Kategorie: Netzkultur

Internet und WWW

  • Kein Blocken, kein kostenloses TweetDeck mehr: Wann versenkt Musk Twitter eigentlich endgültig?

    Manchmal frage ich mich schon: Muss ich eigentlich Angst haben, dass sich die Kaffeediffusion zu einem Twitter-Watchblog wird? Unzählige Male habe ich nun schon über den doch recht bekannten Kurznachrichtendienst geschrieben, seitdem dieser vom Milliardär Elon Musk aufgekauft wurde. Wer auf die zurückliegenden Blogartikel schaut, wird schnell feststellen können: Da läuft seit Monaten so einiges schief. Aus der Perspektive eines ehemaligen Twitter-Nutzers ist es irgendwie traurig, eine Plattform, die ich einst sehr geschätzt habe nun gewissermaßen zu Grunde gehen zu sehen. Zumindest fühlt es sich für mich so an, wenn ich mir die vielen eigentlich unerklärlichen Entscheidungen des Konzernchefs Musk vor Augen halte.

    Seien es die Verstümmelung des Verifizierungssystems und die fragliche Einführung von „Twitter Blue“, die vermutlichen Anwandlungen Musks mit rechten Kräften oder die Umbenennung der Plattform zu „X“ – all das kann ich einfach nicht nachvollziehen. Nachdem viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben und sich so man ein Nutzer ein neues digitales zu gesucht hat, sehe ich in den Schlagzeilen die Twitter macht eigentlich nur noch schlechte Nachrichten. Zumindest kann ich die einfach nicht positiv auslegen – wie gesagt, aus der Sicht eines ehemaligen Twitter-Nutzers. Natürlich freue ich mich als Verfechter des Fediverse und dezentraler sozialer Netzwerke als Konzept über den Aufschwung, den Mastodon und Konsorten durch den gefühlten Fall Twitters erhalten. Aber für Twitter als Internet-Ikone finde ich ein solches Ende doch ein bisschen schade.

    Ich schreibe schon wieder um den heißen Brei. Weiter geht es mit meinem Tagebuch der Merkwürdigenkeiten über den Dienst, der zumindest früher einen Vogel hatte: Heute habe ich mitbekommen, das Musk schon wieder zwei Entscheidungen getroffen hat, über die ich eigentlich nur den Kopf schütteln möchte.

    Zum einen hat Elon Musk angekündigt, dass das bekannte System des Blockierens in Zukunft auf Twitter abgeschafft werden soll. Tja, dann bleibt wohl nichts mehr als Wegschauen, wenn man etwas nicht sehen möchte – zumindest für den Moment. CEO Linda Yaccarino habe den Vorstoß Musks laut dem Guardian damit verteidigt, dass man gerade an einer besseren Lösung anstelle des klassischen Blockierens und Stummschaltens arbeite. Allerdings wage ich mal zu fragen: Warum wird nicht angekündigt, wie das Blockieren ersetzt werden soll – sondern ersteinmal, dass es weg muss?

    Egal, wie Twitter in Zukunft weiterentwickelt wird: Mit einer solchen Aussage macht sich die Plattform meiner Meinung nach ziemlich lächerlich. Musk bezeichnet sich selbst als „Absolutisten der freien Rede“ (übersetzt aus „free speech absolutist“) – und in diesem Absolutismus ist es dem einfachen Fußvolk der Nutzer auf Twitter wohl auch nicht mehr gestattet, selbst über ihren Feed zu entscheiden. Oder besser gesagt über das, was in diesem eben nicht vorkommen soll.

    Eine weitere eher schlechte Nachricht zu Twitter habe ich heute auf Caschys Blog gelesen. Hierbei ging es darum, dass Twitter die ehemals kostenlos nutzbare Oberfläche „TweetDeck“, mittlerweile „XPro“ in Zukunft nur noch gegen Geld anbieten möchte. Auch wenn diese Änderung für mich als Außenstehender wesentlich weniger dramatisch – wenn auch nervig – erscheint, als die zum Blockieren, folgt sie doch einem traurigen Trend: Ich habe das Gefühl, dass Twitter in Zukunft nur noch für zahlende Abonnenten eines Blue-Abos interessant sein könnte. Dann hat es sich für manche vielleicht endgültig ausgezwitschert.

    Wie soll ich das eigentlich zusammenfassen? Irgendwie ist es doch traurig, was eine Einzelperson mit zu viel Geld entscheiden kann, oder? Sollten wir jetzt Twitter bedauern? Wir können dazu ja mal auf Mastodon diskutieren. Und was X angeht, bleibt wohl nur noch, sich eine große Tüte Popcorn zu machen und zuzuschauen – oder aber abzuwarten und Tee zu trinken.

  • TikTok: Anstrengende Kurzvideos sind nichts für mich

    Heute habe ich auf Übermedien einen Meinungsbeitrag des Journalisten Armin Wolf zur Social-Media-Plattform TikTok gelesen, in dem er seine „Sucht“ zu diesem Dienst dargelegt hat. Er selbst sei nicht besonders empfänglich für andere Süchte oder Substanzen. Aber wenn er die TikTok-App auf dem Smartphone öffne, könne er sich oft nur schwer davon lösen, weil es auf dieser Plattform einfach kein Ende zu geben scheint. Ich habe auf diesem Blog schon oft über die Content-Algorithmen geschrieben, die auf den großen Social-Media-Plattformen versuchen, die Nutzer so lange wie möglich in einer App oder auf einer Webseite zu halten. Das Ziel ist natürlich, dass der Nutzer möglichst viele Interessen zeigt und somit möglichst viel Zeit und „Angriffsfläche“ für personalisierte Werbung bietet. So setzen die großen Social-Media-Unternehmen eben Geld um, das ist ja mittlerweile bekannt.

    Aber durch den Text, den Wolf für Übermedien verfasst hat, habe ich auch wieder über einen anderen Aspekt nachgedacht, der besonders bei TikTok präsent ist: Im Internet muss es heute zumindest gefühlt immer schneller gehen, ja man könnte hier fast von einer bewussten Reizüberflutung sprechen. Auf TikTok verbreiten viele kurze Videoclips, eigene Aufnahmen im Hochformat, die meistens nur ein paar Sekunden dauern. Ich selbst nutze die Plattform schon wegen datenschutzrechtlicher Bedenken nicht, und habe auch nicht vor, daran in Zukunft etwas zu ändern. Denn selbst das Konzept hinter TikTok finde ich trotz des immensen Erfolgs der Plattform eher bedenklich.

