und ganz hinter den Ermittlungen gegen Trump stehen, kann man das nach dem heise-Artikel doch in Frage stellen: Denn anscheinend wollte Twitter die Daten nicht auf Anhieb (wiederherstellen und) herausgeben und habe wohl auch vorgeschlagen, Trump selbst darüber zu informieren. Bei heise ist zu lesen, dass das von Seiten der Ermittler als schädlich für ihre Untersuchungen erachtet wurde.

Ich möchte hier nicht nur den heise-Text wiedergeben, den könnt ihr ja selbst nachlesen. Mir geht es auch darum, wie sich das Verhalten Twitters in dieser Angelegenheit einordnen lässt. Auch der gute Fefe hat auf seinem Blog schon dazu kommentiert – und sich gefragt, warum nach der Herausgabe derartiger Daten nicht direkt viele Twitter den Rücken kehren. Erst hat mich diese Meinung ein wenig stutzig gemacht, aber im Grunde hat er wohl recht: Wer sich auf Twitter an einem vertrauenswürdigen Diskussionsort und bei den Direktnachrichten in einem privaten Raum wähnt, sollte hier dringend noch einmal über die eigene Nutzung nachdenken. Denn Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind diese Nachrichten anscheinend ja auch nicht.

Twitter ist ein öffentlicher Raum und sollte wohl auch als solcher verstanden werden. Dass die US-Ermittler nun gegen Trump Anfragen an den Dienst stellen, überrascht eigentlich auch wenig. Ich bezweifle aber, dass der vielleicht nötige Großteil der Twitter-Nutzerinnen und -nutzer die AGB oder auch die Datenschutzerklärung des Dienstes gelesen hat. Ich bezweifle, dass die meisten wissen, inwiefern etwa die Direktnachrichten auf Twitter privat sind. Und Twitter ist hier ja sicherlich keine Ausnahme – das Kleingedruckte setzt man ja nicht ohne Grund oft mit „überlesen“ gleich.

Eigentlich stellt sich hier ja die Frage, ob Twitter in seinem digitalen Raum ein Hausrecht ausüben darf. Zumindest wäre das meine Nutzerperspektive. Und auch wenn ich erwarte, dass man mich offen darüber aufklärt, wo meine Privatsphäre aufhört, kann ich hier einfach nicht auf derartig große Social-Media-Konzerne hoffen. Verdienen diese Angebote nicht eigentlich ihr Geld mit dem brechen gewisser privater Räume und dem Sammeln persönlicher Daten. Nunja, dieses Geschäftsmodell ist natürlich noch etwas anderes als die Herausgabe ähnlicher Informationen an Ermittler – aber wer keine Daten sammelt kommt eben auch nicht in die ethische Klemme, ob man diese nun herausgeben sollte.

Ich bin wirklich kein Trump-Fan, im Gegenteil. Ich finde den Anschein, dass Musk offenbar mit seinem Verhalten aktiv auf den ehemaligen US-Präsidenten zugehen wollte, gruselig. Hier zeigt sich eben auch, wie sehr Musk Twitter eigentlich (inhaltlich) kontrollieren, ja lenken kann. Doch auch aus der Sicht eines (ehemaligen) Twitter-Nutzers zeigt sich für mich einmal mehr: Auf Plattformen wie Twitter ist man eigentlich auf Gedeih und Verderb den Plattformen selbst ausgeliefert. Da ist das eigentliche Nutzerangebot das eine. Das andere ist ein möglicher Verlust von Kontrolle über die eigenen Daten, über das was man gern vergessen möchte, über ein Stückchen Privatsphäre.

7. August 2023

Es gibt Tage, da weiß ich einfach nicht, über was ich auf diesem Blog schreiben soll. Nicht etwa, weil mir keine Textideen einfallen würden. Nein – im Gegenteil habe ich manchmal auch einfach so viele Ideen und Gedanken, Meinungen oder auch Sorgen, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieser Beitrag hier entsteht etwa schon in meinem dritten Anlauf, meinen heutigen Blogeintrag zu verfassen.

Ja, manchmal fällt mir nichts ein und manchmal stellen sich Themen, die ich gern bearbeiten würde überraschend als doch weniger spannend heraus. Manchmal habe ich auch das Gefühl, die Meinung, die ich zu bestimmten Themen in die Tastatur hämmern würde, hätten andere schon längst gesagt. Vielleicht früher, vielleicht präziser, vielleicht sachlicher oder energischer. Das kann dann schon ein bisschen demotivierend wirken. Immerhin denke ich bei diesen Gelegenheiten oft von einem Kritikpunkt zum nächsten oder sehe nur dass, worüber ich mir womöglich gar nicht so viele Gedanken machen sollte.

