Kategorie: Netzkultur

Internet und WWW

  • Gedanken zum Web: Vertrauen und Selbst-Hosten

    Wer sich nicht nur passiv, das heißt konsumierend am Internet, konkret dem Web beteiligen möchte, der scheint heute kaum drumherumzukommen, Menschen zu vertrauen.

    Einen eigenen Server aufzusetzen ist natürlich nicht sonderlich schwierig, sich langfristig um die Sicherheit zu kümmern scheint aber zeitintensiv werden zu können.

    Wenn ich mir überlege, einen eigenen Webserver aufzusetzen, sprich einen alten Laptop zweckzuentfremden, machen sich in meinem Kopf vor allem Gedanken der Unwissenheit breit: Bin ich überhaupt bewandert genug, dauerhaft für einen Server sorgen zu können?

    Kann ich modernen Sicherheitsstandards gerecht werden oder zumindest potentielle Seitenbesucher nicht in digitale Gefahr bringen?

    Fragen über Fragen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie allesamt richtig beantworten könnte. Sicherlich wäre es ein sehr lehrreiches Unterfangen, doch mal einen Server zu pflegen anstatt immer auf fremden Diensten rumzulungern.

    Mit dem System an sich hätte ich auch kein Problem, immerhin benutze ich Debian, was ein wunderbares Serversystem abgeben kann, auch täglich auf dem Desktop.

    Im Gegenteil: Mit Debian bin ich an sich schon vertraut, und das eben nicht nur mit der grafischen Oberfläche. 😀 Nur die darüber liegenden Softwareebenen verunsichern mich, gerade was die verschiedenen Webserver angeht.

    Vielleicht kennt jemand hier eine gute Webseite, auf der ein paar nützliche Informationen aufgezählt sind. Gerade, da ich gerne statische Websites schreibe, möchte ich mich noch nicht vollständig von dem Thema verabschieden.

    Bei Ideen freue ich mich über elektronische Post.

  • Eine Auszeit: Warum ich in nächster Zeit weniger Microbloggen möchte

    Gerade seitdem Musk Twitter in’s Chaos gestürzt hat, entdecken viele das Fediverse für sich; ich möchte die Geschichte hier nicht nocheinmal aufrollen, das habe ich schon oft genug auf meinen verschiedenen Kanälen im Fediverse.

    Doch während das Fediverse immer populärer wird und Twitter im Abgrund aus blauen Haken und Kündigungen versinkt, frage ich mich, ob wir nicht alle einmal eine Auszeit von allen Microblogging-Diensten nehmen sollten.

    Persönliche Sichtweisen…

    Ich für meinen Teil konnte noch nie wirklich gut Microbloggen, wenn ich nicht direkt lange Texte schreibe, blogge ich lieber im Stile eines zusammengewürfelten Tumblelogs als mich selbst auf künstliche Zeichenbegrenzungen herabzulassen.

    Ohne hier eine neue Diskussion über soziale Netzwerke vom Zaun brechen zu wollen: So richtig bin ich noch nie hinter das Konzept der verschiedenen Kurznachrichtendienste gestiegen.

    Für mich bedeutet ein Microblog Stress. Das mag subjektiv und unbegründet, an den Haaren herbeigezogen sein und doch: Ein Microblog ist von Natur aus schnell, dass ist sein Konzept. Ein Mastodon- oder Twitter-Feed dient vielen für winzige Statusupdates, kurze Nachrichten eben.

    Doch, wie das bei Menschen nuneinmal ist, sind nicht immer alle einer Meinung, die Diskussionen, die wir heute führen, werden nicht selten im digitalen Raum ausgetragen, in dem Kurznachrichtendienste eine nicht zu vernachlässigende Rolle einnehmen.

    …und Schlussfolgerungen

    Während auf Twitter also Anomie herrscht, frage ich mich, ob wir uns nicht doch einmal auf die ursprüngliche Form des langen, ungekürzten Bloggings rückbesinnen sollten:

    Ein Blog basiert darauf, so lang zu schreiben, bis man selbst glaubt, ausgeredet zu haben. Und nur, wenn Argumente ausformuliert werden, lassen sich auch tatsächliche Debatten führen. Der Rest wird zu einem Shitstorm.

    Sicherlich ist die Mastodon-Gemeinschaft zum überwältigenden Großteil sehr freundlich, zumindest nach meinen Erfahrungen. Trotzdem brauche ich von Zeit zu Zeit eine Pause von der schnellen Welt der Kurznachrichten und Microblogs.

    In Zukunft möchte ich mich also mehr auf das ursprüngliche und liebgewonnene Medium des langen Textes konzentrieren, Ideen niederschreiben. Das können Microblogs für mich, egal ob 240 oder 500 Zeichen nicht bieten.

  • Pinguinzubehör is not dead!

    Einer meiner liebsten GNU/Linux-Blogs hat seit langer Abstizenz mal wieder einen Artikel spendiert bekommen: Ich schreibe natürlich von Pinguinzubehör bei Knetfeder. Der Blog besteht schon sehr lange, mindestens seit 2005; die ersten Artikel liegen wesentlich länger zurück, als meine ersten Gehversuche mit GNU/Linux.