    TikTok lebt von Aufmerksamkeit und gewinnt damit viele Nutzer. Selbst auf andere Plattformen ist der dort so populär gewordene Stil der schnellen Hochkantvideos mittlerweile übergeschwappt: Auf YouTube und Instagram gibt es mittlerweile ähnliche Formate, selbst Tumblr und ein Stück weit auch Reddit (Livesendungen) hat es erwischt. Hochkant ist ein überdeutlicher Trend und unzählige Videoersteller kämpfen förmlich um jedes Bisschen Aufmerksamkeit, das sie bekommen können. Doch mir mag dieses Format einfach keinen Spaß machen, immer wenn ich zum Beispiel auf YouTube TikTok-artige Inhalte gesehen habe, habe ich mich danach ziemlich leer gefühlt. Um meine Zeit beraubt. Und ich habe mich gefragt, was ich eigentlich davon habe, solche Videos anzuschauen.

    Klar, manchmal könnte sich in den kleinen Clips ein Lacher oder ein wissenswerter Fakt verstecken – aber es ist für mich einfach ziemlich anstrengend, mit diesen Videos klarzukommen. Übrigens ist TikTok nicht die erste Plattform, die auf so eine Präsentation der eigenen Inhalte setzt. Erinnert sich hier noch jemand an Vine, die Plattform die heute eigentlich nur noch Internetgeschichte ist? Noch heute finden sich lustige Zusammenstellungen der dort hochgeladenen Witzvideos auf anderen Plattformen. Aber diese sind meiner Meinung nach einfach irgendwie anders, als das was von TikTok aus das Web erobert.

    Ich finde es anstrengend, wie in diesen TikTok-Videos stets und ständig um Aufmerksamkeit gebuhlt wird, sei es durch zusätzliche Videospielaufnahmen im Clip, schnelle Schnitte oder aggressive Präsentation: So etwas geht mir wirklich auf die Nerven und macht viele TikTok-ähnliche Inhalte für mich extrem unattraktiv. Ich bin froh, dass ich mich nie bei TikTok angemeldet habe und dieser Plattform auch in Zukunft aus dem Weg gehen kann. Dann bleibe ich doch lieber bei meinen geliebten langen Blogartikeln, Podcasts oder auch Videos, die tatsächlich für sich sprechen können. Tja, und wenn ich mich mit einem guten Buch, gerne auch digital, zurück lehnen kann, ist das natürlich besonders schön.

  • Twitter und die Trump-Daten

    Wie heise online berichtet, haben die Betreiber des Kurznachrichtendiensts X, vormals Twitter, umfassende Daten des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, einschließlich gelöschter Direktnachrichten, Tweet-Entwürfen und IP-Adressen an einen „US-Sonderermittler“ herausgegeben. Dass Trump von vielen Seiten in der Kritik steht, geht ja immer wieder durch die Nachrichten, hier ging es wohl vor allem um seine mögliche Beteiligung am Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang 2021. Schon als Trump noch US-Präsident war, habe ich meine Meinung zu ihm in einem kritischen Blogartikel auf „other society“ festgehalten. Hier möchte ich mich deswegen eher auf die Rolle konzentrieren, die Twitter hier spielt.

    Denn auch wenn die Schlagzeile „Twitter gibt Trump-Daten heraus“ erst einmal so klingt, als würde der Musk-Konzern voll und ganz hinter den Ermittlungen gegen Trump stehen, kann man das nach dem heise-Artikel doch in Frage stellen: Denn anscheinend wollte Twitter die Daten nicht auf Anhieb (wiederherstellen und) herausgeben und habe wohl auch vorgeschlagen, Trump selbst darüber zu informieren. Bei heise ist zu lesen, dass das von Seiten der Ermittler als schädlich für ihre Untersuchungen erachtet wurde.

    Ich möchte hier nicht nur den heise-Text wiedergeben, den könnt ihr ja selbst nachlesen. Mir geht es auch darum, wie sich das Verhalten Twitters in dieser Angelegenheit einordnen lässt. Auch der gute Fefe hat auf seinem Blog schon dazu kommentiert – und sich gefragt, warum nach der Herausgabe derartiger Daten nicht direkt viele Twitter den Rücken kehren. Erst hat mich diese Meinung ein wenig stutzig gemacht, aber im Grunde hat er wohl recht: Wer sich auf Twitter an einem vertrauenswürdigen Diskussionsort und bei den Direktnachrichten in einem privaten Raum wähnt, sollte hier dringend noch einmal über die eigene Nutzung nachdenken. Denn Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind diese Nachrichten anscheinend ja auch nicht.

    Twitter ist ein öffentlicher Raum und sollte wohl auch als solcher verstanden werden. Dass die US-Ermittler nun gegen Trump Anfragen an den Dienst stellen, überrascht eigentlich auch wenig. Ich bezweifle aber, dass der vielleicht nötige Großteil der Twitter-Nutzerinnen und -nutzer die AGB oder auch die Datenschutzerklärung des Dienstes gelesen hat. Ich bezweifle, dass die meisten wissen, inwiefern etwa die Direktnachrichten auf Twitter privat sind. Und Twitter ist hier ja sicherlich keine Ausnahme – das Kleingedruckte setzt man ja nicht ohne Grund oft mit „überlesen“ gleich.

    Eigentlich stellt sich hier ja die Frage, ob Twitter in seinem digitalen Raum ein Hausrecht ausüben darf. Zumindest wäre das meine Nutzerperspektive. Und auch wenn ich erwarte, dass man mich offen darüber aufklärt, wo meine Privatsphäre aufhört, kann ich hier einfach nicht auf derartig große Social-Media-Konzerne hoffen. Verdienen diese Angebote nicht eigentlich ihr Geld mit dem brechen gewisser privater Räume und dem Sammeln persönlicher Daten. Nunja, dieses Geschäftsmodell ist natürlich noch etwas anderes als die Herausgabe ähnlicher Informationen an Ermittler – aber wer keine Daten sammelt kommt eben auch nicht in die ethische Klemme, ob man diese nun herausgeben sollte.

    Ich bin wirklich kein Trump-Fan, im Gegenteil. Ich finde den Anschein, dass Musk offenbar mit seinem Verhalten aktiv auf den ehemaligen US-Präsidenten zugehen wollte, gruselig. Hier zeigt sich eben auch, wie sehr Musk Twitter eigentlich (inhaltlich) kontrollieren, ja lenken kann. Doch auch aus der Sicht eines (ehemaligen) Twitter-Nutzers zeigt sich für mich einmal mehr: Auf Plattformen wie Twitter ist man eigentlich auf Gedeih und Verderb den Plattformen selbst ausgeliefert. Da ist das eigentliche Nutzerangebot das eine. Das andere ist ein möglicher Verlust von Kontrolle über die eigenen Daten, über das was man gern vergessen möchte, über ein Stückchen Privatsphäre.