Hin und wieder sitze ich vor der Tastatur und halte die Backspace-Taste auf Anschlag, weil ich gerade dabei bin, einen Satz oder gar Text zu verwerfen. Manchmal schließe ich einfach resigniert einen Editor – ohne zu speichern. Doch bei manchen Texten passiert mir auch das Gegenteil: Denn es kann eben auch vorkommen, dass gerade die Themen, von denen man selbst zunächst wenig hält, interessante Texte abgeben. Woran das liegen könnte? Ich weiß es nicht.

Das kann eben ein schmaler Grad sein: Einfach drauf los zu schreiben, kann sehr gut tun. Aber natürlich wird diese Herangehensweise manchen Themen auch einfach nicht gerecht. Und wenn mir diese Zweifel einmal in den Sinn kommen… Tja, dann muss ich mich schon wirklich auf ein Thema eingeschossen haben, um weiterzuschreiben. Wie gesagt: Das kann richtig frustrieren. Wo ich gerade so darüber nachdenke, scheint es auch eine gute Idee zu sein, solche Textideen einfach einmal aufzuschreiben. Ohne den Zwang, sie irgendwann umsetzen zu müssen. Ganz unverbindlich, nur damit man sie nicht ganz vergisst.

Denn wenn ich einen Text einmal verwerfe, liegt es doch auch nahe, dass ich mich ablenke. Und wenn ich mich ablenke, verliere ich vielleicht auch einen Gedanken zu wenig an das digitale Äquivalent zum zerknüllten Entwurf im Papierkorb. Und wieder hervorkramen kann ich solche Ideen dann natürlich auch nicht: Was für ein Wunder der Technik. Heute habe ich zum Beispiel überlegt, ob ich einen Text zur aktuellen politischen Lage mit Blick auf die (erschreckende) Popularität der AfD schreiben sollte. Andererseits erfordert ein solches Thema gründliche Recherche, will überlegt behandelt und nicht vorschnell von der Leber weg geschrieben werden. Außerdem habe ich daran gedacht, ob sich nicht ganz allgemein ein Artikel zu historischen Umständen – und insbesondere meinen persönlichen Bezügen dazu – lohnen würde.

Diese Themen klingen für mich eigentlich noch immer interessant, gerade letzteres verspricht auch, zum Konzept dieses Blogs zu passen. Irgendwie. Nicht, dass ich den anderen Beitrag nicht auch angehen wollen würde – ich weiß nur nicht wie. Und dieser wäre sicherlich auch eher für meinen politischen Blog „other society“ geeignet. Naja, mal sehen: Vielleicht wird ja doch noch etwas daraus. Eventuell.

Eine Meinung zu Meinungen

Zu bestimmten Themen findet man unglaublich schnell eine Meinung. Gerade, wenn man sich öffentliche Diskussionsräume anschaut fällt das auf, vor allem im Internet. Ich bin da ja keine Ausnahme: Zu bestimmten Fragen hat man hier einen ersten Eindruck, da ein Vorurteil, dort eine vorschnelle Idee und schon ist sie da: Eine Meinung bei der man hinterfragen sollte, ob man sie denn wirklich mit ausreichend Vorwissen und Überlegung gefunden hat. Ob man sie denn wirklich in dieser Form vertreten sollte. Eine Meinung, die man vielleicht nach zwei Tagen schon wieder vergisst, die sich nach einem Monat vielleicht umgekehrt hat. Ja, bestimmte Themen laden wirklich dazu ein, sie vorschnell zu beurteilen.

Wenn man mit anderen zu diesen Themen ins Gespräch kommen möchte, ist das natürlich nicht wirklich förderlich. Diskutieren lässt sich anhand dessen wohl kaum, zumindest habe ich das Gefühl. Wie gesagt: Wirklich ausnehmen kann ich mich bei diesem Problem nicht. Und das ist wohl auch nachvollziehbar, immerhin müssen wir im Alltag sicherlich alle in manchen Situationen schnell eine Entscheidung fällen. Da dann alle wichtigen Faktoren einzubeziehen, kann sicherlich schwer fallen.

Ich möchte hier niemanden verurteilen, der sich manchmal zu schnell auf einen Standpunkt festlegt, denn mir geht es manchmal ja genauso. Vor ein paar Jahren hätte ich so eine Meinung dann aber vielleicht viel vehementer vertreten, als ich das sollte. Heute habe ich das Gefühl, dass ich mich da eher und konsequenter zurückhalten kann – dann, wenn Sturheit nicht angedacht ist.