    So ist er immer wieder eine sehr interessante Quelle, was die Vergangenheit des Linux-Desktops angeht: Der Wechsel von GNOME 2 zu 3, die Merkwürdigkeiten der ersten Versionen von KDE 4 und vieles, vieles mehr (darunter übrigens auch Tests von alten Xfce-Versionen und LXDE in einem früheren Entwicklungsstadium). Pinguinzubehör ist sehr angenehm verfasst worden, auch die aktuelleren Artikel lesen sich wunderbar und sind immer wieder wirklich interessant. Daher war ich, nachdem ich die Seite immer wieder nach neuen Inhalten überprüft habe, sehr froh zu sehen, dass es nach knapp einem Jahr endlich wieder einen Artikel zu lesen gab.

  • Wie sich Distrowatch.com lächerlich macht

    Immer auf der Suche nach interessanten GNU/Linux-Distros scrolle ich regelmäßig durch Distrowatch.com – ob diese Seite sonderlich aussagefähig ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Aber eine Sache gibt es auf der Seite, mit der sie sich selbst noch viel lächerlicher macht, als mit fragwürdigen Einschätzungen der Verbreitung von diversen Distros: Kommerz.

    Hat man (noch) keinen Adblocker im Browser der Wahl aktiviert, ist die Seite nur so gespickt von seltsamen Werbeflächen, die sonst so gar nicht zu deren Inhalt passt. Doch neben diesen Werbeflächen gibt es jetzt scheinbar eine andere nervenaufreibenden Sinnlosigkeit: Pop-up-Fenster, die Firefox nicht mal im Datenschutz-Modus “streng” blockiert.

    Eine davon war heute besonders dreist zu mir. Das Pop-up gab vor, von “Avira”, einer Firma, die Antivirensoftware vertickt, zu stammen. Angeblich habe man via “Web-App” einen gewissen “Zeus21-Trojaner” gefunden – wohlgemerkt auf einem Debian-Testing-System, dass noch nicht einen Tag alt und dessen ISO-Datei (konkret war das die Debian 11-Xfce-Live-ISO) sha___sum-geprüft war. Inzwischen habe ich ublock-origin installiert und schwupps: die Popup-Fenster waren weg.

    Nach kurzer Recherche war ich dann doch erheitert: Laut der Antivieren-Firma Kaspersky war der sog. Zeus-Trojaner eine Malware die Windows- (!), Symbian-, BlackBerry- und Android-Betriebssysteme angreifen kann/konnte (immerhin ist das ganze schon fast eine Dekade her..): Nichts also mit Debian- oder GNU/Linux-Desktop-Systemen im Allgemeinen. Außerdem hat sich folgendes herausgestellt: Wie heise.de im Jahr 2013 (!) berichtete, hat sich Avira 2013 von allen Linux-Produkten, die je angeboten wurden getrennt und entsprechende Installationen nur bis 2016 unterstützt. Lächerlicher geht es nicht mehr.

    Aber eine Sache habe ich während meinen Ausführungen doch vorenthalten: Nachdem ich den Tab vor der Installation von ublock-origin mit den strengen Datenschutzeinstellungen von Firefox neu geladen hatte, waren die Popups noch nicht weg – statt Avira begrüßte micht im exakt (!) selben Stil ein typisches Sexbot-Popup, wie man sie sonst (nur) von den Schmuddelecken des WWW kennt. Lächerlichkeit hat einen Namen: Distrowatch.com.

  • Elon Musk hat den Vogel komplett abgeschossen

    Nachdem Elon Musk Twitter ein Angebot gemacht zu haben scheint, was sie nicht ausschlagen können (wollen?), ist Twitter verloren. Was soll schon schiefgehen, wenn der reichste Mensch des Planeten einen Webdienst besitzt, der die politische Debatte im Netz maßgeblich geprägt hat? {Ironie: off;} Twitter ist eigentlich vollkommen ungeeignet für jedes Maß an Diskussion. Gerade die Debatten und Argumente einer komplexen wie komplizierten Gesellschaft lassen sich nicht in 240 Zeichen abbilden.

    Twitter ist vollkommen toxisch; bei einem Eigentümer, der unterm Strich ein unglaublich arroganter, nervenaufreibender, rechter Troll ist, wird sich das nicht ändern. Bisher war Twitter ein Spielball der Börse, jetzt ist der Dienst der persönliche Spielball von Musk.

    Musk hat in den letzten Tagen allerdings auch für eine positive Entwicklung gesorgt: Twitter schrumpft zu Gunsten von Mastodon – dem arroganten Verhalten Musks sei dank. Ich kann nur hoffen, das die Suchbewegung, die momentan über das geliebte Fediverse rollt, zu einer Bewegung von Findenden wird: Natürlich ist das Fediverse nicht die bedingungslose Antwort auf alle netzpolitischen Fragen zum Thema Social Media. Während andere soziale Netwerke eher asoziale Netzwerke genannt werden sollten, ist Mastodon im Moment das freundliche Gesicht des Fediverse. Diese Position möchte ich Mastodon ausdrücklich gönnen.

    Natürlich wechseln viele Leute momentan wegen Musk von Twitter zu Mastodon – wie lange das anhält, bleibt zunächst einmal abzuwarten (Daumen drücken!); zum anderen wechseln viele eben (noch) nicht wegen der Aspekte freier Software, das wäre zwar schon jetzt nötig und gut, kann ja noch werden.