  • Mein E-Mail-Alltag

    Was gehört im Zeitalter der Digitalisierung für so viele Menschen eigentlich mehr zum Alltag als E-Mails? Eine E-Mail-Adresse ist oft eine ganz grundlegende Voraussetzung, wenn man Web-Dienste benutzen und somit im Internet aktiv werden möchte. Für mich persönlich ist das Konzept hinter den Mails schon interessant, immerhin funktioniert die digitale Post über offene Protokolle und als dezentrales System – und trotzdem ist es für viele ganz selbstverständlich.

    Das Internet wird heute maßgeblich von großen Firmen geprägt. Und diese haben historisch vor allem ihre geschlossenen Systeme aufgebaut und eben auch geschlossen gehalten. Ob Google unter den Suchmaschinen oder Meta im Raum der sozialen Netzwerke, ob Paypal beim Bezahlen oder YouTube unter den Videoplattformen: In vielen Netzbereichen haben sich einzelne Anbieter durch- oder zumindest weit vor der Konkurrenz abgesetzt. Als das Fediverse als dezentrales Netzwerk an Auftrieb gewinnen konnte, war der föderierte Aufbau für viele ein Problem – aber beim Thema E-Mail ist er noch selbstverständlich. Das finde ich wirklich ziemlich spannend, aus meinem Interesse an den Technologien des Internets heraus.

    Einmal kurz die E-Mails checken – dass ist doch digitaler Alltag, oder? Ich bilde da auch keine Ausnahme, gut schlimm ist das ja auch nicht. Natürlich haben auch die E-Mails ihre Schwächen, die Verschlüsselung zum Beispiel könnte einfacher gelöst sein. Aber insgesamt komme ich mit meinem digitalen Postfach in der Regel doch ganz gut zurecht, oder kann mich zumindest an die Stärken erinnern.

    Wie händelt ihr eigentlich euren digitalen Postverkehr? Nutzt ihr dazu die Webmail-Oberfläche eures Anbieters, oder doch ein dediziertes Softwareprogramm? Ich selbst verwende im Alltag liebend gern den Mozilla Thunderbird, der für mich in Sachen Nutzerfreundlichkeit einfach alles richtig macht – man könnte auch sagen: Ich habe mich an den Donnervogel gewöhnt, jetzt möchte ich ihn nicht mehr missen. Nachdem ich so manch einen Mail-Client am Desktop ausprobiert habe, namentlich vor allem Evolution, KMail, Claws Mail oder auch Sylpheed, bin ich immer wieder zu Thunderbird zurückgekehrt und nutze das Programm auch heute noch im Alltag.

    Vor allem die Kontoeinrichtung finde ich bei Thunderbird als „Langzeitnutzer“ besonders angenehm, immer mal wieder musste ich ihn ja doch neu einrichten, vor allem wegen Distributions-Wechseln. Auch die ergänzenden Funktionen die der Donnervogel bietet mag ich sehr, zum Beispiel die RSS-Reader-Funktionalität. Für den Desktop kann ich mir momentan wirklich kein anderes Mail-Programm so richtig gut vorstellen.

    Am Smartphone bin ich da schon ein wenig unentschlossener. Aus dem F-Droid-Store habe ich mir einst FairEmail installiert, dass ich auch jetzt noch nutze und natürlich möglichst aktuell halte. Im Gegensatz zum Desktop-Bereich habe ich mir das Anwendungsangebot auf der mobilen Android-Plattform bisher allerdings noch viel weniger intensiv angeschaut. So höre ich immer mal wieder von alternativen Anwendungen, die andere verwenden – und bin froh, dass mein FairEmail einfach läuft und funktioniert. Auch über das klassische E-Mail-Konzept bin ich noch nicht so wirklich herausgekommen, wobei Chat-Programme auf E-Mail-Basis wie etwa DeltaChat durchaus interessant klingen. (Danke für die Empfehlung, Gerhard!) Jetzt ist es aber wieder Zeit, eine Frage im Raum stehen zu lassen. Ich möchte ja Kommentare lesen: Wie verwaltet ihr eure E-Mails?

  • WhatsApp, Matrix, Signal: So nutze ich Gruppenchats

    Im Internetzeitalter gehören Chat-Systeme und damit auch Gruppenchats für viele zum Alltag. Ich bilde da keine Ausnahme, in vielerlei Hinsicht. Hier und da im Freundeskreis, aus schulischen Anlassen und insbesondere auch über GNU/Linux.ch nehme ich oft an Gruppenchats teil – Tag ein, Tag aus. Chatsysteme bieten für mich in erster Linie den Vorteil eines besonders schnellen Austauschs: Es nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, eine schnelle Nachricht in einem Chat zu verfassen und meistens dauert es auch nicht so lange, derartige Gruppenunterhaltungen zu verfolgen. Gerade in besonders großen Chaträumen kommen auch immer wieder interessante Gespräche zustande – und das in Echtzeit.

    Vor allem in den GNU/Linux.ch-Chaträumen halte ich mich sehr gerne auf, ich mag die Community dort sehr. Einerseits kann ich so zu vielen Themen interessante Anregungen erhalten, oder auch Hilfestellungen zu bestimmten Anwendungsbereichen freier Software. Andererseits ist es auch ganz grundlegend wirklich spaßig, so direkt mit der Gemeinschaft zu interagieren, in der ich mich ja ohnehin gerne bewege. Natürlich eignet sich so ein Chat nicht für alles; manchmal gehen Nachrichten zum Beispiel mit der Zeit unter. Aber in vielen Fällen hält so ein Gruppenchat für mich, was er verspricht.

    Wie gesagt: Ich habe teils ganz unterschiedliche Gelegenheiten, an digitalen Gruppenunterhaltungen teilzunehmen. Von daher verwundert es vielleicht auch wenig, dass ich im Alltag verschiedene Chatsysteme verwende. Ich nehme diesen Artikel jetzt auch einfach mal als eine Gelegenheit war, über diese Anwendungsfälle zu schreiben.

    WhatsApp im Alltag. Leider…

    WhatsApp ist mir schon lange Zeit ein Dorn im Auge. Ich mag Meta als den Konzern dahinter überhaupt nicht, ich habe wirklich große Bedenken, was den Datenschutz angeht. Aber in meinem Alltag komme ich leider nicht darum herum, auch an Gruppenchats auf WhatsApp teilzunehmen. Funktional betrachtet machen die meisten Chatsysteme aus Endnutzersicht ja ohnehin das meiste ähnlich. Aber viele scheinen sich einfach nicht dafür zu interessieren, alternative Plattformen zu erkunden, selbst wenn sie datenschutz-sicherer, denzentraler und zumindest für mich daher deutlich sympathischer sind.