Kennt ihr auch Leute, die eigentlich kluge Köpfe sind, sich aber manchmal so sehr in ein Thema herein steigern, dass es im Endeffekt zu nichts mehr führt? Mir fällt da schon auf die Schnelle jemand ein. Sturheit mag mehrere Gründe haben. Nur manchmal kommt sie mir wirklich fehl am Platz vor, egal aus weswegen sie wohl aufgekommen sein mag. Sturheit ist das eine, Dickköpfigkeit das andere – und immer still zu bleiben ist wohl auch nicht die Lösung. Das bleibt meiner Meinung nach ein schmaler Grad. Und abzuschätzen, was in welchem Kontext angebracht ist, fällt mir zumindest nicht immer leicht.

Zurückhaltung kann Wunder wirken – denn wer andere ausreden lässt, versteht sie womöglich auch besser. Aber um zurückhaltend agieren zu können, braucht es auch eine gewisse Vorsicht. Vielleicht trifft es Voraussicht auch ein bisschen besser. Aber immer daran zu denken, möchte ich auch nicht von jedem erwarten. Ich habe in der Vergangenheit jedenfalls viel mehr erfahren und gelernt, als ich nicht mit einer Meinung dickköpfig durch die Wand wollte, sondern zugehört habe. Mir ist das sehr wichtig, übrigens insbesondere auch aus einer journalistischen Perspektive.

Klar, eigene Meinungen hat bestimmt jede und jeder. Aber mir wäre es mittlerweile sehr unangenehm, wenn ich meine anderen aufdrücken würde. Auf Augenhöhe zu sprechen und miteinander statt gegeneinander zu reden – das klingt banal. Aber von vielen wird das heute zumindest gefühlt vergessen. Wichtig ist mir auch, die eigene Meinung zu hinterfragen. Wie viele Meinungsbeiträge habe ich deswegen schon aufgeschoben, verändert oder verworfen? Ja, die eigene Meinung zu hinterfragen kann schwierig sein, anstrengend und Überwindung braucht man wohl auch. Aber weniger wichtig ist das deswegen nicht. Im Gegenteil.

Positiver Stress?

Vorgestern habe ich einen Text zu Stress und Zeit veröffentlicht. Darin habe ich im Wesentlichen mein Verhältnis zu den Belastungen des Alltags beschrieben, die mir manchmal unausweichlich vorkommen. Im Fediverse habe ich dazu eine sehr interessante Antwort bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. In diesem Beitrag möchte ich auf die Gedanken von Heiko eingehen. Bitte lest den oben verlinkten Ursprungsbeitrag, ansonsten könnten die Inhalte dieses Beitrags etwas verwirren.

Für viele Menschen dürfte es schon einen großen Unterschied darstellen, ob man Dinge erledigen „muss“ oder will, die einem Spaß machen – oder einfach nur lästige „Pflichtübungen“ und/oder gar langweilige Routine sind.

Heiko via Friendica

Diesem Punkt möchte ich zustimmen. Auch in meinem Text habe ich mich sehr vage gehalten, zur ganzen Diskussion rund um den „positiven“ oder „negativen“ Stress. Insgesamt denke ich auch, dass sich eine derart genaue Definition nicht für diese Streitfrage eignet: Selbst wenn der Stress vermeintlich positiv anfängt, weil man etwas unbedingt erreichen möchte, ist nicht gesagt, dass das dauerhaft so bleibt. Positiver Stress ist nicht direkt ein dauerhaft positiver Stress, finde ich. Wenn das eigene Ziel am Anfang noch motivieren mag, am Ende aber eher zu einer Bürde wird, kann ich nur schwer von „positivem“ Stress ausgehen.

Ein anderer interessanter Aspekt ist meiner Meinung nach auch, dass man sich für die eigenen Ziele oft viel eher Zeit nehmen muss. Stress könnte also auch als das angesehen werden, was Menschen davon abhält, ihren eigenen Zielen und vielleicht auch wünschen nachzukommen. Wenn das eigene Ziel irgendwann unerreichbar scheint, steht für mich eher zur Diskussion, ob man dieses Ziel überhaupt haben sollte. Man scheint sich das ja anfangs anders vorgestellt zu haben.