    Ich würde mich in Zukunft wirklich sehr freuen, falls ich nicht mehr über WhatsApp chatten müsste. Alternative Plattformen müssen sich meiner Ansicht nach keineswegs vor WhatsApp verstecken. Dass diese also noch nicht durchgesetzt haben, liegt wohl eher an einer besonderen Form des Netzwerkseffekts: Wenn niemand aus meinem Umfeld auf einer bestimmten Chatplattform ist, nutze ich diese potentiell auch nicht selbst. Ich finde es schade, wenn dieser Umstand Alternativen Chatsystemen wie Signal, Matrix oder Threema ihren verdienten Erfolg verwehrt. Deswegen habe ich auch selbst versucht, mein Umfeld von diesen Plattformen zu überzeugen. Mein Erfolg war bisher leider eher begrenzt, nunja, vielleicht kann das noch werden.

    Meine Hoffnung: Signal und Matrix

    Wenn ich mit meinen Lobpreisungen für alternative Chatplattformen doch ein wenig auf fruchtbaren Boden gestoßen bin, hatte ich meist mit Signal Erfolg. In meinem privaten Umfeld habe ich das auch in erster Linie vorgeschlagen, denn Signal hatte eins zumindest ein bisschen mediale Aufmerksamkeit für sich. Wenn nun aber nicht alle Mitglieder einer Gruppe mitziehen, kann auch kein Gruppenchat migrieren. Deswegen chatte ich dort momentan in aller Regel mit Einzelpersonen.

    Ich hoffe dennoch weiterhin auf Signal. Denn dieser freie Netzwerkdienst kann eigentlich als direkter Ersatz für WhatsApp verwendet werden: Einzelchats funktionieren super, Gruppenchats genauso – manchmal übertrifft Signal die Funktionalität von WhatsApp sogar. Falls ihr euch diesen Dienst also noch nicht angeschaut habt, kann ich ihn euch eigentlich nur ans Herz legen. Der Einstieg ist eigentlich auch ziemlich einfach möglich.

    Im Rahmen von GNU/Linux.ch und teilweise einigen anderen Projekten insbesondere aus dem FOSS-Umfeld verwende ich auch Matrix sehr oft. Wahrscheinlich sogar viel häufiger als Signal, vielleicht sogar öfter als WhatsApp? Ich habe nicht darauf geachtet, wie viel Zeit ich in diesen Anwendungen verbringe. Oben habe ich ja bereits erwähnt, was mich an den GNU/Linux.ch-Chats so begeistert – doch auch das Matrix-Protokoll als solches überzeugt mich: Das dezentrale Konzept finde ich interessant, die neuen Funktionen, die Matrix zum klassischen Chat-Formular hinzufügt sind auch einen Blick wert. Bei Matrix ist der Einstieg vielleicht ein bisschen schwieriger als bei Signal, aber gerade die Möglichkeit an öffentlichen Räumen teilzunehmen ist für mich wirklich Gold wert.

    Natürlich sind auch Matrix und Signal „nur“ zwei Alternativen zu WhatsApp und anderen großen, kommerziellen Chat-Anbietern. Ich nutze beide sehr häufig im Alltag und möchte sie keinesfalls mehr missen. WhatsApp ist nicht Alternativlos und ich bin sehr froh, diese Alternativen auch im Alltag nutzen zu können.

  • Muss das Fediverse konkurrenzfähig sein?

    In den letzten Monaten konnte das Fediverse einen massiven Aufschwung verzeichenen, weil Nutzerinnen und Nutzer großer sozialer Netzwerke ihre ehemaligen Plattformen verlassen haben. Bestes Beispiel ist und bleibt hier Twitter, zeitweise gab es auch auf Reddit zumindest einige, die über Lemmy als föderierte Alternative nachgedacht haben. Infolge dieser Nutzerbewegungen bekam das Fediverse auch viel Aufmerksamkeit in den etablierten Medien. Das, was zuvor vor allem unter Nerds bekannt und beliebt war, rückte damit ein Stück weiter in die Öffentlichkeit.

    Welche Rolle viel beachtete Medien im Zeitgeschehen spielen, darüber lässt sich streiten. Die Aufmerksamkeit für das Fediverse wurde durch die mediale Aufmerksamkeit natürlich nicht kleiner. Aber im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit ergeben sich auch Fragen, über die man vielleicht in der eigenen Geek-Blase zuvor nicht nachgedacht hätte. Immerhin fand oftmals ein direkter Vergleich des Fediverse mit den etablierten sozialen Netzwerken statt; verstecken konnte sich das Fediverse davor einfach nicht. Mastodon ist wohl mit Abstand zum bekanntesten Dienst im Fediverse geworden, oder an dieser Position geblieben. Aber bestimmte Fragen gehen auch über die Grenzen eines einzelnen Dienstes hinaus und betreffen das gesamte föderierte Netzwerk.

    Einer dieser Diskussionspunkte ist der um die Konkurrenzfähigkeit des Fediverse: Im Gegensatz zu den etablierten Social-Media-Webseiten und -Plattformen wird das Fediverse nicht von großen Unternehmen getragen. Hinter dem Fediverse steckt kein großer Berg an Investorengeld, dass diese früher oder später wieder oder vermehrt auf ihrem Konto wissen wollen. Das Fediverse ist de-facto nicht monetarisiert: Kein Nutzertracking, keine personalisierte Werbung, oftmals nicht einmal Nutzungsentgelte für die einzelnen Instanzen. So ist der Status-quo im Fediverse.

    Gegenüber den kommerziellen Social-Media-Diensten ist das wirklich eine Besonderheit. Jetzt, da manche das Fediverse mit diesen Diensten konkurrieren sehen, stellt sich doch die Frage, welches Modell langfristig erfolgreicher sein kann. Und genau das ist wieder einmal der richtige Zeitpunkt, um einen Disclaimer dazulassen: Ich bin kein Statistik-Experte, kein Social-Media-Forscher und kein Netzwerkanalyst. Allerdings hält mich das nicht davon ab, mir meine eigenen Meinungen zu solchen Themen zu bilden – weil das Fediverse meiner Ansicht nach viel Potential bietet.

    Natürlich bleiben offene Fragen, wie sich das Fediverse in Zukunft bewähren sollte. Das möchte ich gar nicht abstreiten. Aber bevor wir uns darüber Gedanken machen, lohnt sich wohl doch ein Blick in die Vergangenheit des dezentralen sozialen Netzwerks. Und vor allem auf die Gründe, die Plattformen wie Mastodon, Friendica und Konsorten zu ihrem bisherigen Erfolg verholfen haben. Für mich stellt sich deswegen eher die Frage: Baut der Erfolg des Fediverse‘ nicht eigentlich darauf, dass es nicht den negativen Folgen kommerzieller Interessen ausgesetzt ist? Mastodon zum Beispiel wirbt ganz prominent damit, dass es nicht von heute auf morgen aufgekauft werden kann – wie das bei Twitter der Fall war.

    Social-Media-Unternehmen wollen aufgrund der Investitionsstrukturen hinter ihnen profitabel wirtschaften. Und Umsatz und Profit generieren sie eben hauptsächlich über ihr Angebot als Werbeplattform. Frei nach dem Motto: Hier könnte ihre Werbung stehen – und sogar gesehen werden. Damit sich das aber lohnt, sich kommerzielle soziale Netzwerke auch daran interessiert, ihre Nutzer möglichst lange auf ihren Seiten zu halten. Doom-Scrolling, Glücksgefühle durch Likes und Follower, ständige Vergleiche mit anderen und vielleicht auch ein gewisser sozialer Darstellungsdruck – kann sich das nicht negativ auf die eigene Psyche auswirken? Ist es das wirklich wert?

    Historisch betrachtet hatten auch die großen sozialen Netzwerke oft Probleme damit, überhaupt profitabel zu sein. Das Fediverse hat deswegen einen massiven Vorteil: Wo ein Dienst nicht profitabel sein muss, und sich zum Beispiel durch Spendengelder trotzdem weiterfinanzieren und in sich tragen kann – wo muss er dann mit den großen Playern wetteifern? Ich bin froh, dass sich das Fediverse nicht irgendwelchen Investoren verantworten muss. Ja, das ist einer der Hauptgründe, weswegen ich so große Hoffnungen in das Fediverse als Plattform setze.

    Facebook hat Millarden Nutzer, Twitter hatte einst hunderte Millionen, vielleicht ist das immer noch so. Im Vergleich dazu wirkt das Fediverse klein und beschaulich. Aber selbst die Zahl von 1,9 Millionen monatlich aktiven Nutzern, von denen die Mastodon-Entwickler gerade für ihren Dienst ausgehen, reicht aus: Langweilig wird es im Fediverse nicht, zumindest zeigen das meine Erfahrungen. Als ich neu im Fediverse war, musste ich auch erst einmal Leute finden, denen ich folgen konnte. Und Personen aus dem realen Leben im Fediverse wiederzutreffen, ist immer noch eine absolute Ausnahme. Wenn, dann ist es sogar meistens so, dass mein Umfeld erst durch mich auf das Fediverse aufmerksam wird.

    Trotzdem finde ich, dass wir hier nicht verzagen sollten: Ich folge auf Mastodon derzeit in etwa 500 Profilen – und meine persönliche Timeline ist bunt, recht stark frequentiert und interessant. Das Fediverse muss nicht krampfhaft mit anderen Diensten konkurrieren, weil es schon in sich ein unglaubliches Potential bietet. Nicht zuletzt auch die Chance, Social Media endlich selbst in die Hand nehmen zu können. Darauf können wir im Fediverse meiner Meinung nach stolz sein – und vor großen, kommerziellen Diensten brauchen wir uns auch nicht zu verstecken.

  • Mastodon: Welche Rolle spielt die Größe einer Instanz?

    Hinweis: Das ist ein Meinungsbeitrag.

    Jeder, der dem Fediverse beitreten möchte, muss sich zu Anfang eine ganz grundlegende Frage stellen: Wie komme ich da überhaupt rein? Das Fediverse ist eben dezentral – und die eine Webseite, auf der man sich anmelden und loslegen kann, gibt es nicht. Stattdessen besteht das Fediverse aus einer Vielzahl sogenannter „Instanzen“. Diese können von Organisationen wie Vereinen, aber natürlich auch Einzelpersonen betrieben werden. Je nach dem, für welchen Fediverse-Dienst man sich interessiert, ist die Auswahl da mitunter ziemlich groß. Bestes Beispiel ist und bleibt hier wohl Mastodon, was heute sicherlich die bekannteste Fediverse-Software darstellt.

    Abhängig davon, was man sich für die eigene Nutzung verspricht, bieten sich unterschiedliche Instanzen an.

    Am Beispiel Mastodon möchte ich hier darstellen, welche Rolle die Größe einer Instanz-Gemeinschaft bei der Auswahl einer Instanz spielen kann – und welche Vorteile große und kleine Server bieten. Hier sollte aber auch gesagt sein, dass es insbesondere bei Mastodon recht einfach ist, die eigene Instanz zu wechseln. Falls ihr mit diesem Gedanken spielt, könnten die folgenden Überlegungen aber auch für euch interessant sein.

    Grundlegende Unterscheidungen

    Bevor ich hier irgendwelche Vor- und Nachteile diskutieren kann, möchte ich einige wichtige Eckpunkte abstecken. Denn wie man die Größe einer Instanz beurteilt bleibt natürlich zu einem gewissen Maße recht subjektiv. Grundlegend schlage ich eine Unterteilung in kleine, mittelgroße und große Mastodon-Instanzen vor. Server, die nur für eine sehr kleine Community, zum Beispiel für den privaten Gebrauch, betrieben werden, möchte ich hier auslassen. Mir geht es um öffentliche Instanzen, die aktiv an der Föderation im dezentralen sozialen Netzwerk teilnehmen:

    • kleine Instanzen hosten dutzende bis hunderte Profile
    • mittelgroße Instanzen hosten hunderte bis einige tausend Profile
    • große Instanzen hosten zehntausende Profile oder mehr

    So viel ersteinmal zu den groben Rahmenbedingungen, die ich für diesen Artikel stecken möchte. Natürlich kann man sich über diese Einteilung streiten – und die Übergänge sind an vielen Stellen wohl auch fließend. Falls ihr die Einteilung vollkommen anders setzen würdet, freue ich mich über eure Kommentare. Allerdings muss ich mich auf einen gewissen Rahmen festsetzen, sonst würden meine Überlegungen überhaupt keinen Sinn ergeben. Ach ja, wenn ich schon dabei bin, mich aus der inhaltlichen Verantwortung zu ziehen: Das, was ich hier in diesem Beitrag schreibe, basiert natürlich ganz grundlegend auf meinen eigenen Erfahrungen.

    Ich habe meinen Mastodon-Account selbst bereits einige Male umgezogen. Die größe der Instanzen war dabei oftmals ein Faktor, den ich zumindest im Hinterkopf hatte. Natürlich ist das, was ich auf meinen bisher genutzen Instanzen gesehen und erlebt habe, nicht repräsentativ – aber einen Einblick sollten diese Erfahrungswerte doch gewähren.

    Klein aber fein?

    Kleine Instanzen stehen meiner Ansicht nach in erster Linie für die Community, die sich auf ihnen tummelt. Vielleicht lässt sich das ein bisschen mit einer stereotypen Dorfgemeinschaft vergleichen, in der sich jeder kennt – und manche womöglich auch ziemlich gut leiden können. Gerade, wenn man auf die eigene lokale Timeline schaut, halte ich es für einfacher, in einer kleineren Gemeinschaft neue Kontakte zu knüpfen und dauerhaft zu halten. Wer auf einer kleinen Instanz die lokale Timeline beachtet, kann meiner Meinung nach schnell von einem durchaus positiven Gemeinschaftsgefühl eingeholt werden. Immerhin hat man ja mit den Leuten auf diesem Server schon ganz grundlegend etwas gemein – man hat sich die selbe Fediverse-Instanz ausgesucht. Solange sich derartige Communities nicht abkapseln und gar in eine elitäre Richtung abgleiten, würde ich das durchaus als einen Vorteil betrachten.