Das Gefühl, Stress zu haben, ist wohl schon gerechtfertigt. Wenn man es zulässt, dass man von außen (zu)viel aufgeladen bekommt oder sich selbst zuviel zumutet. Oder wenn man meint, gestellten Ansprüchen fachlich oder zeitlich nicht entsprechen zu können. Man sollte sich fragen: „Muss man das überhaupt?“

Heiko via Friendica

Ich habe oft ein Problem, einfach einmal „nein“ zu sagen. Wenn man eine Frage bejaht, und dann versucht, irgendwie an eine Lösung heranzukommen, kann einem das manchmal ein bisschen einfacher vorkommen, als eine Person direkt sitzen zu lassen, oder? Dann aber zu merken, in welche Situation man sich da eigentlich hineingeredet hat – das fällt mir zumindest oft viel zu spät auf.

Zu den Ansprüchen: Das ist wohl ein wichtiger Faktor, der jede Aufgabe zu einer unangenehmen Stresssituation machen kann. Zu wissen, dass man am eigenen Verhalten, dem eigenen Schaffen oder sonst was gemessen wird, macht dieses „sonst was“ oft nicht wirklich besser. Zu oft höre ich, dass Konkurrenz die Qualität steigern könnte. Ich kann das einfach nicht so schnell akzeptieren: Klar, wenn sich einzelne anstrengen, können sie vielleicht mehr erreichen. Aber trotzdem kann eine Konkurrenzsituation auch immer zu Belastungen führen. Und deren Ausmaß scheint vielen, die diese Position vertreten, nicht immer direkt klar zu sein.

Wenn man sich nun aber selbst Ansprüche stellt, ist das meiner Meinung nach etwas anderes. Immerhin muss man sich nicht immer vor anderen verantworten. Und so lange man mit sich selbst im Reinen bleiben kann, kann ich es nachvollziehen, Ansprüche an sich selbst zu stellen. Schwierig wird es an einem anderen Punkt: Genau dann, wenn man nicht mehr selbst merkt, was man eigentlich von sich abverlangt.

Stell Dir mal vor, Du wärst plötzlich tot (hat mir mal ein Arzt erzählt :D). Und stell Dir vor, Du würdest da stehen und zugucken, wo Du selbst gar nicht mehr da bist. Alles, was Dir wichtig wäre, was Du meinst, erledigen zu müssen, zu erschaffen (meinetwegen auch nur Texte oder Fotos), all das würde auch ohne Dich stattfinden. Es würde sich selbst erledigen oder von anderen erledigt werden. Und wenn nicht, es würde niemanden stören, vielleicht sogar nicht mal von irgendwem bemerkt werden – denn Dich hätte es vll. interessiert, doch bist Du ja gar nicht (mehr) da.

Heiko via Friendica

Das muss man erst einmal sacken lassen, finde ich. Vielleicht kann das helfen, sich seiner eigenen Rolle bewusst zu werden. Ich weiß nicht, ob ich auf dieses Gedankenspiel auf die schnelle Antworten kann. Vermutlich muss ich einfach noch ein bisschen länger darüber nachdenken. Ich möchte hier nichts schreiben, was ich einen Tag später bereue. Ich weiß nicht, wie ich mir mein Leben ohne mich vorstellen würde – denn genau das ist ja das Paradoxon, dass hier ein wenig mitschwingt.

Genauso ist es mit allem anderen: Muss unbedingt diese eine Aufgabe XY zusätzlich erledigt werden – jetzt und sofort? Muss man jede E-Mail gleich beantworten? Muss man auch abends noch ans Telefon gehen, noch ganz schnell eine Message schreiben? Muss man unbedingt den Bus nachhause um 16:00 Uhr kriegen, wo der nächste doch schon in 20 Minuten fährt und man solange auch einfach in den blauen Himmel gucken könnte?

Heiko via Friendica

Sich selbst nicht zu hetzen – das ist glaube ich nie eine schlechte Idee. Manchmal blende ich aber vor dem Hintergrund irgendeiner noch so nichtigen Sache aus, das es darauf eigentlich gar nicht ankommt. So, dass ich gar nicht mehr merke, was ich da eigentlich hinterherlaufe. Aber mal ehrlich: Wer weiß so etwas denn immer schon vorher? Fehler zu machen, Sinnlosigkeiten, Belanglosigkeiten und alles was dazu gehört, ist das nicht auch ein bisschen menschlich? Sich aber selbst daran zu erinnern, was man hier eigentlich versucht: Das kann sicherlich nicht schaden. Ich bezweifle bloß, dass ich das in Zukunft immer rechtzeitig tun werde. Aber nicht mit Absicht. 🙂

Überhaupt nichts wäre anders, er[f]üllte man sämtliche Ansprüche sofort und möglichst vollständig und fehlerfrei. Die Dinge würden von anderen erledigt. Es würde niemand bemerken, wärest Du nicht da. Wenn man ehrlich ist: Es gibt keinen Grund für Stress, nicht für den durch andere oder auch einfach „nur“ selbstgemachten.