    Auch auf technischer Ebene sehe ich einige Vorteile in kleineren Instanzen. Denn wenn sich auf einem Server weniger aktive Profile befinden, lastet auf den Moderatoren dieser Instanz potentiell auch weniger Verantwortung. Im Internet eine Nutzergemeinschaft zu moderieren kann anstrengend sein, weil man auch bei Inhalten nicht wegschauen kann, die man eigentlich nicht sehen möchte. Ich habe zwar selbst noch nicht auf einem Mastodon-Server moderiert, aber gebe seit einiger Zeit im Team mit einigen anderen Kommentare auf GNU/Linux.ch frei. Das ist bekanntlich eine eher technik-fokussierte Seite, und doch finden sich immer wieder kontroverse Meinungen und unangenehme Aussagen, manchmal auch Beleidigungen. Und all diese Kommentare wollen ebenso moderiert werden. Bei Mastodon stelle ich mir das nicht anders vor, vielleicht sogar noch einen Zacken anstrengender, weil es dort oft um den direkten Austausch mit anderen geht.

    Wenn eine Mastodon-Community nun klein ist, ergibt sich wohl zwangsläufig etwas mehr Übersichtlichkeit für die Moderation – und das halte ich für sehr sinnvoll. Ja, im Grunde ist das einer der vielen Vorteile, die das Fediverse meiner Meinung nach gegenüber den großen kommerziellen Social-Media-Diensten bietet. Dezentralität kann eben nicht nur die Server-Last verteilen, sonder vielleicht auch die Belastung für einzelne Moderatoren mindern.

    Übersichtlichkeit ist ein gutes Stichwort. Gerade aus Nutzerperspektive finde ich es wichtig, auf die lokale Timeline eines Servers zu achten. Ganz persönlich lege ich Wert darauf, dass ich mich auf einer Instanz wohlfühlen kann. Kurz: Ich möchte keine Instanz nutzen, deren Inhalte ich selbst nicht mit ansehen kann. Dieser Wohlfühl-Faktor ist aber nur ein Aspekt dieser Frage. Ein weiterer wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach, wie stark frequentiert eine lokale Timeline ist. Das ist die Übersichtlichkeit, die ich meine. Auf manchen kleinen Instanzen liegen die einzelnen Beiträge in den lokalen Timelines teils Stunden auseinander – auf größeren Servern bekommt man hier manchmal jede Minute neue Inhalte zu Gesicht.

    Ich habe die wenigen Beiträge in den lokalen Timelines allzu kleiner Instanzen oft mit Langeweile gleichgesetzt. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich eigentlich damit anfreunden: Wenn die lokale Timeline scheinbar nie zur Ruhe kommt – wo bleibt denn da die Zeit, sich mit den eigentlichen Inhalten auseinanderzusetzen? Kann es nicht auch Vorteile haben, mit etwas weniger Hektik im Alltag umgehen zu müssen? Ich finde, dass es dem eigentlichen Austausch und der Diskussionskultur als solches durchaus gut tun könnte – aber das bleibt natürlich eine subjektive Einschätzung. Beiträge in den sozialen Netzwerke verstehe ich oft als Schall und Rauch. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, auf den Schall zu hören und die Rauchzeichen zu entziffern.

    Kleine Instanzen stehen für mich für eine besonders vitale Form der Föderation im Fediverse. Denn je größer eine Instanz ist, desto mehr Verantwortung lastet auf deren Administratoren – und desto mehr Kontrolle fällt ihnen im Fediverse zu.

    Die goldene Mitte?

    Mittelgroße Server sind gerade bei Mastodon ziemlich verbreitet. Wenn eine Instanz einmal Fahrt aufgenommen und Beachtung geschenkt bekommen hat, ist es nachvollziehbar, dass sich das herumspricht. Ich habe lange zum Beispiel die Instanz social.anoxinon.de benutzt, oder den Server troet.cafe. Im Grunde sind beide Instanzen sehr interessant, in der Regel freundlich und auch gut moderiert. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich ab einer gewissen Instanzgröße nicht auch gewisse Nachteile ergeben könnten, sowohl für die Nutzerschaft als auch für die Moderation.

    Denn wo mehr Nutzer unterwegs sind, finden potentiell auch vermehrt Diskussionen in der lokalen Timeline statt – und die Verantwortung bei den Moderatoren steigt. Natürlich ist es immer möglich, eine Instanz gemeinsam mit anderen zu moderieren, und nicht alleine. Aber trotzdem bleibt das Grundprinzip hier das gleiche. Meiner Meinung nach können Mastodon-Instanzen auch ein Stück weit als ein öffentlicher digitaler Raum verstanden werden. Dass Einzelpersonen oder Vereine diese ehrenamtlich oder spendenfinanziert bereitstellen, rechne ich ihnen hoch an. Allerdings denke ich auch, dass mit der Entscheidung, eine öffentliche Instanz zu betreiben, auch eine gewisse Verantwortung einhergeht.

    Aus der Nutzerperspektive können mittelgroße Instanzen auch ihre Vorteile bergen, immerhin ist es potentiell leichter möglich, unterschiedliche Leute in der lokalen Timeline kennenzulernen, wenn die Nutzerbasis größer ist. Ich möchte hier nicht auf die thematischen Ausrichtungen verschiedener Server eingehen, sondern nur auf die statistische Wahrscheinlichkeit hinweisen. Allerdings verschwinden mit steigenden Nutzerzahlen eventuell auch die potentiellen Vorzüge, die kleine Instanzen für den Austausch in einer Gemeinschaft bergen können.

    Ich habe selbst bisher eigentlich vermehrt positive Erfahrungen auf mittelgroßen Servern gemacht, auch wenn ich eher zu kleineren Instanzen tendiere. Am Ende des Tages muss das natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Um einen Server auszuprobieren, muss man nicht gleich den eigenen Account umziehen. Aber wenn man sich mit der lokalen Timeline eines Servers vertraut gemacht hat, ist das natürlich problemlos möglich.

    Groß und stark?

    Große Mastodon-Instanzen sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Für mich überwiegen eigentlich eher die nachteile besonders großer Server wie etwa mastodon.social oder mstdn.social. Ich möchte hier gar nicht gegen die Communities oder die Moderatoren auf diesen Servern wettern. Mir geht es hier eher um prinzipielle Aspekte.

    Was die oben beschriebenen Punkte angeht, könnte man große Instanzen als das Gegenstück zu den kleinen Servern sehen, während die mittelgroßen Instanzen den Zwischenweg darstellen. Allerdings lassen sich meiner Ansicht nach bestimmte Vorfälle aus der Vergangenheit nicht einfach ausblenden, wenn wir über große Instanzen diskutieren wollen.

    Als Elon Musk beispielsweise Twitter gekauft hat, konnte man im Fediverse objektiv massive Nutzerwellen hin zum Flaggschiff-Server mastodon.social feststellen. Natürlich war es für mich als Fediverse-Enthusiasten schön mit anzusehen, dass Mastodon endlich mehr Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Aber die Folge dieser konzentrierten Anstürme auf mastodon.social waren eben auch, dass die Performance des Servers deutlich gesunken ist. Technisch haben die vielen neuen Nutzer also mehr oder minder gemeinsam dafür gesorgt, dass ihre Nutzungserfahrung mit Mastodon schlechter war, als sie es hätte sein müssen. Wenn sich die Last auf mehrere Server verteilt hätte, wäre sie wohl leichter zu händeln gewesen.

    Noch heute ist mastodon.social eine der größten Fediverse-Instanzen überhaupt. Ich möchte hier auch niemandem absprechen, einen Account auf dem Server zu unterhalten; ich habe mich ja selbst schon einmal dort ausprobiert. Allerdings finde ich es schade, dass das grundlegende Konzept der Dezentralisierung hier so unbeachtet geblieben ist – vermutlich weil viele neue Nutzer damit noch keine Erfahrungen mit Aha-Effekt gesammelt hatten.

    Performance-Probleme sind aber nicht die einzige negative Folge, die sich meiner Meinung nach inkonsequente Dezentralisierung zurückführen lässt. Vor ein paar Monaten ging von mastodon.social auch eine Spam-Welle aus. Damals war der Server wohl schon groß genug, um für digitale Trickbetrüger interessant genug zu sein. Mit Crypto-Scam-Links versehen gingen damals Spam-Nachrichten auch an Nutzer anderer Server heraus. Wenn ich mich richtig erinnere, musste die Moderation meines damaligen Servers dresden.network die Föderation mit mastodon.social temporär kappen, um die eigenen Nutzer vor den Scam-Nachrichten zu schützen. Das finde ich ziemlich traurig.

    Hier zeigt sich wieder, welche Verantwortung den Admins und Moderatoren von öffentlichen Instanzen zukommt. Ich vermute, dass sich die digitalen Trickbetrüger nicht ohne Grund mastodon.social als Startserver ausgesucht haben, denn selbst wenn andere Instanzen derentwegen die Föderation mit mastodon.social kappen, wäre dann die Angriffsfläche auf dem eigenen Server noch groß genug gewesen.

    Natürlich sind das nur zwei Beispiele und gerade im zweiten Fall auch ein gutes Stück Vermutungen, die ich hier beschreibe. Allerdings zeigen sie zumindest mir, warum ich aktiv lieber auf kleineren oder wenn, dann mittelgroßen Servern unterwegs bin.

    Fazit

    Dieser Text spiegelt ganz klar meine persönliche Meinung. Es bleibt eben eine persönliche Entscheidung, welchen Server man nutzen möchte – und diese Entscheidung baut zumindest für mich auch massiv auf ein gewisses Vertrauen. Heute habe ich meinen Account von der größten deutschsprachigen Instanz troet.cafe zum wesentlich kleineren Server dizl.de umgezogen. Meine Beweggründe waren hier im Wesentlichen die Vorteile, die kleinere Instanzen für die Dezentralität des Fediverse bedeuten können und die Übersichtlichkeit, die sich mir als Nutzer in der lokalen Timeline bietet.

    Wie bereits erwähnt ist es gerade bei Mastodon eigentlich recht einfach, bestehende Accounts auf einen anderen Server umzuziehen. Allerdings kann ich verstehen, wenn sich manche Nutzer diesen Aufwand nicht machen wollen, vielleicht auch, weil sie die eigenen Beiträge nicht mitnehmen können. Deswegen empfehle ich es gerade Neulingen, auf den mittelgroßen Server troet.cafe zu setzen und im Zweifelsfall auf eine andere Instanz umzuziehen. Da dieser Server bereits von vielen genutzt wird, vermute ich, dass bei Neulingen so nicht der Anschein erweckt wird, im Fediverse wäre nur tote Hose – wenn sie auf ihre lokale Timeline schauen.

    Ich nutze das Fediverse und Mastodon aber nicht erst seit gestern und habe so schon einige Zeit damit verbringen können, verschiedene Server zu testen. Im Grunde waren meine Erfahrungen damit meistens eher positiv. Ich bin oft auch deswegen gewechselt, weil mich ein anderer Server seinerzeit mehr angesprochen hat. Also auch nicht unbedingt, weil ich mit meinem alten Server unglaublich unzufrieden gewesen wäre.

    Sich im Fediverse umzusehen, genau darauf zu achten, welcher Community man beitreten möchte und welche Instanz individuell ansprechend ist: Das kann wohl nie schaden. Vielleicht helfen ja auch meine Überlegungen, die ich in diesem Beitrag formuliert habe, ein wenig bei der Auswahl. Ich freue mich jetzt jedenfalls auf meine Zukünftigen Erfahrungen mit und auf dizl.de. 🙂


    Bildnachweis: Eukombos, CC0, via Wikimedia Commons

  • Weitere Gedanken zu WordPress

    Nicht einmal eine halbe Stunde ist es her, da bekam ich eine E-Mail-Benachrichtigung zu dieser WordPress-Seite: Mein Blog wurde automatisch auf die neue Version 6.3 des am weitesten verbreiteten Webseiten-CMS der Welt aktualisiert. Ich dachte heute morgen noch daran, dass ich irgendwann gelesen habe, die neue Version solle im August erscheinen – tja, das ist sie ja anscheinend auch. Ich freue mich ziemlich über die neue Veröffentlichung. Leider bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, mir die neuen Funktionen anzusehen. Eigentlich wird es jetzt ja höchste Zeit dazu. So wirklich habe ich bisher nur von der Funktion mitbekommen, jetzt auch für Block-Themes einen Vorschaumodus verwenden zu können. Das finde ich richtig klasse: Vorbei sind die Tage, an denen ich möglichst schnell die nötigsten Änderungen vornehmen musste, wenn ich auf ein Block-Theme gewechselt bin. 🙂

    Naja, ich schweife schon wieder ab. Eigentlich wollte ich die Gelegenheit nutzen, wieder einmal ein paar Gedanken zu WordPress aufzuschreiben. Mir kommt es also eigentlich ganz gelegen, dass mich die neue Version daran erinnert hat. Ich finde, dass WordPress ein wirklich tolles Blog-System ist. Manchmal bin ich zwar ein bisschen traurig, dass sich die Entwickler nicht noch mehr auf dieses eigentlich ganz ursprüngliche Ziel der Software konzentrieren… Der Erfolg von WordPress gibt ihnen ja aber auch irgendwie Recht.