Heiko via Friendica

Allen Ansprüchen gerecht zu werden, ist vermutlich auch gar nicht so wirklich möglich. Und das ist ja auch nicht schlimm. Hier möchte ich es noch einmal klar sagen: Immer nach dem „Besten“ zu streben, lässt oft vergessen, ob man das denn auch wirklich möchte.

Ob es aber nie einen Grund gibt, wage ich nicht zu beurteilen. Mir jedenfalls kommt es so vor, als ob wir uns nur zu gern einen Grund einreden und dann vielmehr danach leben. Wie genau man das beurteilen sollte, das bleibt eine Aufgabe für jede und jeden einzelnen. Zumindest sehe ich das so.

So gesehen ist für mich auch angenehmer Stress eben nur das, was er ist: Stress. Ich kann 100mal Dinge gern tun, in gewissen Grenzen ist das sicher auch reizvoll. Spätestens aber wenn man sich zuviel auflädt, wenn man nicht so richtig zur Ruhe kommt (und das dann ob des eigentlichen gerne Tuns nicht mal bemerkt) stellt man vielleicht fest, dass es keinen „positiven“ Stress geben kann.

[…]

Wir nehmen uns alle zu wichtig. Und die Dinge, die uns von anderen gerne aufgebürdet, nochmal mehr.

Heiko via Friendica

Genau! Genau das meinte ich in einem der vorangegangenen Absätze. Und genau hier zeigt sich doch auch, wie vielschichtig das Thema eigentlich ist. Wenn manche ihren Stress von einer Seite angehen, und andere genau umgekehrt, versuche doch beide, irgendwie damit klar zu kommen. Wo die beiden Personen am Ende bleiben, habe sie ja irgendwie auch selbst zu verantworten. Irgendwie aber auch nicht, da es beinahe einen gesellschaftlichen Druck zu geben scheint, der sie dazu antreibt, mit „ihrem Leben klar zu kommen“.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass das unsere Diskussionsfrage hier auch etwas mit einer Art Selbsterfüllung zu tun hat. Natürlich kann ich entspannt an eine Aufgabe herangehen – und ich denke auch, dass das oft wohl viel gesünder wäre. Doch manchmal fühle ich auch diese gewisse Leere, wenn ich mich selbst nicht einmal mehr daran erinnern kann, was ich an einem Tag gemacht habe. Weil ich mich nicht daran erinnern kann, oder will, oder nicht muss. Wo genau das herkommt? Gute Frage. Nächste Frage.

Das wir uns alle zu wichtig nehmen, steht denke ich außer Frage. Viel interessanter finde ich daher die Ursachen dafür – und vielleicht auch die Möglichkeiten aus diesem Verhaltensmuster auszubrechen. Vielleicht liegt es daran, dass wir alle immer mit anderen konkurrieren. Egal wo, irgendwo gibt es immer einen „Markt“, einen Pavianhügel oder andere Hierarchien. Diese umzuwerfen ist leichter gesagt, behauptet und geschrien – als getan.

Ich persönlich halte die Idee des positiven Stresses ja eher für eine Erfindung der FDP, um Leisstungssteigerung zu generieren – aber… das ist eine andere Geschichte. 😀

Heiko via Friendica

Dieser Gedanke liegt nahe, ja. Womöglich sollte man hier aber zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Fragen unterscheiden. Aber natürlich ändert selbst diese Unterscheidung nichts an der Frage, inwiefern neoliberales Denken den Alltag vereinnahmt. Ja, das ist ein anderes Thema. Vielleicht sollte ich darüber auch noch einen dedizierten Text schreiben. Bis dahin verweise ich auf diesen Artikel aus meinem politischen Blog „other society“.

So… isch habe fertisch! 😀

Heiko via Friendica

Dann möchte ich dir für deine Anregungen danken. Das gilt übrigens auch für alle anderen Kommentare und Ideen zu meinen Texten und Blogeinträgen. 🙂

Weitere interessante Anregungen von Heiko zum Thema findet ihr übrigens im Fediverse. Das sind natürlich ganz subjektive Eindrücke, diese sind aber ziemlich lesenswert.