    Für mich ist WordPress in den letzten Monaten bekanntlich zu einem täglichen Begleiter geworden, immerhin nutze ich die Software ja täglich. Ich finde es noch immer unschlagbar, wie viel Kontrolle ich so über meinen Blog haben kann: Ein eigener Blog – das war lange Zeit mein Traum. Als ich mich durch die verschiedenen Angebote im Web gewühlt habe, konnte ich wirklich einiges sehen und testen. WordPress ist wirklich nicht ohne Grund die absolute Nummer eins unter den Blogsystemen, auch wenn ich manchmal an gewissen Stellen gerne meine Kritik üben würde. Ein Missstand ist meiner Meinung nach zum Beispiel das Angebot an wirklich gut gepflegten Themes, die sich primär an Blogger richten.

    Das Theme-Verzeichnis von WordPress ist voll mit so vielen tollen Seitendesigns. Aber das richtige zu finden ist doch nicht ganz einfach. Und da wo zum Beispiel Blogger.com eine einfache Standardauswahl an Blog-Themes bereithält, muss man bei WordPress ganz schön wühlen. Wühlen zwischen so vielen Themes für Unternehmens-Webseiten zum Beispiel. Wenn ich dann mal ein besonders schönes Theme gefunden habe, besteht eine gute Chance, dass dieses den Google Fonts-Dienst einbindet oder lange Zeit nicht aktualisiert wurde. Zwei Umstände, die ich eigentlich möglichst vermeiden möchte. Gut, wenn man lange genug sucht, findet man tolle Themes. Auch Twenty-Twenty Three, also das momentane Standard-Thema gefällt mir im Großen und Ganzen recht gut. Aber so wirklich zur Ruhe gekommen bin ich in dieser Hinsicht eben doch noch nicht.

    Eigentlich meckere ich hier aber auf einem sehr hohen Niveau: WordPress selbst wird stetig weiterentwickelt und das ist richtig klasse. Über die eigentliche Funktionalität kann ich mich ja im Grunde auch nicht beschweren. Übrigens bin ich was das angeht umso glücklicher, dass jetzt die Möglichkeit besteht, Block-Themes vor dem Aktivieren auszuprobieren. Denn jetzt kann ich mir ja einfach einmal ein bisschen Zeit nehmen, ein Block-Theme nach meinen Anpassen und so auch das Theme-Problem umgehen – denn wenn man sich zu helfen weiß, ist das vielleicht gar nicht so ein großes Problem.

    Ich finde, dass die vielen Blog-Systeme, die ich verwenden könnte und die ich mir bereits angesehen habe, alle ihre ganz eigenen Vorteile bieten. Da kann man dann wohl auch einmal über gewisse Schwächen hinwegsehen. Und da es bei WordPress wirklich nicht an Flexibilität mangelt, möchte ich das ganze hier auch gar nicht so schlimm darstellen. Eigentlich bin ich mit WordPress ziemlich zufrieden. Ich freue mich oft über die vielen Möglichkeiten, die mir dieses System bietet – und genau das ist womöglich auch dessen größte Stärke. Ich denke nicht, dass ich es in irgendeiner Art und Weise bereuen müsste, auf WordPress umgestiegen zu sein. Denn wie genau WordPress für mich ist, nun das hängt davon ab, wie ich die Software nutze. Ich glaube, auf eines kann ich mich hier festlegen: In den meisten Fällen nutze ich WordPress ziemlich gerne. 😀

  • Das Internet: Ein Raum der Möglichkeiten

    Ja, ich gebe es zu: Manchmal glorifiziere ich das Internet. Ich gebe zu: Manchmal blende ich aus, was im Netz falsch läuft – weil ich denke, dass man eigentlich nur nach den richtigen Ecken suchen muss. Ich habe das Internet bisher immer als einen Raum der Möglichkeiten verstanden, insbesondere das Web.

    Manchmal mache ich mir Gedanken, ob die Web-Trends rund um die sozialen Netzwerke der großen Firmen, der wachsende Einfluss Googles im Netz und auch der übergroße Marktanteil von Chrome bei den Browsern dem Web als ganzes gefährlich werden könnten. Und ja, an manchen Stellen komme ich nicht umhin und muss mir einfach Sorgen machen. Sorgen um das „freie Internet“, das ich in ganz unterschiedlicher Hinsicht liebgewonnen habe.

    Das Internet ist wohl eines der wichtigsten Projekte überhaupt, dass die Menschheit als ganzes über Ländergrenzen hinweg umgesetzt hat. Ich bin mit dieser internationalen Form des Internets groß geworden und freue mich nur zu oft, ein Teil davon sein zu können. Ich verstehe das Internet eben als einen Raum der Möglichkeiten, der nur darauf wartet, genutzt zu werden.

    Egal ob es hier um journalistische, kreative oder lehrreiche Inhalte geht: Im Web findet sich für so gut wie alles ein Raum – und das ist meiner Meinung nach einfach unglaublich beeindruckend. Ja, manchmal ist dieser freie Raum in Gefahr oder zumindest den Interessen profitorientierter Konzerne schutzlos ausgeliefert. Und in manchen Ecken des Netzes möchte man sicherlich auch nicht vorbeischauen. Es gibt hier aber zum Glück ein großes „Aber“:

    Aber am Ende des Tages kommt es immernoch darauf an, wie wir das Web nutzen. Und genau deswegen finde ich es auch wichtig, kleine und persönliche, individuelle Projekte ins Netz zu stellen. Das zeigt auch, dass das Web auch heute noch an manchen Stellen ungezähmt sein kann. Das Web sehe ich als einen öffentlichen Raum – und ich kann nur hoffen, dass dieser auch in Zukunft öffentlich bleiben wird.

    Was diese Hoffnung angeht, gibt es viele Projekte, die sich für ein freies Internet einsetzen. Und das ist gut so, ich bin auch sehr froh darüber. Die CreativeCommons-Lizenzen finde ich zum Beispiel sehr spannend. Ich nutze diese ja auch selbst für diesen Blog, um meine Inhalte für andere freier zugänglich zu machen. Das klingt nach einem guten Schlusswort: Vielleicht ist es genau dieser Blog, mit dem auch ich zu einem freien Internet beitragen kann – ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen: Jeden Tag entdecke ich unzählige spannende Inhalte im Netz. Da möchte ich auch einmal etwas zurückgeben.

    Hier lohnt sich sicher noch eine Frage an euch: Wie lebt ihr im digitalen Raum der Möglichkeiten?